Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 14.07.2018


Umfragedaten

Politikbarometer schlägt für Schwarz-Blau hoch aus

ÖVP und FPÖ können ihren Regierungsbonus in den Umfragen weiter ausbauen. Der Vertrauensvorschuss der Wähler hält offenbar an.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache.

© APA/SchlagerBundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache.



Von Carmen Baumgartner-Pötz

Linz, Wien – Das Parlament ist bereits in der Sommerpause, die politischen Termine werden deutlich weniger, und Bundeskanzler Sebastian Kurz schnürt heute die Wanderschuhe, um mit Unterstützern und Fans auf den Schöckl bei Graz zu wandern – türkis-buntes Rahmenprogramm inklusive.

Mit im Rucksack hat der ÖVP-Chef die neuesten Umfragedaten und damit Grund zur Freude und sommerlichen Entspannung vom Polit-Alltag: 34 Prozent der Wähler würden ihr Kreuz bei der Volkspartei machen, wenn am nächsten Sonntag Nationalratswahl wäre, heißt es im aktuellen nationalen Politikbarometer von Spectra.

Das in Linz beheimatete Marktforschungsinstitut hat für seine Eigenstudie auch im Juni wieder rund 1000 Personen befragt. Anhand der Vergleichszahlen der vergangenen Monate kann man herauslesen, dass die Regierungsparteien ihren komfortablen Vorsprung seit dem Wahlsonntag Ende Oktober weiter ausbauen konnten.

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„Ein gewisser Regierungsbonus dürfte auch greifen“, interpretiert Projektleiter Peter Bruckmüller die Daten. Beide Regierungsparteien haben sich auf hohem Niveau stabilisiert. „Der Vertrauensvorschuss der Wähler wird derzeit offenbar bestätigt“, sagt Bruckmüller zu den anhaltend guten Umfragewerten. Auch der Juniorpartner FPÖ profitiert weiterhin von der Zusammenarbeit mit der ÖVP. Die Freiheitlichen unter Heinz-Christian Strache liegen stabil bei 28 Prozent – bei der Nationalratswahl im Oktober hatten 26 Prozent ihr Kreuz bei den Blauen gemacht, die FPÖ war knapp hinter der SPÖ auf Platz drei gelandet. Im Politikbarometer (Schwankungsbreite 3,8 Prozent) hat es sich mittlerweile gedreht: Da liegt die SPÖ mit 26 Prozent derzeit hinter den Freiheitlichen. „Die Opposition kämpft weiter da­rum, an Profil zu gewinnen“, sieht Bruckmüller Ex-Kanzler und SPÖ-Parteichef Christian Kern gefordert.

Bei der Kanzlerfrage („Angenommen, Sie könnten den Bundeskanzler direkt wählen ...“) kommt Kurz im 2. Quartal 2018 auf 30 Prozent. Er liegt damit deutlich vor Kern (20) und Strache (17).

Alles eitel Wonne also für Schwarz-Blau? Der Beschluss des Arbeitszeitgesetzes vor der Parlamentspause war immerhin nicht ohne Brösel über die Bühne gegangen, An die 100.000 Menschen demonstrierten Ende Juni in Wien gegen den 12-Stunden-Tag. Ein möglicher Unmut in der Bevölkerung bildet sich in den Umfragedaten allerdings nicht ab, was Bruckmüller so erklärt: „Die Arbeitszeiten-Diskussion ist nur zu einem geringen Teil eingeflossen, bei etwa 100 der rund 1000 Befragten. Das Thema Sozialversicherungen dürfte für viele Bürger nicht so greifbar sein.“ Zum Zeitpunkt des Beschlusses der Arbeitszeitnovelle war die Umfrage schon zu einem Großteil abgeschlossen.

Abgefragt wurde von Spectra auch, von welcher Partei man eine gute Meinung hat. Hier darf sich die ÖVP im 2. Quartal 2018 über 46 Prozent freuen. Die FPÖ liegt mit 35 Prozent auch hier vor der SPÖ (32). Die NEOS kommen auf 17 Prozent, die Liste Pilz, allen internen Querelen zum Trotz, noch auf 9 Prozent. 48 Prozent der Befragten stehen der Regierungskoalition generell eher positiv gegenüber, das ist eine leichte Steigerung zum 1. Quartal (46 Prozent).


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