Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 11.05.2018


Politikbarometer

Gute Noten für die schwarz-blaue Koalition

Die Freiheitlichen profitieren von der Regierungszusammenarbeit mit der ÖVP. In der (fiktiven) Kanzler-Direktwahl liegt Sebastian Kurz (ÖVP) klar vor Christian Kern (SPÖ) und Heinz-Christian Strache (FPÖ).

© APA/PunzBundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und sein Vize Heinz-Christian Strache schneiden im Spectra-Politikbarometer gut ab.



Von Carmen Baumgartner-Pötz

Wien — Vor rund sieben Monaten haben die Österreicher den Nationalrat gewählt. Es kam zum Wechsel im Kanzleramt, die Republik wird seither von Schwarz-Blau regiert. Eine Umfrage der Spectra Marktforschung in Linz zeigt jetzt durch ihre Ergebnisse: Die Österreicher sind mit der neuen Koalition durchwegs zufrieden — ÖVP-FPÖ schneiden in der Befragung mit Abstand besser ab als SPÖ-ÖVP im Jahr 2017. Die wichtigsten Ergebnisse der Studie im Überblick:

1. Die Sonntagsfrage: „Falls am nächsten Sonntag Nationalratswahl wäre, wem würden Sie am ehesten Ihre Stimme geben?" Die Ergebnisse zeigen relativ wenig Bewegung: Die ÖVP bleibt mit 31 Prozent (zweite Befragungswelle im März) klare Nummer 1, eine erstarkte FPÖ (29) und die SPÖ (27) folgen dahinter, NEOS (4) und Liste Pilz (6) schaffen es ins Parlament, die Grünen kommen in der Umfrage auf nur noch 2 Prozent.

Die Umfrage:

Spectra (Sitz in Linz) hat in einer Eigenstudie im ersten Quartal 2018 knapp 1000 Österreicher über 16 Jahren befragt. Im Politikbarometer wurde unter anderem die klassische Sonntagsfrage gestellt, aber auch die Zufriedenheit mit der jetzigen Bundesregierung war ein Thema der Umfrage.

2. Die Koalition bekommt sehr gute Noten und wird mit Abstand besser wahrgenommen als die vergangene SPÖ-ÖVP-Koalition. Auf die Frage „Wie beurteilen Sie die Arbeit der Regierung bisher? Hat die Regierung ihre Sache bisher gut gemacht oder weniger gut gemacht?" antworteten im ersten Quartal 2018 39 Prozent der Befragten mit „gut gemacht", 34 Prozent mit „weniger gut gemacht". 27 Prozent konnten die Frage nicht beantworten. Im Vergleich dazu: Im September 2017, also zum Höhepunkt des Nationalratswahlkampfes, waren nur 14 Prozent der Meinung, die aktuelle (rot-schwarze) Regierung mache ihre Sache gut, 70 Prozent waren gegenteiliger Ansicht.

Auch die generelle Zustimmung zu Schwarz-Blau dürfte der Regierung Freude bereiten. Auf die Frage „Stehen Sie der Regierungs-Koalition zwischen ÖVP und FPÖ eher positiv oder eher negativ gegenüber?" antworteten im ersten Quartal 2018 46 Prozent der Befragten mit „positiv", 33 Prozent mit „negativ". Im Vergleich dazu: Im September 2017 standen nur noch 20 Prozent der Koalition positiv gegenüber, im ersten Quartal 2017 waren es noch 26 Prozent gewesen.

3. Interessant fallen die Antworten auf die Frage aus, welche Partei in der Bundesregierung besser gefällt. Im ersten Quartal 2018 erhält die ÖVP 37 Prozent, die FPÖ 18. Allerdings: 26 Prozent antworteten darauf „beide gleich", 18 können es nicht sagen. Dass es als Juniorpartner in einer Regierung nichts zu gewinnen gibt, gilt offenbar für die FPÖ derzeit nicht. In der Endphase der Großen Koalition im September 2017 hatte die damalige Kanzlerpartei SPÖ 24 Prozent erhalten, die ÖVP 28 Prozent. Bei der Frage nach den Personen an der Regierungsspitze („Wer gefällt Ihnen besser?") erhielt ÖVP-Chef und Bundeskanzler Sebastian Kurz aktuell 43 Prozent, FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache 19 Prozent. 20 Prozent fanden beide gleich gut.

4. Bei der Kanzlerfrage („Angenommen, Sie könnten den Bundeskanzler direkt wählen, wem würden Sie Ihre Stimme geben?") liegt Amtsinhaber Kurz im ersten Quartal 2018 mit 31 Prozent klar in Führung. Oppositionschef Christian Kern (SPÖ) kommt auf 22 Prozent, Heinz-Christian Strache (FPÖ) auf 18 Prozent. Interessant: Kurz kam im dritten Quartal 2017 bereits auf 28 Prozent, Kern nur noch auf 20.

5. Gefragt wurde auch nach der „guten Meinung" über die einzelnen Parteien. Hier liegt die ÖVP mit 44 Prozent im ersten Quartal 2018 klar auf Platz 1, FPÖ und SPÖ mit je 34 Prozent gleichauf dahinter. Von den NEOS haben 16 Prozent eine gute Meinung (die Befragung wurde vor dem Rückzug von Noch-Parteichef Matthias Strolz durchgeführt), von der Liste Pilz immerhin noch elf Prozent.

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