Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 29.05.2019


Innenpolitik

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner startet Tour durchs Land

Wundenlecken nach der EU-Wahl und Motivationsschub für den Wahlkampf. Die Sozialdemokraten auf der Suche nach dem verlorenen Glück.

Pamela Rendi-Wagner ist vom SPÖ-Vorstand einstimmig zur Spitzenkandidatin für die Nationalratswahl gekürt worden.

© APAPamela Rendi-Wagner ist vom SPÖ-Vorstand einstimmig zur Spitzenkandidatin für die Nationalratswahl gekürt worden.



Von Michael Sprenger

Wien – Eine Personaldebatte gibt es nicht. Pamela Rendi-Wagner ist gestern vom SPÖ-Vorstand einstimmig zur Spitzenkandidatin für die Nationalratswahl gekürt worden. Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda bleibt Parteimanager. Auch ihm wurde das Vertrauen ausgesprochen. Für den Wahlkampf wird sein Team in der Löwelstraße allerdings verstärkt.

Das sind die harten Fakten. Hinter verschlossenen Türen wurde Klartext gesprochen. Strategische Fehler und kommunikative Defizite im Finale der EU-Wahl wurden benannt. Seit dem Ibiza-Video und den dramatischen Folgen ist die Partei aus dem Tritt. Nicht die Roten waren die Nutznießer des Skandalvideos, in dem die FPÖ-Spitze mit Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus eine unwürdige Hauptrolle spielte, sondern Sebastian Kurz und die ÖVP. „Wir waren nicht in der Lage, klar unsere Position zu erzählen“, sagt ein Teilnehmer des Parteivorstands. Auch der dunkle ORF-Auftritt der Parteivorsitzenden zu mitternächtlicher Stunde wurde kritisch angesprochen.

Die Diskussion in den Parteigremien war „offen und ehrlich“, sagt ein Mitglied des Vorstands. Und dies war notwendig. Denn die Roten wollen geschlossen in den Wahlkampf gehen; zuletzt sind sie das ja nicht gewesen.

Die große Stärke von Rendi-Wagner sei der direkte Umgang mit den Bürgern. „Sie ist Ärztin, eine beruflich erfolgreiche moderne Frau, geradezu der personifizierte Gegenentwurf zum Machtmenschen Kurz“, befindet ein Partei- grande. In den kommenden Monaten wird die Parteichefin auf Tour gehen. Quer durch das Land soll die Reise gehen, Veranstaltungen in allen Bezirken werden geplant.

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Dabei wollen sich die Sozialdemokraten weniger mit Kurz beschäftigen, sondern mit „den Themen, die die Menschen berühren“. Also von Wohnen bis Gesundheit.

Nach außen hin hatte dann der Bundesgeschäftsführer die Aufgabe, das EU-Wahlergebnis der SPÖ zu kommentieren – und Positives zu finden. Obwohl das bisher schlechteste Ergebnis auf Bundesebene, habe man die Ziele einer höheren Wahlbeteiligung sowie eines Stimmenzuwachses (in absoluten Zahlen) erreicht. Auch sei man bei der EU-Wahl die fünftstärkste sozialdemokratische Partei geworden.