Letztes Update am Mo, 08.10.2018 14:20

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Umweltpolitik

Weltklimarat: Van der Bellen warnt vor „dramatischen Folgen“

In einem eindringlichen Appell fordert Bundespräsident Alexander Van der Bellen, mehr zu tun als bisher, um die Klimakrise zu meistern. Die Opposition fordert von der Regierung eine sozial-ökologische Steuerreform.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen (Archivbild)

© Thomas BöhmBundespräsident Alexander Van der Bellen (Archivbild)



Wien/Incheon — Angesichts des Sonderberichts des Weltklimarats IPCC zur geplanten Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad hat Bundespräsident Alexander Van der Bellen am Montag vor „dramatischen Folgen für unser Leben auf der Erde" gewarnt. „Die internationale Staatengemeinschaft ist gefordert, rasch, entschlossen und gemeinsam alles daran setzen, um wirksame Maßnahmen einzuleiten", schrieb er auf Twitter.

Der eindringliche Appell des Weltklimarates sei „ein klarer Weckruf. Wir müssen mehr tun als bisher." Die Weltgemeinschaft habe die nötigen technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen, um die Klimakrise zu meistern. „Jetzt liegt es an uns, nachfolgenden Generationen einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen", betonte der Bundespräsident.

NEOS fordern "mutige Klima- und Umweltpolitik"

Die NEOS reagierten „alarmiert" auf den IPCC-Bericht und sahen auch ÖVP und FPÖ gefordert. „Die Regierung muss sich endlich klar zu einer mutigen Klima- und Umweltpolitik bekennen. Die Menschen und die Erde haben keine Zeit mehr für zauderndes Handeln, das hat die Warnung des Expertengremiums der UNO deutlich gemacht", sagte NEOS-Umweltsprecher Michael Bernhard in einer Aussendung.

Ebenso wie Bernhard plädierte Liste-Pilz-Umweltsprecher Bruno Rossmann für eine sozial-ökologische Steuerreform und ortete ein „Warnsignal" an Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). „Die aktuellsten Erkenntnisse verweisen die Umwelt- und Klimastrategie der Bundesregierung endgültig zurück an den Start. Wir brauchen kein Marketing-Prospekt, wir brauchen Maßnahmen. Heiße Luft haben wir dank Klimaerwärmung schon jetzt mehr als genug", kritisierte der Klubobmann der Liste Pilz.

Der WWF Österreich forderte ein „drastisches Umdenken und rasche Schritte" der europäischen und nationalen Politik. „Es ist längst fünf nach zwölf. Daher braucht es ein mutiges Sofortprogramm gegen die Klimakatastrophe statt zahnloser Klimastrategien", sagte Lisa Plattner, Klima- und Energieexpertin der Naturschutzorganisation. „Als EU-Vorsitzland sei Österreich besonders gefordert. Es brauche eine massive Erhöhung der EU-Klimaziele, einen raschen Ausstieg aus fossilen Energien und eine naturverträgliche Energiewende. Eine „große Öko-Steuerreform" sei seit Jahren überfällig.

"Nur durch massive Umsteuerung 1,5-Grad-Ziel erreichbar"

„Diese eindringliche Warnung der Klimaforschung muss jetzt Gehör finden, um katastrophale Folgen noch abwenden zu können", betonte Johannes Wahlmüller, Klimasprecher von Global 2000. Es dürften keine neuen Öl- und Gasheizungen mehr installiert werden, es braucht 100 Prozent emissionsfreie Fahrzeuge in der Neuzulassung spätestens im Jahr 2030, ein Ende der Kohleverstromung bis zum Jahr 2020 und eine ökologische Steuerreform, empfahl die österreichische Umweltschutzorganisation.

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) wies in einer Aussendung darauf hin, dass in Österreich die CO2-Emissionen des Verkehrs zuletzt nicht gesunken, sondern gestiegen sind. Die VCÖ-Experten forderten eine eine ökologische Steuerreform, einen massiven Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs und der Rad-Infrastruktur sowie einen rascheren Ausstieg aus Benzin und Diesel.

„Das 1,5 Grad Ziel wäre erreichbar, aber im Bericht wird deutlich, wie massiv umgesteuert werden muss", erläuterte Klimaforscher Helmut Haberl vom Institut für Soziale Ökologie der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien. „Nötig wäre eine sozial-ökologische Transformation zu einer raschen und deutlichen Verringerung des Verbrauchs von Rohstoffen und Energie. Dies erfordert es, das massive Wachstum der gesellschaftlichen Materialbestände wie Gebäude, Straßen und andere Infrastrukturen zu begrenzen und diese rohstoffsparender zu gestalten", betonte er in einer der APA übermittelten Stellungnahme. (APA)


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