Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 15.06.2018


Innenpolitik

Erlass aufgehoben, Gleichstellung bleibt

© APADie Gleichstellung von Frauen und Männern ist als eines von zwölf Unterrichtsprinzipien verankert. Das soll auch so bleiben.Symbolfoto: APA/Schneider



Von Carmen Baumgartner-Pötz

Wien – Es ist noch keinen Monat her, da sorgte die Abschaffung des Binnen-I beim Bundesheer für Wirbel – inklusive der Rechtfertigung dieser Maßnahme durch Ressortchef Mario Kunasek (FPÖ), der die „gewachsene Struktur unserer Muttersprache“ von „feministischen Sprachvorgaben“ bedroht sah.

Nun ist es das Bildungsministerium, das kritisiert wird. Die grüne Bundesrätin Ewa Dziedzic hat eine parlamentarische Anfrage betreffend Förderung der Gleichstellung im Schul- und Bildungswesen an Minister Heinz Faßmann (ÖVP) gestellt. Denn im Zuge einer Art Entrümpelung der Schulverwaltung hat sein Ressort bisher rund 200 „obsolete und redundante“ Rundschreiben und Erlässe aufgehoben – auch den „Grundsatzerlass zum Unterrichtsprinzip Erziehung zur Gleichstellung von Frauen und Männern“ aus dem Jahr 1995, also aus der Zeit von Elisabeth Gehrer (ÖVP). Dziedzic will wissen warum – und hat insgesamt 25 Fragen an Faßmann gerichtet; unter anderem soll geklärt werden, wie geschlechtssensibles Arbeiten in der Schule gefördert wird – und ob es Schulbuchanalysen zu darin vorkommenden Geschlechterrollen gibt. „Mir geht es um transparente Information“, so Dziedzic gegenüber der TT.

Im Bildungsministerium betont man, dass Gleichstellung als eines von zwölf Unterrichtsprinzipien weiterhin bestehen bleibe. Aber ein aus dem Jahr 1995 stammender Text sei überarbeitungsbedürftig. In der Neutextierung sollen „aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und wissenschaftliche Diskurse mitberücksichtigt werden“. Die Neuverlautbarung ist (spätestens) für Beginn des kommenden Schuljahres, also für Herbst, vorgesehen.