Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 10.04.2019


Prävention

Ex-Finanzminister Schelling ist nun Vereinsobmann

Hans Jörg Schelling erarbeitet mit Experten ein Gesundheitsreformkonzept. Auch sonst ist der Ex-Politiker in einige Projekte involviert.

Achinger und Schelling: "Wenn jeder bereit ist, seine Beharrungspolitik aufzugeben, wird etwas weitergehen."

© PRAEVENIRE/APA-Fotoservice/HörmaAchinger und Schelling: "Wenn jeder bereit ist, seine Beharrungspolitik aufzugeben, wird etwas weitergehen."



Von Karin Leitner

Wien – Seit seinem Abgang als ÖVP-Finanzminister, im Dezember 2017, hat sich Hans Jörg Schelling öffentlich rar gemacht. Jetzt ist er wieder da. Nicht als Politiker, sondern als Präsident eines Vereins. „Praevenire“ nennt sich dieser. Ein „Weißbuch Zukunft der Gesundheitsversorgung“ lässt Schelling mit dieser „interessenunabhängigen Plattform“ erarbeiten; im Mai kommenden Jahres wird es der Regierung zugestellt. Viele Experten, darunter der Sprecher der Patientenanwälte Gerald Bachinger und Ärztekammer-Chef Thomas Szekeres, sind mit von der Partie. Einen „ganzheitlichen Ansatz“ haben sie.

„Das heimische Gesundheitssystem ist zwar gut, aber nicht effizient. Es gibt zu viele Finanzströme, zu viele Eigeninteressen, wenig Eigenverantwortung bei den Patienten – und zu wenig Prävention. Dieser Entwicklung müssen wir entgegenwirken“, befindet Schelling bei der Präsentation der Initiative. Und: Bis dato sei es „zu viel um Strukturen und zu wenig um die Strategie“ gegangen.

Eine Strukturreform ist jene der Sozialversicherungen, deren Frontmann Schelling fünf Jahre lang gewesen ist. Ende Juni des Vorjahres hatte er bei einem Auftritt vor Vorarlberger JVPlern gesagt, die Kassenreform werde „lange nicht die Wirkung haben, die sich alle erwarten“ – und „die große Strategie“ fehle. Diese Diagnose ist publik geworden.

Von der Tiroler Tageszeitung gefragt, wie er die Neuerungen unter der Ägide von FPÖ-Sozialministerin Beate Hartinger-Klein nun bewertet, sagt er: „Es ist ein ambitioniertes Ziel. Es wird eine Zeit lang dauern, bis man sieht, ob das funktioniert.“ Anderweitig will sich Schelling zur Politik nicht äußern.

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Ein Parteikollege, Ex-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner, in dessen rot-schwarzer Koalition Schelling war, wird das bald tun. Sein Buch „Haltung“ erscheint am 17. April. Um Mitterlehners Nachfolger als ÖVP-Obmann, Sebastian Kurz, wird es gehen, detto um Rechtsextremismus und Renationalisierung. Wird Schelling das Werk kaufen? „Ich nehme an, dass ich es bekommen werde. Es wird dazu ja auch etliche Pressemeldungen geben. Das wird für mich als Information reichen.“ Und Schelling fügt an: „Ich bin von mehreren Verlagen gefragt worden, ob ich ein Buch über mein Leben schreiben will. Das will ich nicht. Von mir gibt es keine Memoiren.“

Schelling, der vergangenen Dezember 65 geworden ist, ist ja auch nach wie vor rührig. In der Möbelbranche, in der er war – Geschäftsführer bei Kika/Leiner, später beim Rivalen XXXLutz –, ist er wieder. „Ich bin an einem Start-up beteiligt, das sich mit virtuellen Einrichtungen beschäftigt.“ Und wie steht es mit seinem Engagement beim russischen Energiekonzern Gazprom? „Ich habe einen Strategieberatungsvertrag für das Pipelineprojekt Nord Stream 2, an dessen Finanzierung die österreichische OMV beteiligt ist. Die Beratung läuft bis Jahresende. Dann sollte die Pipeline in Betrieb gehen.“

Schelling ist auch wieder im Vorstand der Stiftung „eines großen Unternehmens“; als Minister hatte er davon lassen müssen. Und er ist im Förderverein für das Stift Dürnstein: „Wir treiben da Geld auf für die Renovierung.“

Mit einem anderen Stift ist er nach wie vor in anderer Form verbunden, jenem von Herzogenburg. Mit seiner Tochter betreibt Schelling ein Weingut. 13 Hektar Erntefläche gibt es: „Umgerechnet in Flüssiges sind das 70.000 Flaschen Wein im Jahr.“


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