Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 14.07.2018


Innsbruck

Grünes Licht und eine abgespeckte Variante

Intensive Diskussion über das Projekt am Campagne-Areal. Der erste Bauabschnitt könnte um bis 30 Wohnungen kleiner werden.

© Thomas Boehm / TTDas IKB-Gebäude (l.) bleibt vorerst bestehen, dahinter wird es auf dem weitläufigen Campagnereiter-Areal wohnbautechnisch Granada spielen: 800 bis 1.000 Wohnungen sollen hier entstehen.



Von Marco Witting

Innsbruck – Das Projekt am Campagne-Areal in der Innsbrucker Reichenau hat viele Diskussionen, Ausschüsse und Zeitungsspalten gefüllt. Jetzt fand das Projekt mit den Beschlüssen über den Flächenwidmungs- und den Bebauungsplan den Weg in den Gemeinderat. Und während die äußerlichen Rahmenbedingungen gleich blieben, wurde die erste Baustufe mittlerweile abgespeckt. Die Anlage könnte um bis zu 30 Wohnunge weniger haben.

Die Neue Heimat Tirol (NHT) hatte Bedenken geäußert, dass in einzelnen Wohnungen keine gute Qualität erreicht werden könne – speziell in Bezug auf Belichtung und Aussicht in einigen Wohnungen, die in den unteren Etagen auf die „Gasse“ hin ausgerichtet sind. Kurzfristig wurde das Thema noch einmal erörtert und BM Georg Willi (Grüne) zeigte sich erfreut, dass „durch geringfügige Adaptierungen“ das vorliegende Projekt noch verbessert werden konnte. Mit einigen Einschnitten nach Innen wurde die Dichte des Projekts reduziert – dafür gibt es insgesamt drei Varianten. Statt der geplanten 308 Wohnungen im ersten Bauabschnitt würde man dann – je nach Variante – auf zwischen 278 und 294 Wohnungen kommen. Willi sieht dadurch das Ziel „hoher Wohnqualität“ für die Nutzer weiterhin gewährleistet.

Durch den am Donnerstag mehrheitlich genehmigten Flächenwidmungs- und Bebauungsplan sei auch sichergestellt, dass das Projekt im Herbst starten kann. Eine Ablehnung in der jüngsten Sitzung hätte ein Jahr Bauverzögerung gebracht. Abgelehnt wurde das Projekt von FPÖ, Gerechtes Innsbruck, Liste Fritz und ALI. FP-Stadtrat Rudi Federspiel erklärte: „Ghetto bleibt Ghetto.“ Und sein Parteikollege Maximilian Kurz bekrittelte, dass die Informationen im Bauausschuss „viel zu spät“ gekommen seien. Man hätte sich nicht vorbereiten können. Speziell seinen jungen Gemeinderatskollegen rief Kurz entgegen: „Stimmts nicht für ein Projekt, wo ihr euch nicht auskennts und nichts wisst.“ Das führte zu einigen harten Repliken aus anderen Fraktionen. Speziell GRin Marcela Duftner (Grüne) bestritt, dass es keine Informationen gegeben habe, und verwies die FPÖ mehrfach auf eine Sitzung, die bereits am 23. Juni stattgefunden hatte. GR Gerhard Fritz (Grüne) hob wie der Vorsitzende des Bauausschusses GR Lucas Krackl (FI) hervor, wie fatal eine Ablehnung im Hinblick auf eine Bauverzögerung für das Projekt wäre und wie intensiv die Diskussionen im Vorfeld gewesen seien. Im Herbst soll dann die endgültige Projektentwicklung präsentiert werden. Bekanntermaßen sollen auf insgesamt vier Baufeldern im Campagne-Areal rund 1000 Wohnungen entstehen. Auch für das – von FPÖ und Bürgerinitiativen – kritisierte Projekt in Igls wurden die Bebauungspläne mehrheitlich genehmigt.

Schon vor der Gemeinderatssitzung gab es Aufregung im Bauausschuss. Das lag daran, dass die Kleinfraktionen (ALI, Liste Fritz, Gerechtes Innsbruck), die als Zuhörer der Sitzung beiwohnen dürfen, dort mit Ersatzmitgliedern vertreten waren. Nach 50 Minuten Debatte entschied der Ausschuss einstimmig, dass nur Gemeinderäte als Zuhörer erlaubt sind. Alle Fraktionen haben jetzt das Ziel ausgegeben, hier künftig Rechtssicherheit zu bekommen und gleichzeig möglichen Schaden von der Stadt durch aufgehobene Beschlüsse abzuwenden. Es wurde angeregt, bei der Verwaltungsaufsicht Klarheit zu schaffen, wie der entsprechende Artikel im Stadtrecht zu interpretieren ist.