Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 28.10.2018


Tirol

Tiroler Polizei: Viele Bewerber, schlechte Tests

Die Imagekampagne des Innenministeriums fruchtet. 683 Bewerber gab es heuer für den Polizeidienst, doch beim Aufnahmetest schnitten die Anwärter in Tirol am zweitschlechtesten ab.

(Symbolfoto)

© TT/Thomas Böhm(Symbolfoto)



Von Brigitte Warenski

Innsbruck, Wien — Auf über 50 Sport- und Großveranstaltungen hat das Innenministerium heuer aktiv nach neuen Interessenten für den Polizeidienst gesucht. Bisher haben sich österreichweit laut Innenministerium 6000 Bewerber gemeldet, während es im gesamten Jahr 2017 nur 5800 gewesen seien.

Auch in Tirol ist die seit April 2018 laufende Rekrutierungskampagne erfolgreich. „Wir haben heuer bisher 683 Bewerber", zeigt sich Tirols Polizeidirektor Helmut Tomac erfreut. 111 Polizisten wurden bereits aufgenommen, im Dezember sollen laut Tomac weitere 50 folgen, die dann mit den zwei Grundausbildungsjahren starten. Fix ist auch, wie viele Frauen und Männer im kommenden Jahr in den Tiroler Polizeidienst treten können. „Wir haben 196 Planstellen zur Verfügung", sagt Tomac. Jüngste Diskussionen und Kritik, dass das Niveau der Bewerber sinke, will Tomac nicht gelten lassen. „Durch das Aufnahmeverfahren wird die entsprechende Qualität der Bewerber gesichert." Im österreichweiten Vergleich zeigt sich, dass die aufgenommenen Kandidaten aus Oberösterreich beim Aufnahmetest mit einer durchschnittlichen Punktezahl von 606,2 am schlechtesten abschnitten, gefolgt von den Tiroler Kandidaten mit einer Punktezahl von 632,8.

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Für Franz Übergänger, Leiter der Personalabteilung der Tiroler Polizei, hat das Ranking keine große Aussagekraft. „Man kann vom angeführten Punktedurchschnitt keine direkten Rückschlüsse auf das Niveau und die Qualität der Polizeischüler in Tirol ziehen." Aufgrund der sehr guten Wirtschaftslage in Tirol stehe die Polizei bei der Suche nach Bewerbern „in Konkurrenz zu anderen attraktiven Arbeitgebern". Dazu komme, dass in Tirol in den vergangenen drei Jahren „mit 500 Polizisten eine sehr große Anzahl an Bediensteten neu aufgenommen wurde.

Im Vergleich dazu waren die Aufnahmezahlen in anderen — auch zum Teil größeren — Bundesländern geringer als in Tirol. Und kurz gesagt können wir in Tirol für eine hohe Anzahl an möglichen und notwendigen Aufnahmen nur aus einer im Verhältnis zu anderen Bundesländern leider geringeren Anzahl an Bewerbungen schöpfen", sagt Übergänger.

Facebook für Fahndungen und Vermisstensuche

Die sozialen Netzwerke werden von der Polizei genützt, aber man setzt im Ländervergleich auf verschiedene Kanäle. Twitter spielt in der Social-Media-Strategie der Polizei in Deutschland eine Schlüsselrolle. Die Polizei ist besonders in Großstädten wie Berlin rund um die Uhr auf Twitter aktiv. Beinahe im Stundentakt gibt es Tweets über Überfälle, Fahndungen oder Großdemos.

Auch die Tiroler Polizei twittert, aber nur in Ausnahmefällen. „Wir nutzen diesen Kanal nur für Großereignisse, wie den G7-Gipfel oder die Rad-WM. Dazwischen legen wir den Kanal auch immer wieder still", erklärt Sabine Reinthaler von der Pressestelle der Tiroler Polizei. Weitaus präsenter ist man dagegen im viel beliebteren Facebook, denn „die Reichweite von Twitter mit rund 150.000 Nutzern im Gegensatz zu 2,7 Millionen täglichen Facebook­nutzern in Österreich ist nicht berauschend", so Reinthaler. Daher ist die Tiroler Polizei „auf Facebook sehr wohl vertreten und auch sehr aktiv. Uns folgen über 17.000 User. Wir nutzen das Medium z. B. für Fahndungen, Vermisstensuchen, Präventionstipps und dergleichen. Aber auch bei Großereignissen informieren wir über Facebook, wie z. B. über die Geiselnahme in Erpfendorf."

Eine „Rund-um-die-Uhr-Betreuung" in den sozialen Medien für Chronikales sei dennoch nicht möglich. „Dafür fehlt uns schlicht die Zeit und das Personal. Es reicht schließlich ja nicht, die Infos ins Netz zu stellen, sondern es braucht ja auch eine Betreuung, denn Hass-Postings müssen sofort gelöscht und Fragen beantwortet werden", sagt Reinthaler. (wa)