Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 12.05.2019


Energieversorgung

Blackout: Was tun, wenn der Ernstfall eintritt

Drei Tage lang üben Vertreter von Ministerien, Ländern und anderen Organisationen einen großflächigen Stromausfall. Wie realistisch ist ein Blackout?

Um auf den Ernstfall vorbereitet zu sein, sollten Wasser, haltbare Lebensmittel, Taschenlampen sowie Erste-Hilfe-Material vorrätig sein.

© E+Um auf den Ernstfall vorbereitet zu sein, sollten Wasser, haltbare Lebensmittel, Taschenlampen sowie Erste-Hilfe-Material vorrätig sein.



Von Serdar Sahin

Wien – Im Jänner 2017 befand sich Österreich in einer schwierigen Situation. Der Wasserstand war niedrig, es wehte wenig Wind, die Sonne schien kaum. Strom zu produzieren war also nicht einfach. Die Speicher wurden angezapft. „Glücklicherweise hat sich die Lage bald entspannt“, sagt Michael Losch, Sektionschef für Energie und Bergbau im Ministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus.

Ein Blackout – also ein teilweiser oder totaler Stromausfall – stand damit dennoch nicht unmittelbar bevor. Um aber für den Ernstfall gewappnet zu sein, findet vom morgigen Montag bis Mittwoch die Krisenübung „Helios“ statt.

Dabei wird ein Blackout simuliert. „Schneechaos, Hochwasser – die Gesellschaft kennt sich mit solchen Phänomenen aus, erklärt Robert Stocker, Leiter der Abteilung Katastrophenschutzmanagement und Koordination Zivile Sicherheit im Innenministerium. Darauf sei man vorbereitet. Doch es gebe weitere Herausforderungen, die man bewältigen müsse. Bei einem Stromausfall seien viele Lebens- und Gesellschaftsbereiche betroffen. „Mit der Übung wollen wir erkennen, woran wir noch arbeiten müssen“, sagt Stocker.

Der Fokus liege dabei auf der Zusammenarbeit der Ressorts und der Akteure in Österreich. So werden an „Helios“ Vertreter von Ministerien und Bundesländern, Einsatzorganisationen wie der Feuerwehrverband oder das Rote Kreuz, aber auch der Betreiber der österreichischen Übertragungsnetze Austrian Power Grid (APG) sowie die Energieregulierungsbehörde E-Control teilnehmen. Am dritten Tag werde man die Bundesregierung in die Übung einbinden, erklärt Stocker.

Doch wie realistisch ist ein solcher Blackout? „Ein derartiges Szenario ist nicht wirklich realistisch – keine Sorge vor einer unmittelbaren Bedrohung“, beruhigt Losch. Man wolle die Resilienz stärken. „Bei der Stromversorgungssicherheit liegt Österreich mit 99,99 Prozent weltweit an der Spitze“, erläutert Kurt Misak von APG. Bei diesem Stromkrisen-Szenario wolle man schauen, wo die Kompetenzen liegen und wo die Prozesse stattfinden, sagt Misak. Österreich sei eines der wenigen Länder weltweit, die das praktisch üben, betont er.

Die Ursachen für Stromkrisen können vielfältig sein. Neben Naturkatastrophen werden technisches Gebrechen, aber auch Sabotage bzw. Terroranschläge aufgezählt. Die Übung findet im Innenministerium statt, da dort das staatliche Krisen- und Katastrophenschutzmanagement angesiedelt ist. Im Regierungsprogramm wurde vereinbart, die Resilienz Österreichs zu stärken.

Haushalte schlecht vorbereitet

Die Österreicher sind auf einen Ernstfall schlecht vorbereitet. Eine Studie der Joanneum Research Foschungsgesellschaft aus dem Jahr 2015 kommt nämlich zu folgendem Befund: Bei einem Blackout hätten bereits nach drei Tagen über drei Millionen Menschen in Österreich keine verwertbaren Nahrungsmittel mehr zur Verfügung. Elf Prozent der Menschen auf dem Land und 26 Prozent in einer Stadt würden demnach über keine Wasservorräte mehr verfügen. In einem sicheren Haushalt sollten laut staatlichem Krisen- und Katastrophenschutzmanagement folgende Vorräte nicht fehlen: Wasser, haltbare Lebensmittel, einfache Licht- und Energiequellen sowie Medikamente und Erste-Hilfe-Material.


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