Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 29.09.2018


Bildungspolitik

Die Zentralmatura in Mathematik wird korrigiert

Der Wiener Ex-Stadtschulratspräsident lotet für Minister Faßmann

bei einer „Zuhörtour“ aus, warum so viele Schüler gescheitert sind.

An den Mathematikaufgaben sind bei der Zentralmatura in diesem Jahr viele Schüler gescheitert. Nun wird sie überarbeitet.

© jakob-gruber.atAn den Mathematikaufgaben sind bei der Zentralmatura in diesem Jahr viele Schüler gescheitert. Nun wird sie überarbeitet.



Von Karin Leitner

Wien – Nicht erquickend waren die Resultate der heurigen Mathematik-Zentralmatura. Rund jeder fünfte Schüler ist bei der schriftlichen Klausur gescheitert. An den AHS haben 22 Prozent der Jugendlichen einen Fünfer bekommen, an den berufsbildenden höheren Schulen 19 Prozent.

Ein Grund für ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann, zu handeln. Ein versierter Experte, der ehemalige Wiener SPÖ-Stadtschulratspräsident Kurt Scholz, hat sich der Sache angenommen; ehrenamtlich ist er zugange. Faßmanns Auftrag an ihn: die Mathematikmatura-Aufgaben zu „optimieren“.

„Die Punkte, die sich herauskristallisiert haben, ließen sich schnell mit einem Erlass umsetzen“, sagt Kurt Scholz (Leiter des „Forums Zentralmatura“)
„Die Punkte, die sich herauskristallisiert haben, ließen sich schnell mit einem Erlass umsetzen“, sagt Kurt Scholz (Leiter des „Forums Zentralmatura“)
- Pfarrhofer

Den Sommer über hat Scholz mit Direktoren jener Schulen gesprochen, „in denen die Zentralmatura-Ergebnisse in Mathematik die normale Bandbreite verlassen haben“, wie er im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung sagt. 25 waren das. Mit den Bildungsdirektoren hat er ebenfalls über die Causa geredet. Kommenden Dienstag startet Scholz eine „Zuhörtour“ durch die Bundesländer, finalisiert wird diese Mitte November in Wien. Im Jänner soll das „Verbesserungskonzept“ des Bildungsministeriums stehen.

Station 1 bei der Tour ist Innsbruck. Scholz erkundigt sich eineinhalb Tage lang bei Schulpartnern aus Tirol und Vorarlberg, „wo sie Probleme sehen“ – und wie diese beseitigt werden könnten. Schüler, Eltern und Lehrer werden getrennt voneinander befragt. „Es kann einem nicht egal sein, dass 40.000 Schüler jährlich nach zwölf Jahren Schule bei der Matura antreten – und das Nicht genügend groß im Raum steht“, befindet Scholz. „Das kann einen auch menschlich nicht unberührt lassen.“ Eines habe sich bereits gezeigt: „Da ist etwas systematisch schiefgelaufen.“ Was soll es bis zum nächsten Maturatermin, im April 2019, geben? Eine große Reform? Oder kleine Korrekturen? „Pragmatische, kurzfristige, spürbare Änderungen.“ Welche? „Das Niveau soll nicht gesenkt werden. Die Fragestellung muss aber verständlich sein. Es darf nicht sein, dass die Schüler herumrätseln – und gar nicht bis zur mathematischen Aufgabe kommen.“ Mathematiker haben die Fragen erstellt: „Formulierungen können Fallen sein. Aber bitte nicht bei der Zentralmatura. Da wird das zur Schikane“, sagt Scholz. Und so sollten „andere Experten beigezogen werden, ebenso Direktoren, deren Muttersprache nicht Deutsch war, die aber perfekt Deutsch sprechen“.

Warum wird nicht schon jetzt tiefgehend modifiziert? „Wenn man sagt, dass im April alles anders wird, verwirrt man die Leute zusätzlich. Mittelfristig gibt es eine Fülle von Anregungen.“ Eine davon: „Beim Beurteilungsschema sollte es nicht nur ,richtig‘ oder ,falsch‘ geben. Wenn der Rechenvorgang zwar korrekt, die Mengenangabe aber falsch ist, gilt alles als falsch.“

Wann soll es die Generalreform geben? „Zwei bis drei Jahre wird man dafür brauchen. Die Schüler der sechsten, siebten und achten Klasse müssen ja an die Veränderungen herangeführt werden.“