Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 08.12.2018


Exklusiv

Luftraumüberwachung: Kunasek drängt auf „Richtungsschuss“

Eurofighter oder nicht? Der Heeresminister hofft auf eine rasche Entscheidung. Die Luftstreitkräfte kämpfen unterdessen mit Personalnot bei Piloten.

© BundesheerDie 23 Hubschrauber des Bundesheeres vom Typ Agusta Bell 212 sind gerade erst modernisiert worden. Für den Betrieb der Maschinen fehlt aber mehr als die Hälfte der Piloten.



Von Wolfgang Sablatnig

Wien – Am Donnerstag hat Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ) stolz das Programm der für September 2019 geplanten Flugshow „Airpower“ präsentiert. Hinter den Kulissen herrscht bei den Fliegern aber weniger Feierstimmung. Weil Kunasek die von seinem Vorgänger Hans Peter Doskozil (SPÖ) geplante Strukturreform zurückgenommen hat, verlieren sie ihr eigenes Kommando in Salzburg und werden wieder dem Streitkräftekommando in Graz untergeordnet. Dazu kommen die ungeklärte Zukunft des Eurofighter, ausstehende Entscheidungen über neue Hubschrauber und Engpässe bei Hubschrauberpiloten und Fluglotsen.

In Sachen Luftraumüberwachung kündigte Kunasek (FPÖ) eine Entscheidung bis Jahresende an. Ob diese noch heuer getroffen wird, ist aber fraglich, auch wegen des laufenden Eurofighter-Untersuchungsausschusses. Kunaseks Sprecher hielt gestern auf Anfrage der TT am Terminplan fest. „Der Minister drängt nach wie vor, dass es zumindest zu einem Richtungsschuss kommt.“

Der Ressortchef hat es derzeit aber nicht in der Hand, wann dieser Schuss tatsächlich abgeben wird. Der Ball liegt vielmehr bei den Regierungskoordinatoren Gernot Blümel (ÖVP) und Norbert Hofer (FPÖ). Ihnen hat Kunasek im Sommer einen Evaluierungsbericht seines Ministeriums übermittelt.

Doch egal wie die Entscheidung ausfällt, sie kostet viel Geld – entweder für eine Aufrüstung und ein technisches Update der Eurofighter oder für einen Umstieg auf einen anderen Jet. Die Rede ist meist vom schwedischen Gripen, der 2002 das Nachsehen gegen den Eurofighter hatte.

Gegen den Eurofighter sprechen hohe Betriebskosten und Probleme bei der Ersatzteilbeschaffung. Gegen den Umstieg sprechen die hohen Anfangsinvestitionen, nicht nur für die neuen Flugzeuge, sondern auch für die gesamte Infrastruktur am Boden. Ein neuer Typ rechnet sich daher trotz der geringeren laufenden Kosten erst nach vielen Jahren oder gar Jahrzehnten. Aus der Sicht von Politikern wäre das ein wenig populärer und nur schwer verkaufbarer Deal: Sie müssten jetzt viel Geld ausgeben, profitieren würden aber erst ihre Nachfolger oder Nach-Nachfolger.

Dazu kommt, dass die alten Saab-105-Flieger in den kommenden Jahren endgültig abgestellt werden müssen. Sie sind als Trainingsjets im Einsatz, müssen aber auch fast die Hälfte der Luftraumüberwachung abdecken. Den Betrieb nur mit den Eurofightern könnte sich das Bundesheer schlicht nicht leisten. Für die Zukunft stellt sich die Frage, ob das Militär weiterhin mit zwei verschiedenen Jets fliegt oder auf ein Ein-Flotten-Modell umsteigt.

Zu den materiellen Sorgen kommen die personellen. Dem Militär fehlen Spezialisten. Bei Hubschrauberpiloten und Fluglotsen ist zum Teil nur die Hälfte der Posten besetzt. Nicht umsonst wirbt das Heer um Personal für die Fliegertruppe. Das Problem dabei: Die Ausbildungen dauern Jahre. Es wird daher lange dauern, bis die Lücken gestopft sind.

Groß ist die Not in Linz-Hörsching. Dort sind die 23 Agusta Bell 212 stationiert, nach den Black Hawks die zweitgrößten Hubschrauber des Heeres und gerade erst für 80 Millionen Euro mit neuen Cockpits ausgestattet. Gebraucht würden bis zu 50 Piloten, tatsächlich vorhanden sind nicht einmal halb so viele.

Auch für die Alouette III, stationiert in Aigen im Ennstal (Steiermark), fehlt fast die Hälfte der Piloten. Und bei den Fluglotsen ist ein Drittel der Stellen nicht besetzt.

Noch können die Luftstreitkräfte trotz Mangels ihre Aufgaben erfüllen. „Es hat bisher keinen Einsatz gegeben, wo wir sagen mussten, es geht nicht mehr. Aber der Druck auf die Piloten steigt“, sagt Bundesheer-Sprecher Michael Bauer zur TT.

Und warum fehlen so viele Piloten? Beim Heer verweist man auf die Lebensqualität. Auslandsverwendungen und Einsätze nach Katastrophen machen das Leben für Militärpiloten schwer planbar. Ganz anders bei zivilen Flugdiensten. Dort kenne jeder Mitarbeiter seinen Dienstplan lange im Voraus.

Auslaufmodell oder Zukunftsperspektive? Eurofighter des Bundesheeres rollen in Zeltweg zum Start.
- APA