Letztes Update am Di, 19.06.2018 11:59

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Shitstorm

12-Stunden-Tag: Werbevideo der Wirtschaftskammer erntet Spott

„Willkommen in der neuen Welt der Arbeit“ heißt das Gute-Laune-Lied, in dem die flexible Arbeitszeitgestaltung hochgelobt wird. Vielen stößt das Imagevideo sauer auf.

Entspannt, fröhlich, frei - so sieht laut der Wirtschaftskammer das Leben österreichischer Angestellten mit flexiblen Arbeitszeiten aus.

© Screenshot/YouTubeEntspannt, fröhlich, frei - so sieht laut der Wirtschaftskammer das Leben österreichischer Angestellten mit flexiblen Arbeitszeiten aus.



Innsbruck — Der Versuch der Wirtschaftskammer, die Vorzüge flexibler Arbeitszeiten und des 12-Stunden-Tags hervorzuheben, hat für ordentlich Gegenwind gesorgt. In einem rund dreiminütigen Imagevideo wird ein sehr positives und arbeitnehmerfreundliches Bild der österreichischen Arbeitswelt gezeichnet. Textzeilen wie „Einmal länger hackeln gehen, wenn's das Geschäft verlangt, was der Chef dir mit mehr freier Zeit dankt. Und zwar dann, wenn du sie brauchst, eben für deine Sachen. Einfach Zeit haben zum kurz mal Urlaub machen" stoßt vielen Zuschauern sauer auf.

Auch die Vereinbarung von Familie und Beruf ist laut der Wirtschaftskammer kein Problem: „Hast Familie und Beruf, fragst dich wie das gehn soll, ist dein Tag schon ohne Kids mit allerhand Aufgaben voll, mit flexiblen Arbeitszeiten kannst du's besser einteilen und brauchst dich wie bisher üblich nicht mehr täglich zweiteilen." Die neue Arbeitszeitregelung, welche die Regierung bald zur Abstimmung bringen will, soll demnach eine Win-Win-Situation für Angestellte und Unternehmen sein.

So unverfänglich und fröhlich die Aufmachung des Videos daherkommt, so kontrovers wird dessen Inhalt auf sozialen Medien diskutiert. Aktuell stehen auf YouTube rund 150 positive Bewertungen 7000 negativen gegenüber, auch in den Kommentaren muss die Wirtschaftskammer viel Kritik einstecken. Manche finden das Video sogar so absurd, dass sie es mit Beiträgen des Satireportals Tagespresse vergleichen. Auch von Propaganda ist des öfteren die Rede. (TT.com)