Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 15.04.2019


Innenpolitik

ORF-Stiftungsrat war in E-Mail-Verteiler der Identitären

ORF-Stiftungsrat und Brixia-Mitglied Georg Watschinger war auf E-Mail-Verteiler. Er bestätigt. Aber: “Ich bin kein Unterstützer.“

In Tirol versuchten die Identitären bei den rechtspatriotischen Kreisen anzudocken.

© APAIn Tirol versuchten die Identitären bei den rechtspatriotischen Kreisen anzudocken.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Eine große Rolle spielen die rechtsextremen Identitären in Tirol nicht. In Grüppchen traten sie bei diversen Demonstrationen auf. Zugleich suchten sie Anschluss an rechtspatriotische Kreise im Land und versuchten dort Mitglieder und Unterstützer zu finden. Das geht aus der TT vorliegenden Einladungen und E-Mail-Verteiler aus den Jahren 2016/2017 hervor. Vor allem zu rechten Kreisen, die sich mit der Südtirol-Frage beschäftigen, wurden Kontakte geknüpft. Und da sticht die schlagende Innsbrucker Burschenschaft Brixia hervor.

2016 und 2017 waren die aktivsten Jahre der hiesigen Identitären. Zwischen der Brixia und den Identitären dürfte damals ziemliche Kontaktfreude geherrscht haben. So heißt es etwa in einer Einladung der Identitären vom Dezember 2017: „Anschließend lädt die Burschenschaft Brixia zum Heimatabend in ihr Verbindungshaus ein. (...) Wir freuen uns auf einen gemeinschaftlichen Heimatabend ganz im Sinne der identitären Idee.“ Der Tiroler Stammtisch der Identitären fand in dieser Zeit übrigens gerade um die Ecke vom Haus der Brixia in der Tiroler Landeshauptstadt statt.

Einer der namentlich auf den Einladungslisten der Tiroler Identitären stand, ist Georg Watschinger. Der Oberösterreicher, der in Innsbruck studiert hat und heute in Ried im Innkreis als Rechtsanwalt arbeitet, gehört der Brixia an. Zu der hat nicht nur er, sondern seine gesamte Familie, u. a. sein Vater Rudolf Watschinger, enge Bande. Wie auch zur Südtirol-Politik. Als Vertreter des Österreichischen Turnerbundes wurde Watschinger im Vorjahr in den ORF-Publikumsrat und in der Folge auch in den ORF-Stiftungsrat entsandt. Die Identitären luden Watschinger, als er noch in einer Innsbrucker Kanzlei tätig war, im September 2016 zu ihrem Stammtisch ein.

Gegenüber der TT bestätigt Watschinger, dass er Adressat von Zusendungen in Form von E-Mails war. Allerdings: „Wenn Sie sagen, dass die Adressaten dort als Freunde und Unterstützer der Identitären bezeichnet werden, so trifft das auf mich nicht zu. Ich habe weder gespendet, noch habe ich an deren Veranstaltungen oder Aktionen teilgenommen, noch bin ich sonstiger ,Unterstützer‘, Sympathisant oder Förderer“, teilt er schriftlich mit.

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Und wie kann er sich erklären, dass er auf die Adressenliste gekommen ist? Watschinger: „Möglicherweise, weil ich ein paar Mal Werner Königshofer über den Weg gelaufen bin.“ Er habe sich jedenfalls darüber geärgert und auch den Newsletter der Identitären abbestellt. Was die möglichen generellen Kontakte Brixia zu den Identitären betreffe, könne er nichts sagen, weil er schon seit Jahren Alter Herr der Brixia sei. „Da bin ich die falsche Ansprechperson. Ich kann die Vorhalte nicht bestätigen, aber auch nicht ausschließen.“