Letztes Update am Fr, 07.12.2018 14:20

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nach Rechnungshof-Kritik

„Tarifdschungel“: Verkehrsressort plant Österreich-Ticket für alle Öffis

Verkehrsminister Hofer (FPÖ) hat sich das Wiener 365-Euro-Ticket als Vorrbild genommen. Einen Zeitplan gibt es noch, nicht, auch der Preis sei „Zukunftsmusik“. „Jetzt“ sieht den Minister unter Zugzwang.

© APAInfrastrukturminister Norbert Hofer (FPÖ).



Wien – Zur Kritik des Rechnungshofes (RH) am Tarifdschungel im öffentlichen Verkehr in Österreich verweist das Verkehrsministerium auf Pläne zu einem Österreich-Ticket für alle Öffis. Es gebe dazu eine Arbeitsgruppe mit Verkehrsunternehmen, hieß es auf APA-Anfrage aus dem Ministerium.

Zeitplan und Preis „Zukunftsmusik“

Ziel sei ein Ticket, das österreichweit für alle öffentlichen Verkehrsmittel gilt. Einen Zeitplan für die Umsetzung gibt es noch nicht, ebenso sei der Preis „Zukunftsmusik“. Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) sagte im Sommer in der ORF-Diskussionssendung „Im Zentrum“, sein Ziel gemeinsam mit den Verkehrsreferenten der Länder sei ein „Österreich-Ticket“ ähnlich dem Wiener 365-Euro-Öffi-Ticket. „Ich hoffe, dass es gelingt, es sieht nicht schlecht aus“, so Hofer damals.

Im Regierungsprogramm von ÖVP und FPÖ heißt es, Ziel der Koalition sei ein neues österreichweites Tarif- und Vertriebssystem für den öffentlichen Verkehr mittels „Einrichtung einer neutralen und verkehrsträgerübergreifenden Stelle für den Vertrieb aller Mobilitätstickets“.

Von den ÖBB gibt es für Vielfahrer die „Österreichcard“ um 1834 Euro jährlich. Für die ÖBB-Tochter Postbus gilt diese aber nicht, weil die meisten Linien der ÖBB-Postbus GmbH im Rahmen von Verkehrsverbünden geführt werden. Die Verbünde legen innerhalb ihres Geltungsbereichs ihre eigenen Tarife fest, die die Gültigkeit der ÖBB-Österreichcard untersagen.

RH kritisiert „Tarifkonkurrenz“

Der Rechnungshof kritisierte diese „Tarifkonkurrenz“. Die unterschiedlichen Preisberechnungen von ÖBB und den Verkehrsverbünden sind auch der Grund, warum die RH-Prüfer in dem am Freitag vorgelegten Bericht zum ÖBB-Ticketshop eine bessere Abstimmung der sieben Verkehrsverbünde mit den ÖBB eingefordert haben.

Die Oppositionspartei „Jetzt“ (vormals Liste Pilz) sieht Hofer und die Verkehrsbetriebe unter Zugzwang. „Komplexe Tarif- und Rabattsysteme und hohe Preise mindern das Potential der Bundesbahnen“, sagte Klubobmann Wolfgang Zinggl. Er forderte auch „die für die Verbraucher unsinnigen und unflexiblen Zugbindungen bei ermäßigten Fahrkarten“ zu überdenken. (APA)