Letztes Update am Mo, 05.11.2018 16:37

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Jubiläumsveranstaltung

100 Jahre Sozialministerium: Drinnen Feier, draußen scharfer Protest

Während vor der Tür Gewerkschafter gegen die aktuelle Sozialpolitik protestierten, feierten bei einer Festveranstaltung fast alle noch lebenden Sozialminister der Zweiten Republik das Jubiläum.

© APAVor der Türe protestierten Gewerkschafter gegen den Abbau der Sozialpolitik.



Wien – Das Sozialministerium hat am Montag seinen 100. Geburtstag gefeiert. Während vor der Tür Gewerkschafter gegen die aktuelle Sozialpolitik protestierten, feierten bei einer Festveranstaltung im Museum für Angewandte Kunst Mitglieder der Bundesregierung mit Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) an der Spitze sowie fast alle noch lebenden Sozialminister der Zweiten Republik das Jubiläum. In den Vorträgen waren die Herausforderungen durch die Digitalisierung ein zentrales Thema.

Die derzeitige Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) betonte, dass die Menschen heute im Notfall auf ein gut funktionierendes soziales Sicherheitsnetz vertrauen können. Dieses dürfe aber „nicht überstrapaziert“ werden. Es müsse für die Kinder und Enkel gesichert werden, deshalb müsse man es „mit Augenmaß“ erhalten und weiterentwickeln. Man müsse die Finanzierung sichern und die Treffsicherheit gewährleisten. Der Mensch müsse im Mittelpunkt des politischen Handelns stehen, es gehe nicht gegeneinander, sondern nur miteinander.

Van der Bellen: 100 Jahre erfolgreiche Sozialgeschichte

Bundespräsident Alexander Van der Bellen hob in einer Video-Botschaft hervor, dass 100 Jahre Sozialministerium gleichbedeutend sei mit 100 Jahren erfolgreicher Sozialgeschichte. Für das Staatsoberhaupt ist soziale Gerechtigkeit ein „ganz zentraler Wert“. Auch Van der Bellen betonte, dass die digitale Revolution das Leben fundamental verändern werde und er zeigte sich überzeugt, dass sich das Sozialministerium dieser Herausforderung widmen werde.

WIFO-Chef Christoph Badelt meinte in seinem Festvortrag, dass die Sozialpolitik der Zukunft „unkonventionelle Wege“ gehen werde müssen und angesichts neuer Aufgaben und Herausforderungen wahrscheinlich auch mehr Geld nötig sein werde. Die Sozialpolitik habe neben einem korrigierenden auch ein präventives Element und weil dieses in Zukunft wichtiger werde, würden auch soziale Investitionen notwendig.

vlnr.: Die ehemaligen Sozialminister Walter Geppert, Elisabeth Sickl, Erwin Buchinger, Ursula Haubner, Sigisbert Dolinschek, Herbert Haupt, Sozialministerin Beate Hartinger-Klein, Reinhart Waneck, Eleonora Hostasch und Rudolf Hundstorfer.
- APA

Badelt nannte einige konkrete Herausforderungen für die Sozialpolitik der Zukunft: Bei der Lösung der sozialen Treffsicherheit und des sozialen Missbrauchs sollte nach Ansicht des Wirtschaftsprofessors die empirische Forschung verstärkt einbezogen werden. Angesichts von Debatten über Mindestsicherung oder Pensionen wünscht er sich eine offensivere Diskussion darüber, wieviel die Menschen zum Leben brauchen.

Stöger (SPÖ) schloss sich Gewerkschafter-Protest an

Zu der Festveranstaltung waren alle lebenden Sozialminister der Zweiten Republik erschienen – auch die sozialdemokratischen. Einzig Alois Stöger kam nicht, er schloss sich damit dem Protest der Gewerkschafter an, die der Einladung nicht folgten. Rund 100 Gewerkschafter protestierten vor dem Eingang und machten auf 100 soziale Errungenschaften aus 100 Jahren Sozialministerium aufmerksam, die nun bedroht seien. (APA)


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