Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 22.05.2019


Exklusiv

Aus dem Rennen gekicklt: Tiroler Polizei wird neu aufgestellt

Nach dem Abgang des Innenministers werden die Karten bei den anstehenden Polizei-Besetzungen neu gemischt. Wunschkandidaten der FPÖ dürften aus dem Rennen sein.

Der damalige Innenminister Herbert Kickl im April 2018 mit dem Kommandanten der PI Innere Stadt. Im Hintergrund Tirols FPÖ-Chef Markus Abwerzger und Stadtparteiobmann Rudi Federspiel.

© zeitungsfoto.atDer damalige Innenminister Herbert Kickl im April 2018 mit dem Kommandanten der PI Innere Stadt. Im Hintergrund Tirols FPÖ-Chef Markus Abwerzger und Stadtparteiobmann Rudi Federspiel.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Die Stimmung war schon schlechter. Nach dem unfreiwilligen Abgang von Innenminister Herbert Kickl „ist wohl so manches Flascherl aufgemacht worden“, beschreiben Insider die Reaktionen im Offizierskorps der Tiroler Polizei: „Dem weint kaum einer von uns eine Träne nach.“

Wohl auch, weil durch das vorläufige Ende der FPÖ-Regentschaft im Innenministerium das be- und gefürchtete Umfärben endet, bevor es so richtig begonnen hat. Besonders in Tirol ein heikles Thema, zumal heuer und im kommenden Jahr zahlreiche Schlüsselpositionen aufgrund von Pensionierungen neu besetzt werden müssen. Dabei hätten Kickl und Mitstreiter mit Sicherheit ein Wörtchen mitgeredet. Doch damit ist es vorerst vorbei. Die letztendlich erfolglose Designierung von Peter Goldgruber als Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit war österreichweit der letzte Versuch, einen „Blauen“ in eine Schlüsselposition zu bringen.

Auch für die eine oder andere Tiroler Schlüsselposition sind längst freiheitliche Wünsche durchgesickert. So war angedacht, einen Offizier aus einem anderen Bundesland mit der Führung der Innsbrucker Polizei zu betrauen. Der Exil-Tiroler soll bereits Interesse signalisiert haben. Dennoch hatte der Plan einen Haken. Und der heißt Martin Kirchler und ist seit acht Jahren durchaus erfolgreicher Polizeichef in der Kaiserjägerstraße. Ohne triftigen, im Idealfall strafrechtlich relevanten Grund wäre eine Ablöse des Unterländers kaum möglich gewesen. Es sei denn, Kirchler hätte freiwillig das Feld geräumt. Beispielsweise, um auf der Karriereleiter eine Sprosse nach oben zu steigen. Etwa in der Landespolizeidirektion, wo seit einigen Wochen das Büro A1, zuständig für Organisation, Strategie und Dienstvollzug, verwaist ist. Weil der bisherige Chef Johannes Strobl die Nachfolge des pensionierten Norbert Zobl antrat und zum stellvertretenden Landespolizeidirektor bestellt wurde. Ob sich Kirchler tatsächlich für diese einflussreiche Stelle bewirbt, ist freilich offen. Zumal die Position noch nicht einmal ausgeschrieben ist.

Wenn Kirchler geht und der Exil-Tiroler als freiheitlicher Wunschkandidat bleiben muss, wo er ist, kann das Besetzungskarussell wieder Fahrt aufnehmen. Ohne freiheitliche Einflussmöglichkeiten gilt Romed Giner als Favorit für das Innsbrucker Chef-Büro. Der Thaurer ist seit 2014 Polizei-Bezirkskommandant in Schwaz. Eine dann frei werdende Stelle, für deren Besetzung die Weichen angeblich ebenfalls schon gestellt sind. Mit Astrid Mair, derzeit stv. Bezirkskommandantin in Kufstein, könnte erstmals in Tirol eine Frau die Führungsrolle in einem Bezirk übernehmen.

Mit Kickls unfreiwilligem Abgang dürfte zudem die bereits weitgehend durchgeplante Polizeireform in der Schublade des Vergessens landen. Wie bereits berichtet, war angeblich beabsichtigt, das Wiener Kommissariatssystem auf Bundesländer-Ebene einzuführen. Diese Kommissariate wären dann für bestimmte Polizeieinrichtungen in mehreren Bezirken zuständig gewesen. Gemunkelt wurde bereits von einem Kommissariat Oberland und einem Gegenstück im Unterland. Die Reform hätte eine weitere Möglichkeit geboten, ungeliebte Führungskräfte durch FPÖ-nahe Beamte zu ersetzen.

Abseits späterer personeller Planspiele machte sich Kickl schon vier Monate nach seiner Amtseinführung als Innenminister beim Tiroler Offizierskorps unbeliebt. Weil er bei einem Innsbruck-Besuch seinen hiesigen Parteifreunden kurz vor der Gemeinderatswahl ausgerechnet bei einer Pressekonferenz der Polizei eine Bühne bot. Als Landespolizeidirektor Helmut Tomac und Stadt-Polizeikommandant Kirchler im Beisein des Innenministers Ermittlungserfolge gegen die Drogenszene präsentierten, mischten sich Tirols FPÖ-Chef Markus Abwerz­ger und der damalige Bürgermeister-Kandidat Rudi Federspiel unter die Journalisten. Ein Affront gegenüber der Polizeiführung, der noch tagelang für Gesprächsstoff sorgte.