Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 23.09.2018


Innenpolitik

Pamela Rendi-Wagner: Eloquent, modern, beruflich erfolgreich

Mit Joy Pamela Rendi-Wagner wird erstmals eine Frau Vorsitzende in der 130-jährigen Geschichte der SPÖ.

© APA/ROLAND SCHLAGERSPÖ wird weiblich. Die Ärztin und frühere Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner wird neue Vorsitzende der SPÖ. Sie löst im November offiziell Christian Kern nach dessen Rückzug ab. Mit ihr steht erstmals eine Frau an der Spitze der SPÖ.



Von Michael Sprenger

Wien – 30. Dezember 1888. Es war das große Verdienst des Arztes und bürgerlichen Intellektuellen Victor Adler, die radikalen Kräfte und die Gemäßigten zu vereinen. Der Hainfelder Parteitag wurde zur Geburtsstunde der Sozialdemokratie in Österreich.

130 Jahre später wird die SPÖ erstmals weiblich. Es will der Zufall, dass an dieser Zäsur der Parteiengeschichte eine Ärztin steht.

Doch anders als ihre männlichen Vorgänger kann Pamela Rendi-Wagner (47) auf keine sozialdemokratische Vergangenheit zurückblicken. Ihr fehlt der Stallgeruch, nicht aber die richtige Gesinnung.

Sie ist schon seit einem längeren Zeitraum Mitglied beim „Bund sozialdemokratischer Akademiker“, Parteimitglied wurde sie erst am 7. März 2017: einen Tag vor ihrer Angelobung als Gesundheitsministerin.

Einem breiteren Teil der Öffentlichkeit bekannt wurde die Medizinerin mit ihrer Funktion als Sektionschefin und Generaldirektorin für die öffentliche Gesundheit im Gesundheitsministerium. Wenn es um Impfungen oder gefährliche Krankheitserreger ging, dann war sie als Interview­partnerin gefragt. Aufmerksam auf die Spitzenmedizinerin wurde der damalige Gesundheitsminister Alois Stöger. Er holte Rendi-Wagner 2011 als Spitzenbeamtin in sein Ministerium.

Doch wer ist Rendi-Wagner? Ihre Eltern verschafften dem Kind aus Favoriten mit der Namenswahl keinen enormen Startvorteil. Erst mit der erfolgreichen TV-Serie „Dallas“ und der von Victoria Principal verkörperten Pamela „Pam“ Barnes Ewing bekam der Vorname hierzulande einen besonderen Klang. Eigentlich ist Pamela Rendi-­Wagners zweiter Vorname. Ihre Eltern hatten sich Joy einfallen lassen. Doch für die eloquente Wienerin, die auch als erste Frau ins Kanzleramt einziehen will, war die Kombination „Joy Pamela“ kein großes Hindernis.

Nach der Trennung der Eltern lebte sie bei der Mutter. Sie besuchte das Gymnasium Erlgasse (wie Jahre später auch Sebastian Kurz). Nach der Schule begann sie ein Medizinstudium und schlug rasch eine Musterkarriere ein. Promotion an der Universität Wien, danach machte sie die Facharzt­ausbildung in London. Sie ist Expertin für Impf-Prävention, Reisemedizin und Infektionsepidemiologie und arbeitete als Dozentin über zehn Jahre wissenschaftlich am Institut für Tropenmedizin der Medizinischen Uni Wien.

Danach verbrachte die Mutter von zwei Mädchen einige Jahre in Israel, wo sie als Gastprofessorin an der Universität Tel Aviv wirkte. Ihr Ehemann Michael Rendi, der spätere Kabinettchef von Kanzleramtsminister Thomas Drozda, war dort Botschafter. Im Gesundheitsministerium schätzte man bei der Spitzenbeamtin und später, als Nachfolgerin der viel zu früh verstorbenen Ministerin Sabine Oberhauser, den offenen und konstruktiven Diskussionsstil. „Sie wurde von allen als Teamarbeiterin, aber mit klarem Führungsanspruch, geachtet“, erzählt eine frühere enge Mitarbeiterin aus dem Ministerium.

Christian Kern holte sie als Ministerin auf die Regierungsbank. Dort angekommen, machte sie von Anfang an als Sachpolitikerin eine gute Figur.

Kalter Wind wehte ihr von den SPÖ-Frauen entgegen. Als Kern sie zur Frauenministerin machte, reagierten die Genossinnen skeptisch. Doch mit ihrer Art und Offenheit erreichte sie rasch Zuspruch. Nach dem vorzeitigen Scheitern der Koalition fand sie auch Gefallen als Wahlkämpferin.

Trotzdem – für die SPÖ ist dies ein Wagnis. Rendi-Wagner verkörpert eine moderne Frau. Doch wie reagiert sie, wenn es politisch zur Sache geht? Das weiß keiner.

Als Hobby gibt die künftige Parteivorsitzende Wandern und Skifahren an. Und, wenn es die Zeit erlaubt, Uno-Spielen mit ihren Kindern.