Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 05.03.2018


Innenpolitik

Andrä Rupprechter: Der Luxus der zweiten Reihe

Auf den Tag genau vier Jahre war Andrä Rupprechter Landwirtschaftsminister. Als EU-Berater ist der Brandenberger wieder fern der Tagespolitik und kann aus seiner langjährigen Erfahrung schöpfen.

Ist seit Februar wieder EU-Beamter mit Dienstort Wien: Ex-ÖVP-Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter.

© APAIst seit Februar wieder EU-Beamter mit Dienstort Wien: Ex-ÖVP-Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter.



Von Carmen Baumgartner-Pötz

Wien – Sein neuer Dienstort gefällt Andrä Rupprechter außerordentlich gut: „Ballhausplatz 1 ist ja keine schlechte Adresse, oder?“ Auf Nr. 2 gegenüber befindet sich das Büro von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), in dessen Regierungsmannschaft für ihn kein Platz mehr war. „Relativ überraschend“ sei der Abschied aus dem Landwirtschaftsministerium für ihn gekommen, gibt der 56-Jährige zu. Doch für seinen nunmehrigen Job als Sonderberater für die Ratspräsidentschaft Österreichs war Rupprechter eigentlich ein logischer Kandidat: sieben Jahre Spitzenbeamter in Brüssel im Generalsekretariat des Rates, dazu die Erfahrung aus den zwei vergangenen österreichischen Ratspräsidentschaften 1998 und 2006, bei denen er in den Bereichen Landwirtschaft und Umwelt beratend tätig war. „Dass der Rat Beamte zur Unterstützung der Verwaltung in den Mitgliedsländern sekundiert, also entsendet, ist eine übliche Vorgangsweise“, erklärt Rupprechter – wenn es auch meistens niederrangigere trifft. Einmal im Monat ist der Unterländer in Brüssel zur Abstimmung mit dem Generalsekretariat. Dort erwartet man, dass die österreichische Ratspräsidentschaft „smooth“ abläuft, immerhin ist es bereits die dritte und das in einem „alten“ Mitgliedsland, in dem die Verwaltung gut funktioniert und von der EU entsprechend serviciert ist. Seit 1. März sind die EU-Kompetenzen nun auch im Bundeskanzleramt angesiedelt, bei Kanzleramtsminister Gernot Blümel (ÖVP) laufen die Fäden aus den einzelnen Fachressorts zusammen.

Die Rückkehr in die Beamtenschaft nach vier Jahren in der ersten Reihe ist Rupprechter nach einer kurzen Phase der Entwöhnung nicht schwergefallen. „Das total durchgetaktete Fremdbestimmtsein eines Ministers geht mir nicht ab. Meine jetzige Arbeit ist definitiv familienfreundlicher.“ Und so genießt es Rupprechter jetzt, mit seiner Frau die Kinder in der Früh in Kindergarten und Schule zu bringen und dann gemeinsam in die Arbeit zu fahren – Gattin Tina arbeitet im Innenministerium, einen Steinwurf von Rupprechters Büro entfernt.

Noch einen Vorteil sieht der Ex-Minister im Abschied vom Ministeramt: „Ich habe jetzt den Luxus, die aktuelle Tagespolitik nicht mehr kommentieren zu müssen.“ Und so will Rupprechter auch zur aktuellen Regierungsperformance schweigen. Das „Don’t Smoke“-Volksbegehren hat er nicht unterschrieben, „aber mein Vater und mein Bruder sind an Lungenkrebs gestorben, ich rauche nur Zigarren im Freien“, gibt er zu. Kritik an Schwarz-Blau nimmt er in Brüssel nicht wahr. „Mitte-rechts-Regierungen sind in Europa nichts Unübliches mehr.“


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