Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 29.01.2019


Zentralmatura

Damit das Angstfach Mathematik nicht zum Stolperstein wird

Am 8. Mai ist Mathematikmatura. Verständlichere Angaben und ein neues Punktesystem sollen ein besseres Ergebnis als zuletzt bringen.

Bildungsminister Heinz Faßmann und sein Matura-Beauftragter Kurt Scholz. Als nächster Auftrag für Scholz winkt das Thema Lese- und Literaturförderung. „Reizen würde es mich schon“, meint dieser.

© APABildungsminister Heinz Faßmann und sein Matura-Beauftragter Kurt Scholz. Als nächster Auftrag für Scholz winkt das Thema Lese- und Literaturförderung. „Reizen würde es mich schon“, meint dieser.



Von Wolfgang Sablatnig

Wien — Was wäre das Ziel? Wie viele Maturanten dürfen durchfallen? Der frühere Wiener Stadtschulratspräsident Kurt Scholz, der für Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) mit Schülern, Lehrern und Eltern die schlechten Ergebnisse der Mathematikmatura 2018 aufgearbeitet hat, blieb eine Antwort gestern schuldig. Rund 20 Prozent — so viele Fünfer waren es im Vorjahr in Mathematik — seie­n aber jedenfalls zu viel. Für die heurige Reifeprüfung am 8. Mai hoffen Faßmann und Scholz dank einer Reihe von geplanten Änderungen auf einen Aufwärtstrend.

Die Matura soll mit den Änderungen „fairer" und „verständlicher", nicht aber leichter werden, betont Faßmann: „Wir dürfen das Vertrauen der Universitäten nicht verlieren." Scholz hat für die rund 45.000 Maturantinnen und Maturanten des heurigen Jahres — bis zu 3800 davon in Tirol — denn auch eine klare Botschaft: Sie sollten die dreieinhalb Monate zur Vorbereitung nützen. Die Neuerungen im Detail:

1. An erster Stelle stehen die Erläuterungen und Angaben. Viele Kandidaten seien nicht an der Mathematik gescheitert, sondern sprachlich überfordert gewesen, lautete die Kritik. Die Antwort: Die Texte sollen kürzer, verständlicher und mehr auf den Punkt gebracht werden. Statt durch drei Seiten „Hinweise zur Aufgabenbearbeitung" sollen sich die Maturantinnen und Maturanten nur noch durch zwei Seiten quälen müssen.

2. Ähnliches gilt für die Angaben zu den konkreten Aufgaben: eine einfachere Sprache und eine Reduzierung auf die wesentlichen Fakten, ohne Beiwerk und Ausschmückungen.

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3. Erleichterungen verspricht weiters ein Abgehen von der bisher starren Teilung in einer grundlegenden und einen vertiefenden Teil. Musste in den Gymnasien der erste Teil bisher nach zwei Stunden abgegeben werden, fällt diese Vorgabe künftig weg. Auch der erste Teil kann bis zum Schluss bearbeitet werden. Die damit verbundene Erwartung: Die Schüler können sich ihre Zeit besser einteilen und werden damit (hoffentlich) bessere Leistungen bringen.

4. Eine Änderung des Punkteschlüssels soll außerdem dafür sorgen, dass eine positive Note einfacher als bisher erreicht werden kann: Bisher mussten im grundlegenden Teil mindestens 16 von 24 Punkten erreicht werden, um ein Genügend zu schaffen. Nur einzelne Punkte konnten auch mit korrekten Lösungen im zweiten Teil wettgemacht werden. Nun soll gelten, dass 24 Punkte für beide Teile (von insgesamt 48) jedenfalls ausreichen, um nicht durchzufallen.

5. Scholz erläuterte schließlich einen weiteren Punkt, um dem „Angstfach" die Angst zu nehmen: Die Klassenlehrer sollen zur Verfügung stehen, um Verständnisfragen zu klären. Hinweise zur Lösung dürfen sie nicht geben — und Scholz sieht auch dies­e Gefahr nicht, auch wenn „bildungspolitische Hobby­denker" dies vielleicht anders sehen.