Letztes Update am Mo, 29.04.2019 15:41

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Causa Identitäre

Nach Interview: Rechtsextreme Identitäre von Strache begeistert

Nachdem Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache in einem Interview und auf Facebook die Erzählung der rechtsextremen Identitären übernahm, es käme zu einem „Bevölkerungsaustausch“, wird dieser von Identitären-Chef Martin Sellner über den Klee gelobt. Sellner teilte sogar ein Werbevideo der Freiheitlichen.

Identitären-Sprecher Martin Sellner.

© APAIdentitären-Sprecher Martin Sellner.



Wien – Der Chef der Identitären Bewegung Österreichs, Martin Sellner, hat sich über die jüngsten Aussagen von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache zum „Bevölkerungsaustausch“ begeistert gezeigt. Während die Abgrenzung der FPÖ gegenüber der IBÖ infolge der Spenden-Affäre des Attentäters von Christchurch noch für einen Riss zwischen den Aktivisten und der Partei sorgte, zeigte sich Sellner nun wieder versöhnt.

Nachdem sich die Parteispitze gegenüber den Identitären deutlich abgegrenzt hatte, habe er Angst gehabt, dass es kein FPÖ-Politiker mehr wagen würde, vom „großen Austausch“ zu sprechen, sagte Sellner in einem am Sonntag veröffentlichten Youtube-Video. „Nun spricht nicht ein kleiner Funktionär vom Bevölkerungsaustausch, sondern der Parteichef schlechthin“, frohlockte der Chef der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Bewegung.

Identitäre freuen sich über „zentrales Ziel der FPÖ“

Sellner zitierte in seinem Videoblog Straches entsprechende Aussagen aus der Sonntags-“Krone“ („Deshalb gehen wir den Weg für unser Heimatland Österreich, den Kampf gegen den Bevölkerungsaustausch, konsequent weiter, wie es die Menschen von uns auch erwarten.“). „Strache selbst bringt hier, ohne Not, aus eigener Kraft und eigener Mitte, den Kampf gegen den Bevölkerungsaustausch als zentrales Ziel der FPÖ vor. Kein einziges Mal hackt er auf die IB hin , so wie Norbert Hofer das macht (...)“, freute sich Sellner.

Besonders erfreut zeigte sich der IBÖ-Obmann darüber, dass Strache den Vorhalt zurückgewiesen hatte, der Begriff des „Bevölkerungsaustausches“ sei ein Begriff der rechtsextremen Szene. „Das ist ein Begriff der Realität“, hatte der Vizekanzler auf eine entsprechende Frage gegenüber der „Krone“ erklärt.

„Was soll man da noch sagen? Das ist hervorragend, völlig richtig und wahr und es nimmt mir eine der größten Ängste der letzten Wochen“, so Sellner. Denn: „Meine größte Angst war nicht um diese Prozesse, um die IB, (...) meine größte Angst war, dass wir in Österreich metapolitisch zurückfallen, um Jahre, und es den Linken gelingt, den Diskurs über den großen Austausch, den Bevölkerungsaustausch, die Demografie, zu verunmöglichen, und durch die Nazi-Hysterie die FPÖ hineinzutreiben in das Schweigen über dieses Verbrechen, das stattfindet. Das haben sie nicht geschafft. Die IB wird nicht zerbrechen an der Repression. Die FPÖ wird ihre Sprache, ihre Inhalte und Botschaften nicht ändern und das gibt mir große Hoffnung für die Zukunft“.

Sellner: Strache schützt „das patriotische Vorfeld“

„Ich danke Strache, dass er das gesagt hat“, denn damit schütze er auch das „gesamte patriotische Vorfeld“, das auch den „Bevölkerungsaustausch“ kritisiert, so Sellner. „Alles in allem sind das sehr gute Nachrichten.“

Dass die FPÖ sich von der Identitären Bewegung distanziert hat, sei zwar ein Problem, bedauerte der IBÖ-Obmann. Gleichzeitig zeigte er dafür aber Verständnis, denn die Partei wolle sich eben nicht in „Geiselhaft“ der IBÖ nehmen lassen. Dieses „absolut getrennte“ Vorgehen sei auch richtig und wichtig, meinte er.

Zum Abschluss des Videos fügte Sellner begeistert den aktuellen „extrem gelungenen“ EU-Wahlwerbespot an seine Aufnahme an, über den man sich nach Straches „großartigem Interview“, in dem er sich „kein bisschen gebeugt“ habe, nun auch freuen könne. „Die Patrioten müssen die stärkste Fraktion im europäischen Parlament werden“, so Sellner. (APA)

„Identitären-Sprech“: NEOS fordern Ende der Koalition

Vizekanzler Heinz-Christian Strache hatte in einem Interview die Erzählung der rechtsextremen Identitären von einem "Bevölkerungsaustausch" aufgegriffen. Die SPÖ stellte die Frage, wie viel die Distanzierung der FPÖ von den Identitären wert sei. Die NEOS forderten Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) auf, die Koalition mit der FPÖ zu beenden. Mehr dazu hier.