Letztes Update am Fr, 23.11.2018 13:12

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Statistik Austria

Sozialausgaben 2017 leicht gesunken, Länder und Gemeinden zahlen mehr

Fast ein Drittel der österreichischen Wirtschaftskraft wird für die soziale Absicherung der Bevölkerung verwendet. Im Jahr 2017 konnten die Ausgaben aber gesenkt werden. Arbeitgeber zahlen langfristig weniger, Versicherte mehr.

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Wien – Österreich gibt fast ein Drittel seiner Wirtschaftskraft für die soziale Absicherung der Bevölkerung aus. Wie die Statistik Austria am Freitag meldete, ist der Anteil der Sozialausgaben an der Wirtschaftsleistung im Vorjahr auf 29,4 Prozent gesunken – nach dem Rekordwert von 29,9 Prozent 2016. Seit der Wirtschaftskrise hat der Bund seinen Anteil an den Sozialausgaben gesenkt – zulasten der Länder.

Leichter Rückgang der „Sozialquote“ nach Rekordwert 2016

Insgesamt beziffert die Statistik Austria die Sozialausgaben 2017 mit 108,8 Mrd. Euro – um gut zwei Mrd. Euro mehr als 2016. Weil die Wirtschaft im Vorjahr aber stärker gewachsen ist als die Sozialausgaben (3,8 Prozent vs. 2,0 Prozent), ist die „Sozialquote“ (also der Anteil der Sozialausgaben an der Wirtschaftsleistung) leicht auf 29,4 Prozent zurückgegangen. Im EU-Vergleich lag Österreich damit zuletzt an siebenter Stelle (aktuellste Zahlen von 2015). An der Spitze lagen Frankreich mit 33,9 Prozent und Dänemark mit 32,3 Prozent.

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Allein die Altersversorgung (also v.a. die Pensionen) kostet fast die Hälfte der Sozialausgaben (44,3 Prozent). Ein weiteres Viertel fließt in die Gesundheitsversorgung (26 Prozent). Der Rest verteilt sich auf Familien und Kinder (9,5 Prozent), Invalidität/Gebrechen (u.a. Pflegegeld und Invaliditätspensionen, 6,2 Prozent), Arbeitslosigkeit (5,8 Prozent) und die Versorgung von Hinterbliebenen (5,7 Prozent). Vergleichsweise geringe Kosten verursacht die Mindestsicherung, die (gemeinsam mit Wohn- und Flüchtlingshilfen) im Sammelposten „Wohnen/soziale Ausgrenzung“ aufscheint - mit einem Anteil von 2,5 Prozent am Sozialsystem.

Beitrag des Bundes zum Sozialstaat sinkt

Bemerkenswert ist, dass der Bund seinen Anteil an den Sozialausgaben seit der Wirtschaftskrise senken konnte (von 25,5 Prozent 2005 auf zuletzt 21 Prozent) – Länder und Gemeinden zahlen im Gegenzug mehr (zuletzt 19,2 Prozent – 2005 waren es nur 16,1 Prozent). Mögliche Gründe sind laut Statistik Austria die tendenziell höheren Kostensteigerungen im Gesundheitssystem der Länder und Steigerungen bei Pflege, Mindestsicherung und Flüchtlingen. Der Großteil der Sozialleistungen wird allerdings unverändert von der Sozialversicherung abgewickelt (54,7 Prozent).

Finanziert wird der Sozialstaat im Wesentlichen aus drei Quellen: Arbeitgeberbeiträge bringen 39 Mrd. Euro (36 Prozent der Einnahmen), Steuermittel von Bund, Ländern und Gemeinden 35 Prozent und Beiträge der versicherten Personen (also u.a. Arbeitnehmer, Selbstständige und Pensionisten) 27 Prozent. Allerdings zeigen die Zahlen der Statistik Austria eine langfristige Verschiebung zugunsten der Arbeitgeber: Denn ihr Anteil ist seit 1990 um drei Prozentpunkte gesunken (von 39,4 auf 36,4 Prozent), während der Anteil der Versicherten gestiegen ist (von 24,9 auf 26,9 Prozent). (APA)