Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.12.2018


Exklusiv

Großer Bahnhof ohne Hofer, aber mit Abwerzger irritiert

Dass der Verkehrsminister zur Eröffnung des Seefelder Bahnhofs Tirols FP-Chef Markus Abwerzger schickt, sorgt in der Landesregierung für Verwunderung.

© ÖBB-Martin PellizzariAm Montag wird der um 22,8 Millionen Euro neu gestaltete WM-Bahnhof in Seefeld mit einem Festakt offiziell eröffnet.



Von Peter Nindler

Innsbruck – 22,8 Millionen Euro wurden in die Neugestaltung des Seefelder Bahnhofs investiert, der damit bereits modern und barrierefrei für die Nordische Skiweltmeisterschaft ist, WM-fit also. Am Montag gibt es mit der Eröffnung den großen Bahnhof am Seefelder Plateau: Der Vorstandsdirektor der ÖBB-Infrastruktur AG, Franz Bauer, Seefelds Bürgermeister Werner Frießer, Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) und Verkehrsreferentin LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) werden anwesend sein. Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) hat sich schon vor Monaten entschuldigt. Als Vertretung schickt er aber keinen Repräsentanten aus seinem Verkehrsministerium, sondern Tirols FPÖ-Parteiobmann und Klubchef Markus Abwerzger. Das irritiert wiederum die Landesregierung, schließlich habe Abwerzger ja gar nichts mit dem Vorhaben zu tun gehabt.

Bereits im Oktober gab es bei der Eröffnung des Güterzentrums Wolfurt in Vorarlberg ähnliche Diskussionen. Damals ließ sich Hofer von einem freiheitlichen Landtagsabgeordneten vertreten, was als Affront gegenüber dem Land Vorarlberg bezeichnet wurde. Bei Verkehrsminister Hofer sind solche Vorgangsweisen jedoch üblich, andere wiederum vermuten parteipolitische Motive dahinter. Dem widerspricht Hofers Sprecher Volker Höferl allerdings vehement.

Im Büro von Landeshauptmann Platter ist man mehr als verwundert. Weil das offenbar immer öfter Schule mache. Deutlicher wird Ingrid Felipe: Auch sie empfinde es als bedauerlich, dass der Minister nicht die Zeit finde, nach Tirol zu kommen und sich ein Bild von der erfolgreichen Arbeit der Tiroler Landesregierung im öffentlichen Verkehr und damit in der Landesentwicklung zu machen. Nachsatz Felipe: „Auch die Wahl der Vertretung ist etwas eigenwillig, ist aber eventuell der ,neue‘ Stil der Bundesregierung.“

Im Verkehrsministerium versteht man hingegen die Debatten nicht. „Überall passt die Vertretung durch FPÖ-Mandatare vor Ort, in Nieder- oder Oberösterreich. Einzig in Westösterreich gibt es Debatten“, verweist er auf die Aufregung in Vorarlberg und Tirol. Natürlich stecke keine „parteipolitische Strategie“ dahinter, sondern der Minister sei terminlich verhindert und lasse sich von einem Parteikollegen vertreten. „Dieser spricht im Namen des Ministers, das wird vorher ganz klar abgeklärt“, fügt Höferl hinzu. Die Eröffnung des WM-Bahnhofs in Seefeld sei ja keine Parteiveranstaltung.

LHStv. Ingrid Felipe Grüne
(Verkehrsreferentin).
- TT/Julia Hammerle