Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 11.05.2019


Innenpolitik

Neun-Punkte-Plan gegen Gewalt an Schulen

Bildungsminister Faßmann will die steigende Aggression an den Schulen in den Griff bekommen.

Mehr Personal soll es aber nicht geben. Kritik gibt es am Minister-Vorschlag von Time-out-Klassen.

Keine Weltformel gegen Mobbing und Gewalt an der Schule, aber ein Neun-Punkte-Plan.

© iStockKeine Weltformel gegen Mobbing und Gewalt an der Schule, aber ein Neun-Punkte-Plan.



Wien – Mit einem Neun-Punkte-Plan will Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) Gewalt und Mobbing an Schulen in den Griff bekommen. Unter anderem setzt der Minister auf präventive Teambuilding-Maßnahmen, die Qualifizierung von Lehrern zu Streitschlichtern sowie die Einrichtung von Time-out-Klassen.

Der Vorfall an der HTL Ottakring in der Vorwoche sei „ein Beschleuniger unseres Nachdenkens gewesen, nicht der Auslöser“, betonte Faßmann.

„Die Weltformel“ gibt es zwar nicht bei der Bekämpfung von Gewalt und Mobbing, trotzdem hofft er, mit seinem Plan die Situation an den Schulen zu verbessern. So empfehle man etwa bei der Zusammenstellung der Klassen am Beginn des Schuljahres Teambuilding-Maßnahmen wie gemeinsame Ausflüge, um eine Gemeinschaft zu formen.

In der Ausbildung sollen angehende Lehrer außerdem besser auf extreme Konflikte vorbereitet werden, sagte Faßmann. Außerdem sollten Schüler durch Verhaltensvereinbarungen zum Selbstbild einer gewaltfreien Schule beitragen – bei Nichteinhalten wären etwa Hilfsdienste in der Bibliothek oder die Mithilfe bei Veranstaltungen denkbar.

Neben Präventionsmaßnahmen sollen aber auch Lehrer, Direktoren und Schulaufsicht besser zu den rechtlichen Rahmenbedingungen geschult, eine Plattform für betroffene Lehrer und Schüler eingerichtet sowie Pädagogen zu Streitschlichtern ausgebildet werden. Zur Deeskalation sollen weiters Schüler kurzfristig außerhalb des Klassenverbands untergebracht werden können – etwa für den Rest der Stunde oder des Tages.

Schließlich soll ein Konzept für Time-out-Gruppen erarbeitet werden, in denen Schüler „mit erheblichen Verhaltensauffälligkeiten“ für einen begrenzten Zeitraum – „etwa eine Woche oder einen Monat“ – untergebracht werden. Dort würden sie in Gruppen von fünf bis acht Personen durch pädagogisch geschultes Personal betreut und auch im normalen Stoff weiterunterrichtet werden. Das soll auch schulübergreifend passieren können. Ziel sei die baldige Rückkehr in die Klasse, um nicht zu viel zu versäumen. Konzepte sollen bis Sommer ausgearbeitet und dann erprobt werden.

Neues Personal soll es dafür aber voraussichtlich nicht geben. Da setzt dann auch schon die Kritik an den Plänen des Ministers an. Für den Wiener Bildungsdirektor Heinrich Himmer ist daher das Konzept des Ministers „noch nicht zu Ende gedacht“. Die Frage sei vor allem: „Bekommen wir auch die nötigen Ressourcen, um mit jemandem zu arbeiten?“, fragte Himmer. SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid forderte 100 zusätzliche Schulpsychologen und einen weiteren Ausbau von Peer-Mediations-Programmen, bei denen Schüler zu Streitschlichtern ausgebildet werden. Kritisch sieht sie die geplanten Time-out-Klassen. Auch NEOS-Bildungssprecher Douglas Hoyos erinnern die geplanten Time-out-Klassen an steinzeitliche Bestrafungsmethoden. Mehr Schulsozialarbeiter und schulpsychologische Betreuung forderte ebenso die Bundesjugendvertretung. (APA, TT)


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