Letztes Update am Di, 20.11.2018 13:51

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Effizienter Umgang mit Geldern: Tirol als Bundesländer-Vorbild

Würden sämtliche Bundesländer in der Verwaltung so effizient arbeiten wie Tirol, ergäbe sich österreichweit ein Effizienzpotenzialevon mehr als einer Milliarde Euro Jährlich. Zu diesem Schluss kommt ein Bundesländer-Vergleich von EcoAustria. In anderen Bereichen haben andere Bundesländer die bessere Mittelverwendung.

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Innsbruck – Tirol legt vor, wenn es um den effizienten Einsatz von Geldern im öffentlichen Bereich geht. Zu diesem Schluss kommt das Bundesländer-Benchmarking 2018 von EcoAustria. Das Institut für Wirtschaftsforschung hat die Effizienzpotenziale im Bereich der Länder und Gemeinden untersucht und sieht in vielen Bereichen Tirol als Vorreiter. EcoAustria hat verglichen, welchen Effekt es hätte, wenn sich alle Bundesländer in jedem föderalen Bereich so verhielten wie das effizienteste. Dabei sind die Ökonomen auf ein erhebliches Einsparungspotenzial gestoßen. Sechs Milliarden Euro Ersparnis wären laut Gesamtanalyse möglich. Das entspricht rund 1,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP). Im erweiterten EU-Vergleich, der in der Analyse nicht berücksichtigt wurde, wären noch ein deutlich höheres Einsparungspotenzial möglich, so die Studienautoren.

Tirol punktet bei öffentlicher Verwaltung

Im Bundesländer-Vergleich punktet Tirol vor allem im Bereich der öffentlichen Verwaltung: Würden sämtliche Bundesländer so effizient arbeiten wie Tirol, so könnten sich österreichweit Einsparungspotenziale von rund 1050 Millionen Euro ergeben.

Auch im Bereich des stationären Gesundheitswesens hat Tirol die Nase vorne: Insgesamt könnten in Österreich rund 2,4 Milliarden Euro eingespart werden, wenn sie die anderen Bundesländer an Tirol orientieren würden. Im Bereich der Spitalswesens wurden die Aufwendungen mit so genannten LKF-Punkten gemessenen Gesundheitsleistungen in Beziehung gesetzt. Das ist eine Zählweise, mit der Krankenhäuser unterschiedliche Erkrankungen und Unfallfolgen gegenüber den Sozialversicherungen abrechnen. Ein LKF-Punkt kostet den Steuerzahler in Tirol 0,93 Euro, im vergleichsweise teuersten Bundesland schon 1,45 Euro.

Tiroler Krankenhäuser arbeiten bedarfsorientiert.
- Thomas Boehm / TT

Im OECD-Vergleich hat Österreich die fünfthöchste Dichte an Krankenhausbetten. Im Jahr 2016 betrugen die Gesamtaufwendungen aller öffentlichen Kostenträger, Bund, Länder, Gemeinden, Sozialversicherung, für die Krankenanstalten 10,97 Milliarden Euro, was einem Bruttoinlandsprodukt von mehr als 3,1 Prozent entspricht. „Die niedrigeren Kosten der Tiroler Spitäler sind auch im Kontext der Größenstruktur und der Spitalauslastung zu sehen: Die Strukturanalyse zeigt, dass das Bundesland Tirol über weniger, jedoch größere Spitäler verfügt“, heißt es im Bericht von EcoAustria.

Gesundheitswesen in Tirol stärker „bedarfsorientiert“

Im Jahr 2016 wies Tirol mit etwa 2,4 Anstalten je 100.000 Einwohnern die zweitniedrigste Anzahl von Krankenanstalten (nach Oberösterreich), jedoch mit durchschnittlich 279 Betten pro Krankenanstalt die drittgrößten Spitäler (nach Wien und Oberösterreich) auf. Dadurch sind Tiroler Spitäler stärker ausgelastet als andere. Auch wenn die Auslastung zum Teil den vielen Unfällen im Wintertourismus geschuldet ist, sehen die Studienautoren die Ausrichtung des Tiroler Gesundheitswesens als „stärker bedarfsorientiert“.

Bei den stationären Pflegeleistungen zeigt Niederösterreich vor, wie es geht. Unter Berücksichtigung der Bewohntage in Pflegeheimen sowie des Betreuungsbedarfs wurde österreichweit ein Effizienzpotenzial von etwa 525 Mio. Euro ermittelt. Ergänzend wurden auch die mobilen Pflegedienste untersucht, die am effizientesten in Vorarlberg geleistet werden. Insgesamt beläuft sich das Effizienzpotenzial in der Pflege auf 715 Mio. Euro. Dieses könnte noch gesteigert werden, wenn die Arbeitsteilung zwischen ambulanter und stationärer Pflege verbessert würde.

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Salzburg bei Schulwesen vorne

Der Effizienzvergleich im Pflichtschulbereich stellt dem Land Salzburg ein gutes Zeugnis aus. Hier wurden die Ausgaben pro Schüler den Bildungsergebnissen gegenüber gestellt. Berücksichtigt wurden auch Strukturunterschiede, wie etwa dem Anteil von Schülern mit nicht deutscher Muttersprache oder sonderpädagogischem Förderbedarf. Das österreichweite Effizienzpotenzial würde bei etwa 225 Millionen Euro liegen wenn sich die Länder an Salzburg orientieren würden. Im Bereich Kinderbetreuung hat Kärnten die überzeugendsten Modelle, das Einsparungspotenzial liegt bei rund 330 Millionen Euro.

Untersucht wurde von EcoAustria auch der Bereich Wohnbauförderung: Dabei ergab sich im Bereich der Neubauförderung ein Effizienzpotenzial von etwa 435 Millionen Euro und im Bereich der Sanierungsförderung von etwa 155 Millionen Euro, Benchmark war in beiden Fällen das Land Oberösterreich. Insgesamt beträgt das Effizienzpotenzial im Bereich der Wohnbauförderung österreichweit demnach rund 590 über Euro. (TT.com)

Wohnbauförderung wird in Oberösterreich effizient abgewickelt. (Symbolfoto)
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