Letztes Update am Mi, 09.01.2019 06:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innenpolitik

Handel will Fairness beim Kampf gegen Plastikmüll

Die Regierung hat Handelsketten und Branchenvertreter zum „Plastik-Gipfel“ eingeladen. Thema war die Umsetzung des Plastiksackerl-Verbots.

"Plastik-Gipfel" mit Handel, NGOs und Experten am Dienstag im Bundeskanzleramt.

© APA"Plastik-Gipfel" mit Handel, NGOs und Experten am Dienstag im Bundeskanzleramt.



Von Cornelia Ritzer

Wien – Bis zu 7000 Tonnen Kunststofftragetaschen werden in Österreich jährlich verwendet. Noch. Denn ab 2020 soll hierzulande das Verbot für Sackerl aus nicht abbaubarem Plastik gelten. Das hat die ÖVP-FPÖ-Regierung Anfang Dezember beschlossen. Einen „Meilenstein im Umweltschutz“ feierte Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) mit dem Verbot, das weiter geht, als es die bestehende EU-Richtlinie verlangt hätte. Als Plastiksackerl bzw. Tragetasche gelten Produkte, die einen Henkel oder ein Griffloch haben.

Ein weiteres Ziel ist das Verbot der Beimengung von Mikroplastikpartikeln in Kosmetik- und Reinigungsmitteln ab 2020. Pro Tag würden hierzulande mehr als 100 Kilogramm Plastik über die Donau abtransportiert. Bis 2025 soll die Anzahl der Plastikverpackungen insgesamt um 20 bis 25 Prozent im Vergleich zur Menge aus dem Jahr 2016 verringert werden. Das entspreche einer Reduktion von rund 60.000 Tonnen Plastik.

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NGOs wie Greenpeace, Global 2000 und der WWF begrüßten die ressourcenschonende Initiative gegen die Plastikmüll-Flut, Handel und die Wirtschaftskammer reagierten auf die Regierungspläne zum Teil mit Kritik. Das Verbot sei schlicht „nicht notwendig“, sagte Peter Buch- müller, Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer, im Vorjahr. Denn die freiwillige Vereinbarung mit großen Handelsunternehmen zur Reduktion des Kunststofftaschenverbrauchs funktioniere bereits „hervorragend“. So seien seit 2014 mehr als 112 Millionen Plastiksackerln in Österreich eingespart worden, Einwegplastik-Sackerln wurden von den Kassen verbannt.

Eine Sichtweise, die auch der gestern veranstaltete „Plastik-Gipfel“ im Bundeskanzleramt kaum änderte. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), FPÖ-Regierungskoordinator Norbert Hofer und Umweltministerin Köstinger hatten Handelsketten und Branchenvertreter eingeladen. Die Politik lobte „gute, konstruktive Gespräche“, die Umweltorganisation Greenpeace hätte sich eine ausführlichere Debatte gewünscht. Deutlich wurde dabei, dass Bedenken aus dem Weg geräumt werden müssen, will man mehr als nur ein Bekenntnis zum Plastiksackerl-Verbot.

Auf fairen Wettbewerb zwischen heimischen Händlern und internationalen Playern pochte Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes. Dieser sei nur zu schaffen, wenn Internethändler wie Amazon miteinbezogen werden. „Es wäre unverständlich, wenn das Verbot nur jene belastet, die Wertschöpfung und Beschäftigung in Österreich sicherstellen, aber jene digitalen Player außen vor lässt, die unser Land mit einer Plastikmüll-Lawine überrollen.“ Der kurze Umsetzungszeitraum sei „knackig“, sagte Will. Eine Bewusstseinskampagne für die Konsumenten will der Handel mit der Politik umsetzen.


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