Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 17.01.2019


LSG

Plädoyers für das geistige Eigentum im digitalen Zeitalter

Beim 50-Jahre-Jubiläum der LSG-Verwertungsgesellschaft setzten sich Festredner mit geistigem Eigentum im digitalen Zeitalter auseinander.

Der deutsche Philosoph Richard David Precht sieht eine „Banalisierung des geistigen Eigentums durch unbegrenzte Kopierbarkeit“.

© Amanda BerensDer deutsche Philosoph Richard David Precht sieht eine „Banalisierung des geistigen Eigentums durch unbegrenzte Kopierbarkeit“.



Von Serdar Sahin

Wien – Seit 50 Jahren setzt sich schon die LSG – also die gemeinsame Verwertungsgesellschaft von Musikern und Produzenten – für den Schutz und die Verwertung ihrer Urheberrechte ein. Sie vertritt über 18.000 Interpreten und mehr als 5000 Labels.

In der Wiener Aula der Wissenschaften wurde das 50-jährige Bestehen gestern im Rahmen einer Matinee gefeiert. Als Festredner sind der deutsche Philosoph und Publizist Richard David Precht sowie Medien-, Kunst- und Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) aufgetreten. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von der österreichischen Sängerin Ina Regen.

Für LSG-Geschäftsführer Franz Medwenitsch ist es ein „erfreuliches Jubiläum“, wie er in seiner Festrede einleitend gestand. „Es geht darum, dass sie ihre Musik machen und davon leben können. Dafür gibt es die LSG“, sagte er in Richtung des Publikums, wo sich das Who’s who der österreichischen Kunst- und Kulturszene befand – anwesend waren unter anderem Schauspielerin Kristina Sprenger und Sänger Cesár Sampson.

Nachdem Medwenitsch das vergangene halbe Jahrhundert Revue passieren ließ, übernahm Blümel das Podium, der die Geschichte in die Gegenwart holte. In seiner Rede setzte er sich mit dem geistigen Eigentum im digitalen Zeitalter auseinander. „Wenn wir Grundprinzipien als richtig anerkannt haben, dann darf das nicht nur in der realen, in der haptischen Welt so sein, sondern muss auch in der digitalen Welt gelten. Der digitale Raum setzt scheinbar Grundprinzipien außer Kraft – er ist aber keine eigene Realität, sondern nur ein weiterer Aspekt der Welt, in der wir leben“, befand der Minister. Für viel Applaus sorgte er mit dem Sager, dass „Eigentum auch im digitalen Raum Eigentum bleiben“ müsse. „Wenn also Online-Giganten mit den Leistungen Dritter Gewinne machen, dann muss es selbstverständlich sein, dass diese Leistungen auch abgegolten werden“, forderte Blümel.

Weniger politisch, dafür philosophischer wurde die Thematik des geistigen Eigentums von Precht abgehandelt. Bei seinem 45-minütigen Vortrag spannte er einen Bogen von der Antike über die Industrialisierung bis in die heutige Zeit. „Alles steht auf dem Prüfstand“ – also auch das Urheberrecht, erklärte Precht. In dem Zusammenhang sprach er drei Punkte an. Er warnte vor einer „Banalisierung des geistigen Eigentums durch unbegrenzte Kopierbarkeit“. Es sei „wahnsinnig leicht, geistiges Eigentum in alle Richtungen zu kopieren“. Hier würden „Kostenfreiheit und Freiheit gleichgesetzt“. Aber „die Kostenfreiheit des Konsumenten bedingt die Unfreiheit des Produzenten“, sagte Precht.

Zudem ortet er eine „Reduktion geistiger Leistungen auf Daten“. Dabei konstatiert Precht: „Wir sind aber mehr als diese Daten.“

Am wichtigsten sei für ihn aber der dritte Punkt: die „instrumentelle Vernunft“. Hier stelle man sich die Frage: „Was bringt mir das?“ Diese Art des Denkens würde sich immer mehr durchsetzen – und sie mache auch vor der Musikindustrie nicht halt, so Precht. Er sieht eine teilweise Geringschätzung der Diversität kreativer Leistung im Zusammenhang mit deren Vertrieb gegeben. Sein Vorschlag: Eine wertvolle Vielfalt von kreativem Schaffen lasse sich auf Dauer jedoch nur durch eine Wertschätzung und entsprechende Abgeltung desselben erhalten.