Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 01.07.2018


Exklusiv

Elternvertreter fordern mehr Mitspracherecht an Schulen

Ein starker Auftritt: Der Landeselternverband setzt sich für mehr Präsenz ein – auch bei Lehrerkonferenzen. Der neue Obmann im Gespräch.

© iStockphotoEltern in der Schule: mehr Mitspracherechte gefordert.



Welche Ziele hat sich der neue Vorstand des Elternvereins gesetzt?

Christoph Drexler: Mehr Mitspracherecht, und dazu gehört auch die Gründung neuer Elternvereine, besonders in Volks- und Neuen Mittelschulen gibt es noch viel Luft nach oben. Wir möchten Schulungen anbieten, speziell in den Volksschulen wissen viele nicht, was sie erwartet. Es geht aber auch darum, Eltern bezüglich ihrer rechtlichen Möglichkeiten besser zu beraten. Was viele gar nicht wissen: Sie können in höheren Schulen an Lehrerkonferenzen teilnehmen, das wird aber nicht überall angewandt. Das gilt übrigens auch für Schülervertreter, aber die werden noch seltener eingeladen, so mein Eindruck. Ich war selbst schon bei solchen Zusammenkünften, meiner Meinung nach trägt die Teilnahme der Elternvertreter zu einer Versachlichung so mancher Diskussion bei.

Was erwarten Sie sich von den neuen Bildungsdirektionen?

Drexler: Das ist abzuwarten. Das Autonomiepaket hat die Rolle der Eltern nicht gestärkt, im Gegenteil. Was die Entwicklungen im Bildungsbereich betrifft, werden wir genau hinsehen, dazu sind wir in engem Kontakt mit dem Bundesverband. Information ist sehr wichtig. Die Pläne der Regierung werden wir an die Elternvereine an den Schulen weiterkommunizieren und umgekehrt deren Anliegen direkt dem Bundesverband übermitteln.

Wie sehen die Tiroler Eltern die Einführung der Deutschförderklassen? Gibt es Vorbehalte?

Drexler: Derzeit ist es ruhig, aber wir rechnen mit einem Aufschrei zu Schulbeginn im Herbst. Man hört jedenfalls von vielen Seiten, dass es große Probleme geben könnte. Unserer Meinung nach sollten die Schulen selbst entscheiden, welches Modell jeweils geeignet ist. Und dafür sollten sie dann auch die nötigen Mittel zur Verfügung bekommen. Die Rasenmäher-Methode, also überall drüberzufahren, halte ich nicht für sinnvoll. Es zeigt sich, dass viele Kinder sehr schnell Deutsch erlernen, wenn sie in einer Klasse unterrichtet werden, in der Deutsch gesprochen wird — natürlich mit den entsprechenden Fördermaßnahmen. Anders ist das, wenn es zu wenige Kinder mit deutscher Muttersprache gibt, aber das ist nicht der Regelfall. Ich glaube, da hat sich der Minister zu früh festgelegt, um zurückrudern zu können. Dann würde es heißen, er gibt nach, und das will er nicht. Die Einführung der Deutschförderklassen könnte im schlimmsten Fall zu einer Ghettoisierung führen.

Wie lautet der Vorschlag der Eltern?

Drexler: Uns geht es auch hier um eine Versachlichung. Man sollte sich mit dem Thema gründlich auseinandersetzen und Experten zu Wort kommen lassen.

Wie bekannt gegeben wurde, nimmt Mobbing an Schulen zu wie auch die Zahl psychischer Krankheiten bei jungen Leuten. Wie sollen Schulen darauf reagieren?

Drexler: Die Schulpsychologie und die Sozialarbeit müssten ausgebaut werden. Doch dazu bräuchte es die nötigen Mittel, die leider nicht zur Verfügung gestellt werden. Ein erfolgreiches Pilotprojekt am Gymnasium Adolf-Pichler-Platz in Innsbruck zeigt, was möglich ist.

Das Gespräch führte Michaela S. Paulmichl