Letztes Update am Do, 09.05.2019 22:42

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Europatag

Festakt in NÖ zu „30 Jahre Öffnung des Eisernen Vorhangs“

Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner stellten in ihren Reden die Bedeutung des Gemeinsamen in Europa in den Vordergrund.

„Es ist wesentlich einfacher, etwas zu zerstören, als etwas aufzubauen", mahnte Van der Bellen.

© APA/Bundesheer/Peter Lechner„Es ist wesentlich einfacher, etwas zu zerstören, als etwas aufzubauen", mahnte Van der Bellen.



Grafenegg – Am Europatag ist bei einem Festakt im niederösterreichischen Grafenegg an „30 Jahre Öffnung des Eisernen Vorhangs“ erinnert worden. Sowohl Bundespräsident Alexander Van der Bellen als auch Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) stellten in ihren Reden am Donnerstagabend die Bedeutung des Gemeinsamen in Europa in den Vordergrund. Gewarnt wurde vor nationalistischen Tendenzen.

Van der Bellen: „Herausforderungen gemeinsam lösen“

Van der Bellen erinnerte an die Geschehnisse im Jahr 1989, als etwa der damalige Außenminister Alois Mock (ÖVP) gemeinsam mit seinem ungarischen Amtskollegen Gyula Horn symbolisch den Grenz-Stacheldraht durchschnitt. Es habe Jahrzehnte gebraucht, die Europäische Union aufzubauen. „Es ist wesentlich einfacher, etwas zu zerstören, als etwas aufzubauen. Ich bin davon überzeugt, dass nichts besser wird, wenn die Länder Europas wieder beginnen sollten, ihr eigenes Süppchen zu kochen und sich voneinander abzuschotten. Die Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind nur gemeinsam zu lösen“, betonte der Bundespräsident. Es liege im Interesse jedes einzelnen Mitgliedsstaates der Union, einen Rückfall in die frühere Isolation zu verhindern.

Er glaube an ein gemeinsames, starkes Europa der Grundwerte, Menschenrechte, der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit - der Solidarität. „Dieses Europa hat aus seinen Fehlern gelernt und sich zusammengeschlossen, so dass jeder einzelne von uns in Frieden leben kann“, sagte Van der Bellen bei der Veranstaltung mit mehr als 400 Gästen in der Reitschule in Grafenegg. Es gelte, weiterhin nach dem Gemeinsamen in Europa zu streben und nicht nach dem Trennenden.

Mikl-Leitner: „Weiterbauen am Friedensprojekt Europa“

„Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs, dem Beitritt zur EU und der EU-Erweiterung hat sich die Geschichte Europas gewendet, hat sich vor allem das Gesicht unseres Kontinents erneuert. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde Niederösterreich zum Tor in das neue größere Europa“, sagte Mikl-Leitner. Gleichzeitig erklärte sie: „Europa ist noch nicht vollkommen.“ Trotz Sorgen über Entwicklungen wie Überregulierungen oder den Brexit und seine Folgen dürfe man nicht vergessen, dass „uns das gemeinsame Europa wirtschaftliche Stabilität und Sicherheit gegeben hat, neue Chancen, Perspektiven und Möglichkeiten eröffnet hat und uns vor allem Friede, Freiheit und Demokratie gebracht hat“.

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Die Verantwortung heute sei, „am Friedensprojekt Europa weiter festzuhalten und weiterzubauen - gegen autoritäre Tendenzen, mangelnde Rechtsstaatlichkeit und Infragestellen der Gewaltentrennung in so manchen EU-Staaten aufzustehen und anzukämpfen“. Es brauche „heute mehr denn je ein starkes und gemeinsames Europa“. Wichtig sei es zudem, die europäischen Verträge an die neue Wirklichkeit anzupassen. Man müsse auch erkennen, dass heute nicht mehr Länder, sondern ganze Kontinente in Konkurrenz stünden. „Stärken wir Europa. Denn nur miteinander haben wir eine Chance“, sagte Mikl-Leitner. Es gelte dafür zu sorgen, die wirtschaftliche Stärke und Innovationskraft Europas auszubauen, dass alle Bürger von dieser Wirtschafts- und Innovationskraft profitieren und dass der gemeinsamer Kontinent auch von allen als Vorteil verstanden wird.

„Vor 30 Jahren ist der Eiserne Vorhang gefallen. Für Niederösterreich ging damals der Vorhang zur Welt auf, zahlreiche Fenster haben sich dadurch geöffnet. Unsere Aufgabe ist es, gemeinsam darauf zu achten, dass sich diese Fenster der Freiheit nie mehr wieder schließen“, so die Landeshauptfrau.

An einer an die Reden anschließenden Podiumsdiskussion nahmen Landesrat Martin Eichtinger, Alt-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (beide ÖVP), Autorin Cornelia Travnicek, der ehemalige tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg und die frühere slowakische Staatssekretärin Magda Vasaryova teil. Eichtinger, der am 27. Juni 1989 als damaliger Sekretär von Alois Mock beim symbolischen Durchschneiden des Grenzzaunes zwischen Österreich und Ungarn dabei war, erzählte: „Das Echo war enorm.“ Schwarzenberg meinte: „Freiheit muss in jeder Generation erkämpft werden.“ Demokratie und Freiheit seien auch heute gefährdet, man müsse sich kritisch mit den politischen Entwicklungen beschäftigten. Bereits am Nachmittag waren Diskussionen von Schülern mit Zeitzeugen auf dem Programm gestanden. (APA)