Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 11.01.2019


Innenpolitik

,,Haltung“: Mitterlehner bricht sein Schweigen in eigenem Buch

Von der Flüchtlingskrise bis zum Aufstieg des Sebastian Kurz. Der frühere ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner schreibt darüber ein Buch — und zeigt dabei „Haltung“.

Ex-ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner.

© APAEx-ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner.



Von Michael Sprenger

Wien – Das Buch ist auf Amazon bereits gelistet. In der Vorschau für das Frühjahrsprogramm des Ecowin Verlags hat es seit Kurzem einen prominenten Platz. Im April wird das knapp 300 Seiten starke Buch erscheinen.

Und das Werk dürfte zu heftigen Diskussionen führen, die Debatte über die herrschende Innenpolitik befeuern. Das Buch heißt „Haltung“, der Autor ist Reinhold Mitterlehner.

Der frühere ÖVP-Obmann und Vizekanzler hatte sich nach seinem Rücktritt im Mai 2017 in der Öffentlichkeit rar gemacht.

Gerüchte, er würde an einem Buch schreiben, gibt es schon länger. Nun schreibt er eines – auf Einladung des Ecowin Verlages. In groben Zügen ist es bereits fertig. Was noch fehlt, ist der letzte sprachliche Feinschliff.

Die Frage, ob das Buch eine Abrechnung mit dem System Sebastian Kurz wird, verneint Mitterlehner im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung. „Wäre es eine Abrechnung, dann hätte ich das Buch sofort nach dem Rücktritt schreiben und mich im Wahlkampf in vielen Interviews zu Wort melden können.“ Es gehe ihm um Aufklärung, wie er sagt – und darum, die Deutung und Geschichtsschreibung nicht den Herrschenden allein zu überlassen.

Ein Buch also außerhalb des Wirkungsbereichs der verordneten Message Control der Bundesregierung.

Zudem sei das Buch viel breiter aufgestellt und setze sich abseits des Machtwechsels in der ÖVP anhand von biographischen Rückblicken mit der Wirtschaftskrise 2008 bis 2016 und der Flüchtlingskrise auseinander, sagt Mitterlehner. Neben dem Rückblick widmet sich das Buch politischen Zukunftsfragen. Was bedeutet der Rechtspopulismus für die Demokratie? Wie geht man mit rechten Parteien um? Gibt es in Zukunft überhaupt noch Volksparteien? Und welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf diese Entwicklung?

Das Buch dürfte für einen spannenden Frühling – und vor dem Erscheinen für große Nervosität in der „neuen Volkspartei“ sorgen.


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