Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 08.05.2019


Exklusiv

Bund lenkt bei Lehrern ein, Geldfrage bleibt

Mit einer Gesetzesänderung reagiert der Bund auf die Kritik am Abzug der AHS-Lehrer aus den Mittelschulen. Etappenziel für Palfrader erreicht, große Lösung aber offen.

In der Frage des Lehrpersonals bewegt sich Wien, ob auch bei der Lehrerfinanzierung, ist offen.

© APAIn der Frage des Lehrpersonals bewegt sich Wien, ob auch bei der Lehrerfinanzierung, ist offen.



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck, Wien – Das Problem beim Lehrpersonal in Tirol ist ein dreifaches. Da wäre die anstehende Pensionierungswelle. Allein für das kommende Schuljahr 2019/20 könnten rund 300 Pflichtschullehrer abrüsten. Sofern diese das auch wollen. Das gesetzliche Pensionsalter hätten sie erreicht. Gleichzeitig startet der Bund mit Herbst seine Rückholaktion in Sachen AHS-Lehrer. Binnen vier Jahren sollen alle derzeit an Neuen Mittelschulen tätigen AHS-Lehrer (Tirol: 147) abgezogen sein – die ersten 25 Prozent mit Herbst. Gegen den Widerstand aus den Ländern. Aufgrund der seit 2015 aktivierten vereinheitlichten Lehrerausbildung sind (noch) nicht genügend Pflichtschullehrer am Markt, um die Lücken in NMS und Volksschulen zu schließen. Letztlich bleibt ein drittes Problem: braucht es doch für die abzuziehenden – teils unkündbaren – Bundeslehrer Platz an den Tiroler AHS.

Das geht auf Kosten der Jungen. Laut Bildungsdirektion stehen bereits 250 Junglehrer auf einer Warteliste, 170 weitere Unterrichtspraktikanten heuer vor einem Abschluss.

Den Pool der noch nach dem alten Diplomschema ausgebildeten und tätigen Unterrichtspraktikanten bzw. Uni-Lehramtsstudenten kann das Land derzeit aber nicht für sich anzapfen. Das Landeslehrer-Dienstrechtsgesetz des Bundes steht dem entgegen. AHS-Lehrern war lediglich im Zuge des Pilotprojektes erlaubt, an NMS zu unterrichten.

In einer Petition (rd. 1200 Unterschriften) und einem offenen Brief fordert die ­ARGE „AbsolventInnen und UnterrichtspraktikantInnen Diplomstudien Lehramt“ Faßmann auf, ihnen gesetzlich den Weg für eine Anstellung an Mittelschulen zu ebnen. Mit diesem Vorstoß ist auch Bildungslandesrätin Beate Palfrader (VP) zusammen mit Bildungsdirektor Paul Gappmaier in Wien vorstellig geworden. Auch andere Bundesländer hätten interveniert, heißt es. Der Protest scheint nun Früchte zu tragen. In der heutigen Sitzung des Unterrichtsausschusses soll das Dienstrechtsgesetz per Initiativantrag von ÖVP/FPÖ repariert werden. Folglich soll es den Ländern ermöglicht werden, AHS-(Jung-)Lehrer mit altem Ausbildungsschema – abseits von Sonderverträgen – in den Landesdienst zu übernehmen und so an NMS zu beschäftigen. Einziger ­Haken: Die Betreffenden müssen freiwillig in den Landesdienst optieren – Gehaltseinbußen inklusive. Das Gesetz soll mit 1. September in Kraft treten.

Gappmaier wertet diesen Schwenk in Wien als Erfolg der Tiroler Initiative. Auch für den Vorsitzenden der AHS-Gewerkschaft Tirol, Karl Digruber, geht der Weg „in die richtige Richtung“.

„Das sind natürlich positive Zeichen“, gibt sich Palfrader vor dem heutigen Unterrichtsausschuss optimistisch. Offen ist für sie weiter die finanzielle Frage. Das Land will und wird den an den NMS bewährten Doppelunterricht auch nach Abzug der AHS-Lehrer beibehalten. Die Finanzierung durch den Bund sei lediglich noch bis 2020/21 gesichert. Dann müsste wohl das Land einspringen. So, wie man es im Pflichtschulbereich seit Jahren tut. Heute muss der Landtag 6,4 Millionen Euro zur Finanzierung von 150 Planstellen freischaufeln, für die der Bund nicht aufkommt. Stellen, die Palfrader aber im Sinne der Schulqualität für unverzichtbar hält. Einen Qualitätsverlust für die Tiroler Mittelschulen will Palfrader daher ebenso verhindern: „Mehr Geld vom Bund wäre notwendig.“


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