Letztes Update am Mi, 05.09.2018 14:51

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Digitalisierung

„Masterplan“ Digitalisierung für Bildung kommt

Die Regierung plant eine Modernisierung der Lehrpläne, einen Infrastrukturausbau und den Ausbau des Themas Digitalisierung in der Aus- und Fortbildung der Lehrer.

Der "Masterplan" soll "Einzelinitiativen" ablösen. Die Ausstattung der Schüler mit Tablets war bereits in der „Digitalisierungsstrategie“ von Ex-Ministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) vorgesehen.

© APADer "Masterplan" soll "Einzelinitiativen" ablösen. Die Ausstattung der Schüler mit Tablets war bereits in der „Digitalisierungsstrategie“ von Ex-Ministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) vorgesehen.



Wien – Die Bundesregierung will einen „Masterplan Digitalisierung“ für das Bildungswesen erstellen. Dies soll Österreich „wettbewerbsfähiger und besser“ machen, erklärte Bundeskanzler Sebastian Kurz am Mittwoch. Bildungsminister Heinz Faßmann (beide ÖVP) sprach dabei von einem „Jahrzehnteprogramm“. Es handle sich um ein „sehr großes Projekt, das uns bis zum Ende der Legislaturperiode begleiten wird und uns definitiv wettbewerbsfähiger und besser machen wird“, so Kurz.

Faßmann räumte ein, dass die Digitalisierung kein einfaches Projekt ist. Mit ihr soll aber das „enorme Potenzial“ für das Schulwesen genutzt werden. Schüler sollen dabei nicht nur Programme bedienen können, sondern die Prozesse verstehen, ebenso was Programme leisten bzw. nicht leisten können. Laut dem Bildungsminister genüge es dabei nicht, die technische Infrastruktur zur Verfügung zu stellen: „Wer digitale Medien nur verwendet, um vielleicht Overheadfolien durch Power Point zu ersetzen, hat das Potenzial nicht verstanden.“

„Masterplan“ statt „Einzelinitiativen“

Wo es bisher „zahlreiche Einzelinitiativen und Projekte“ gab, soll nun der „Masterplan“ her. Ziel laut Ministerratsvortrag vom Mittwoch: Moderne Lehrpläne und Unterrichtsmaterialien, bessere Infrastruktur und verstärkte Aus-und Fortbildung der Lehrer.

Der „Masterplan“ tritt an die Stelle von Initiativen wie der erst im Vorjahr noch unter Ex-Ministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) gestarteten „Digitalisierungsstrategie“. Diese setzte bereits auf ähnliche Themen (Aus- und Fortbildung der Pädagogen, Ausbau der Infrastruktur, Ausstattung der Schüler mit Tablets bzw. Laptops). Folge war etwa die Einführung der heuer flächendeckend umgesetzten verbindlichen Übung „Digitale Grundbildung“ für Schüler an den Neuen Mittelschulen (NMS) und AHS-Unterstufen.

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Fachinhalte auf dem Prüfstand

Fachinhalte sollen beim „Masterplan“ künftig ebenso auf den Prüfstand wie die Art der Wissensvermittlung, das Verständnis für große Zusammenhänge und Kritikfähigkeit soll Vorrang bekommen vor Faktenlernen, das Interesse an Technologie (vor allem unter Mädchen) gesteigert und digitale Fähigkeiten verbessert werden. Wie und in welcher Art digitale Inhalte und Instrumente in den Unterricht einfließen, ist laut Ministerium „noch nicht abschließend geklärt“. Immerhin bringe der Einsatz digitaler Geräte ohne „die richtigen pädagogischen Ansätze“ nicht automatisch bessere Lernergebnisse, verweist man auf Studien der OECD.

Bei der technischen Ausstattung herrscht laut Bildungsministerium „teils erheblicher Nachholbedarf“: Nur an etwa der Hälfte der AHS und NMS sowie rund 60 Prozent der berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) gab es im ersten Halbjahr 2018 WLAN in allen Unterrichts- und Aufenthaltsräumen. Lediglich an 14 Prozent der NMS und mehr als einem Drittel der AHS und BMHS gibt es eine Internet-Breitband-Anbindung von 100 Mbit/s. Eingesetzt werden digitale Medien trotzdem jetzt schon an der Mehrzahl der Sekundarschulen: Rund zwei Drittel der NMS, AHS und BMHS nutzen bei Bedarf Smartphones, Tablets und Notebooks der Schüler im Unterricht; ein pädagogisches Konzept dafür haben zwei Drittel der NMS, rund 59 Prozent der AHS und die Hälfte der BMHS.

Ziel des Bildungsministeriums ist es, die Ausstattung aller Schulen mit Infrastruktur und mobilen Engeräten auf einen vergleichbaren Stand zu bringen und flächendeckend die Voraussetzungen für einen Einsatz digitaler Tools an den Schulen zu schaffen. Außerdem soll in einem Modellprojekt an ausgewählten Schulen der 1. Klasse AHS – bzw. „wenn finanziell verkraftbar“ beim gesamten Jahrgang – der Einsatz einer Musterausstattung (Breitbandanbindung, Netzwerk/WLAN im gesamten Schulgebäude, digitale Schultafeln/Beamer, mobile Endgeräte) samt pädagogischem Konzept getestet werden.

Lehrer sollen geschult werden

Dritter Schwerpunkt neben Lehrinhalten und technischer Ausstattung sind die Lehrer selbst: In ihrer Aus- Fort- und Weiterbildung soll Digitalisierung und Vermittlung von Inhalten mit modernen Medien systematisch verankert werden. Bei bereits unterrichtenden Pädagogen sollen vor allem schulinterne Fortbildungen am Standort eingesetzt werden.

Erstellt werden soll der „Masterplan“ gemeinsam mit anderen Ministerien und externen Experten, die Umsetzung schrittweise bis 2023 erfolgen. Die Finanzierung muss erst mit Bundeskanzleramt und Finanzministerium geklärt werden. (APA, TT.com)


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