Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 09.09.2018


Digitalisierung

Tablets als neues Werkzeug für Lehrer

Masterplan Digitalisierung: Die Regierung will das digitale Klassenzimmer auf Vordermann bringen. Tirol war bei bisherigen Pilotprojekten vorne dabei. Wie geht es weiter?

© iStockGeht es nach der Regierung, sollen Schulen digitaler werden – ein Projekt, das nicht alle Experten positiv für die kognitive Entwicklung der Kinder sehen.



Von Liane Pircher

Innsbruck – In welcher Altersstufe mit dem digitalen Klassenzimmer begonnen wird, ist gerade Gegenstand von Erhebungen. Das Bildungsministerium wertet internationale Erfahrungen aus, in welcher Altersklasse der Einstieg am sinnvollsten ist. So der Plan. Fakt ist, dass statt Tafel und Kreide vermehrt Laptop und Tablet in die Klassenzimmer einziehen sollen.

Tirols Bildungslandesrätin Beate Palfrader dazu: „Lesen, Rechnen, Schrei­ben, Gesundheit und Bewegung haben höchste Priorität, vor allem in der ersten und zweiten Klasse. In der Volksschule steht die Medienbildung sowie der spielerische Umgang mit Technik und Problemlösung im Vordergrund.“ Das Ziel: Alle sollen nach Abschluss der Volksschule über erste digitale Grundkompetenzen verfügen und anwenden können. Unabhängig vom neuen Masterplan gibt es in Tirol bereits jetzt eine auffällig hohe Vielzahl von Schulen mit IT-Pilotprojekten (siehe auch Kasten unten). Die Idee für mehr „digital“ in Schulen gab es bereits von Ex-SPÖ-Bildungsministerin Sonja Hammerschmied. Sie präsentierte vor rund einem Jahr die Strategie „Schule 4.0“ (die damals errechneten Kosten: 100 Millionen Euro für Breitband an den Schulen, 160 Millionen für Tablets und Laptops und 60 Mio. für die Wartung der Netze).

Aktuell führen laut Bildungsministerium lediglich 5,9 Prozent der Neuen Mittelschulen (NMS), 6,4 Prozent der allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) und 14,6 Prozent der berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) Klassen mit schülereigenen Geräten wie Notebooks oder Tablets. An rund zwei Drittel dieser Schulen wird mit diesen Geräten bei Bedarf im Unterricht gearbeitet. Nur etwa die Hälfte verfügt über WLAN in allen Unterrichts- und Aufenthaltsräumen. Ein pädagogisches Konzept für den unterstützenden Einsatz digitaler Technologie im Unterricht haben 65,5 Prozent der NMS, 58,8 Prozent der AHS und 50 Prozent der BHS.

In Tirol werden noch heuer so genannte „digitale Lernlabors“ an 70 Volks-, Mittelschulen oder an Unterstufen der AHS gestartet. Rund 20 Mittelschulen und Gymnasien machten bereits im abgelaufenen Schuljahr an der Pilotierung der digitalen Grundbildung mit, heißt es seitens der Bildungsabteilung des Landes. Und, so Palfrader: „Bis 2023 sollen alle Volksschulen mit digitalen Lernlabors und WLAN ausgestattet sein.“ Gleichzeitig finden begleitende Evaluierungen statt, inwieweit digitale Medien hilfreich und motivierend für sämtliche pädagogisch-didaktische Themen (Sprach-, Leseförderung, Mathematik etc.) sind. Unabhängig davon finde in Tirol momentan eine Offensive in der begleitenden Fortbildung der Lehrer zu IT-Themen (mit Lernlaboren) statt. Gut so, sagt ein NMS-Lehrer, der in „seiner“ Schule der IT-Beauftragte ist, und: „Die Geräte sind pädagogisches Werkzeug, die das individuelle Lernen fördern, aber Tablets können niemals einen Pädagogen ersetzen.“ Er hofft – wie viele seiner Kollegen –, dass es bald konkrete Infos zum neuen Masterplan gebe. Momentan seien diese sehr vage. Keiner wüsste Bescheid, wie es genau weitergeht. Was alleine eine Ausrüstung aller Tiroler Schüler mit Tablets kosten würde, kann auch das Land nicht beantworten: „Bezüglich Tablets wäre jede Schätzung ohne definierte Rahmenbedingungen ein spekulativer Nebelakt“, so Palfrader.


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