Letztes Update am Do, 11.04.2019 12:19

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innenpolitik

Plastiksackerlverbot ab Jänner: Gesetzesentwurf in Begutachtung

Plastiksackerl verursachen in Österreich jährlich bis zu 7000 Tonnen Plastikmüll. Mit dem nun in Begutachtung geschickten Verbot zählt Umweltministerin Köstinger (ÖVP) Österreich zu den „Vorreitern in Europa“. Greenpeace sieht in dem Gesetzesentwurf lediglich eine Verlagerung des Müllproblems auf andere Materialien.

Sehr leichte Tragetaschen wie Obstsackerl müssen künftig biologisch abbaubar sein.

© APASehr leichte Tragetaschen wie Obstsackerl müssen künftig biologisch abbaubar sein.



Wien – Das von der Bundesregierung geplante Verbot von Plastiksackerln ab 1. Jänner 2020 ist heute, Donnerstag, in Begutachtung geschickt worden. „Mit dem Verbot von Einweg-Plastiksackerln zählen wir zu den Vorreitern in Europa. Es gibt nur zwei Staaten, die das vor Österreich umgesetzt haben“, sagte Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP).

„Wir haben den Fahrplan für dieses Verbot mit vielen Beteiligten in mehreren Runden diskutiert und verhandelt. Jetzt kommen wir in die Umsetzung. Der Gesetzesentwurf geht heute in Begutachtung, damit wir den Termin halten können“, sagte Köstinger. Laut dem Umweltministerium sind derzeit in Österreich 400 Millionen Plastiksackerl allein über den Lebensmittelhandel pro Jahr im Umlauf, was 5000 bis 7000 Tonnen Plastikmüll pro Jahr verursacht.

Müllsäcke, Hundesackerl und Gefrierbeutel nicht betroffen

Nicht von dem Verbot betroffen sind sehr leichte Tragetaschen (Obst- oder Knotenbeutel), die biologisch abbaubar sind und aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. Auch Mehrwegtaschen aus Kunststoffgewebe, mit vernähten Verbindungen oder mit vernähten Tragegriffen, die eine entsprechende Stabilität aufweisen und für den mehrmaligen Gebrauch konzipiert sind, dürfen weiter benutzt werden. Müllsäcke, Hundesackerl oder Gefrierbeutel sind ebenfalls nicht umfasst.

Für Händler, die beispielsweise Tagetaschen mit ihren Logos bereits bestellt oder in den Lagern liegen haben, gibt es eine einjährige Abverkaufsfrist. Mit Ende 2020 ist diese aber verstrichen. „Das ist eine klare und konsequente Entscheidung gegen die Wegwerfgesellschaft. Für den Ersatz von Plastiksackerln gibt es genügend Alternativen. Die Zukunft liegt in Mehrweg-Artikeln. Wir wollen auch nicht ein Einweg-Produkt durch andere Einweg-Produkte ersetzen“, meinte die Umweltministerin.

Greenpeace will Mindestpreis für Alternativen

Greenpeace kritisierte den Gesetzesentwurf am Donnerstag, weil dieser keinen Mindestpreis für die Alternativen zu den Kunststoffprodukten vorsieht. So wird das Müllproblem laut der Naturschutzorganisation nicht gelöst, sondern nur auf andere Materialien verschoben. Der Entwurf habe daher „eine große Schwäche“, sagte Nunu Kaller von Greenpeace.

Die Menge der Wegwerfsackerl kann nur durch einen gesetzlich festgelegten Mindestpreis und durch wiederverwendbare Mehrweg-Sackerl verringert werden, hieß es in der Aussendung. „Wird das Plastiksackerl eins zu eins mit Alternativen aus Papier oder Bioplastik ersetzt, wäre das für unsere Umwelt katastrophal. Die Müllberge würden sich dadurch nicht verringern, nur das Material, das weggeworfen wird, wäre ein anderes“, betonte Kaller, Expertin für Konsumfragen bei Greenpeace Österreich.

Großbritannien habe beispielsweise im Jahr 2015 einen Mindestpreis von fünf Pence auf Plastiksackerl festgelegt. Seitdem sei der Verbrauch um 85 Prozent zurückgegangen. Ein solcher Rückgang ist laut Greenpeace auch bei alternativen Materialien zu erwarten. Wiederverwendbare Mehrwegtaschen seien „eindeutig die beste Lösung für den Umweltschutz“. (APA)