Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 10.06.2018


Innenpolitik

Kein Bundesheer ohne Miliz

In Igls wurde der Miliz Award verliehen, die höchste Auszeichnung des Bundesheeres für Arbeitgeber. Der Sonderpreis ging an die Stadt Innsbruck.

© Thomas BöhmOthmar Commenda (scheidender Chef des Generalstabes) mit Minister Kunasek.



Von Alexandra Plank

Igls – Punkt 11 Uhr, mit militärischer Präzision, startete am Samstag der Festakt zur ersten Verleihung des Miliz Awards im Congresspark Igls. Diese Anerkennung gegenüber der Wirtschaft wurde erstmals vergeben. Rund 200 Milizsoldaten nahmen teil. Als sichtbares Zeichen wurde für diesen Tag eine Uniform-Trageerlaubnis für alle Milizsoldaten in Österreich erlassen.

Eine Tirol-Premiere war die Anwesenheit von Verteidigungsminister Mario Kunasek. Der FPÖ-Politiker betonte die Bedeutung der Miliz für das österreichische Bundesheer, aber auch für die Gesellschaft. Kunasek formulierte knackig: „Kein Bundesheer ohne Miliz.“ Die Miliz, das Bürgerheer, bestand in Österreich bis 2003 meist aus kurzgedienten Wehrpflichtigen. Oberst Wilfried Tilg, Organisator des Events, erklärt dazu: „Das Milizsystem ähnelt dem der Schweiz. Wer nur sechs Monate den Grundwehrdienst verrichtete, konnte die zwei verbleibenden Monate im Laufe seines Lebens durch Übungen beim Heer abdienen.“

20 Prozent der Grundwehrdiener rüsteten nicht nach acht Monaten ab, sondern wurden immer wieder zum Dienst an der Waffe einberufen. „In der Schweiz ist das System stärker verankert; ohne einen hohen Grad beim Bundesheer als Milizsoldat besteht keine Chance auf eine Führungsposition in der Wirtschaft.“

Die Miliz Awards wurden in vier Kategorien verliehen. Die 150 Träger des Milizgütesiegels hatten 2017 die Möglichkeit, ihr Unternehmen für den Award zu nominieren. Milizbeauftragter Generalmajor Erwin Hameseder erklärt: „Die Firmen sind der Beweis dafür, dass Wirtschaft und Landesverteidigung sehr gut zusammenarbeiten können.“ Er ist Generalmajor der Miliz und Spitzenmanager. „Viele Soldaten nehmen Urlaub, damit sie ihren Dienst ableisten können, das widerspricht dem Milizgedanken, wir müssen das abschaffen.“

Der Sonderpreis ging an die Stadt Innsbruck. Generalmajor Elmar Rizzoli, Sicherheitsbeauftragter der Stadt, befehligte die Truppen. Überließ Vizebürgermeister Franz X. Gruber aber bei der Preisübergabe die Bühne. „Das Schöne an der Miliz ist, dass sie aus der Bevölkerung für die Bevölkerung agiert“, erklärte Gruber.

Elmar Rizzoli, Sicherheitsbeauftragter von Innsbruck und Milizsoldat.
- Thomas Böhm
Kunasek mit seiner Herzensdame Sabrina Koroschetz.
- Thomas Böhm