Letztes Update am So, 25.11.2018 06:56

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Österreich

Heikles Schweigen aus Tirol zur geforderten Klimawende

Den Klimaschutz in den Bundesländern nimmt Global 2000 unter die Lupe. Tirol ist mit den Infos säumig – und will nachliefern.

© IWODer hohe Anteil von Öl- und Gasheizungen macht Tirol zum Schlusslicht beim Klimaschutz.



Von Cornelia Ritzer

Wien, Innsbruck – Welche Ziele die Bundesländer im Klimaschutzbereich verfolgen, wie diese erreicht werden sollen und was die nächsten geplanten Maßnahmen sind: Das wollte die Umweltschutzorganisation Global 2000 ein halbes Jahr nach Veröffentlichung ihres Wohnbauchecks von den zuständigen Landesräten wissen. Seit September waren die Experten der NGO mit den entsprechenden Stellen in Kontakt, diese Woche wurden die Ergebnisse veröffentlicht. Doch nur acht Bundesländer gaben einen Einblick in ihre Strategie, wie sie die Energie­wende im Gebäudebereich schaffen wollen – nur Tirol fehlt.

Trotz „mehrmaliger Nachfrage und mehrfacher Zusage“ sei aus Tirol „leider“ keine Antwort gekommen, zeigte sich die Umweltorganisation enttäuscht. „Wir wollen aber gar keine böse Absicht unterstellen“, kommentierte der Global-2000-Klimasprecher Johannes Wahlmüller das Schweigen. Dabei bestehe in Tirol durchaus Handlungsbedarf, sei im Frühjahr im Global 2000-Wohnbaucheck sichtbar geworden. Denn: „Mit einem Anteil von 31 Prozent hat man den höchsten Anteil von Ölheizungen in ganz Österreich, weiters stieg der relative Anteil von Gasheizungen in den letzten 10 Jahren um rund 40 Prozent. Dieser hohe Anteil von Ölheizungen und der Anstieg von Gasheizungen ist mit den Klima­zielen nicht vereinbar, und hier müssen in Tirol wirksame Gegenmaßnahmen ergriffen werden, die sicherstelle­n, dass klima­freundliche Heizsysteme eingesetzt werden.“

Im Büro von Landesrätin Beate Palfrader (ÖVP) erklärt man die verpasste Deadline der Klimaschutzorganisation so: Es sei „zu zeitlichen Verzögerungen gekommen, da die Anfrage ursprünglich an ein nicht zuständiges Bür­o ergangen ist“. Außerdem sei das Thema „eine strategische Querschnittsmaterie und betrifft mehrere Abteilungen“. So ist Landesrätin Palfrader zwar für die Wohnbauförderung zuständig, für Förderungen und den Hochbau zeichnet jedoch ihr Regierungskollege und Landesrat Johannes Tratte­r (ÖVP) verantwortlich, die Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler (ÖVP) und Ingrid Felipe (Grüne) sind wiederum für Wohnbau und Umwelt zuständig.

LH-Stellvertreterin Felip­e legte diese Woche bei der Regierungssitzung den Fortschrittsbericht der Strategie „Tirol 2050 energieautonom“ vor. Das Ziel des von der Tiroler Regierung 2014 verabschiedeten Plans ist, das Land bis zum Jahr 2050 frei von fossilen Energieträgern und damit Treibhausgasen zu machen. Dabei sind Energie- und Mobilitätsstrukturen derart umzubauen, dass der Energieverbrauch etwa halbiert und die erneuerbaren Energien um etwa 30 Prozent ausgebaut werden. Geschafft werden soll das mit der Förderung emissionsarmer Lkw im Bereich Verkehr und dem Förderungsprogramm für Elektromobilität – und auch mit einer Sanierungs­offensive bei den Gebäuden – etwas, wofür Tirol von Global 2000 gute Noten bekommen hat.

Keine Förderung für Ölheizungen

Wien – Der Global-2000-Wohnbaucheck im Frühjahr machte Handlungsbedarf beim Klimaschutz in allen Bundesländern sichtbar. Was sich nach dem Check getan hat, wollte die Umweltschutzorganisation ein halbes Jahr später wissen. „Insbesondere im Burgenland, der Steiermark, Salzburg, Wien und Vorarlberg sind neue Aktivitäten geplant oder zeigen kürzlich gesetzte Initiativen Fortschritte“, sagte Johannes Wahlmüller, Klimasprecher von Global 2000. Das sei erfreulich, aber: „Die geplanten Maßnahmen reichen für die Erreichung der Paris-Ziele bei Weitem nicht aus. Alle anderen Bundesländer sollten jetzt nachziehen und eigene Maßnahmenprogramme vorlegen.“

Tirol wird vor allem wegen seines hohen Bestands an Ölheizungen gerügt. Auch wenn man seitens des Landes nicht an ein Verbot denkt – alle Anreize und damit Förderungen zur Verwendung von Öl wurden bereits eingestellt. Und in Neubauten sollen diese nur dann zum Einsatz kommen, wenn alternative Heizsysteme nicht möglich sind. (ritz)