Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.06.2019


Gemeindetag im Kaunertal

Van der Bellen: „Hatten ein Problem, aber keine Riesen-Krise“

Turbulenzen auf dem Wiener Politparkett begleiteten Bundespräsident Van der Bellen ins Kaunertal. Viel Lob gab es für sein Krisenmanagement.

Ein Ständchen und ein Gedicht: Van der Bellen genoss mit seiner Frau Doris sichtlich die kurze politische Auszeit im Kaunertal.

© Thomas Boehm / TTEin Ständchen und ein Gedicht: Van der Bellen genoss mit seiner Frau Doris sichtlich die kurze politische Auszeit im Kaunertal.



Kaunertal – Obwohl er in den vergangenen Wochen massiv unter Zeitdruck gestanden sei, „wusste ich, dass ich heute hier im Kaunertal sein muss“. Die Verleihung der Ehrenbürgerschaft in seiner Heimatgemeinde war für Bundespräsident Alexander Van der Bellen Pflicht, die Botschaft an die versammelten Bürgermeister eine gelassene. „Es gibt Minister, wenn ihr Probleme habt, wendet euch an sie“, empfahl er den Tiroler Gemeindechefs. Einmal mehr vermittelte Van der Bellen trotz des Übergangskabinetts und der turbulenten Ereignisse in den vergangenen Tagen Normalität. Dazu passte die kurze Auszeit in Tirol.

„Es ist eine ganz normale Regierung mit allen Rechten und Pflichten“, sagte Van der Bellen. Für den Präsidenten war es „aber nicht die große Regierungskrise“. Die Bürgermeister – siehe Umfrage – nehmen es ebenfalls mehr oder weniger gelassen. Obwohl sie natürlich eine politisch gewählte Regierung lieber hätten.

Landeshauptmann Günther Platter (VP) lobte den Bundespräsidenten für dessen Krisenmanagement. Stellvertretend für die anwesenden Landes- und Kommunalpolitiker. „Es ist gut, wenn man jemanden in der Hofburg hat, der die Nerven bewahrt und sich nicht treiben lässt, der mit Lebenserfahrung und politischem Gespür ganz einfach das Richtige tut.“

Sorgen macht sich Platter über den bevorstehenden Wahlkampf, „weil ich eine Schlammschlacht befürchte“. Tirol bezeichnete er einmal mehr als Gegenrezept zu Wien, zugleich appellierte er an die politische Kultur. „Es geht um einen Wettbewerb der besten Ideen und nicht um persönliche Diffamierungen.“ Aber gerade jetzt hätten sich die Gemeinden und die selbstbewussten Bundesländer als stabiles Fundament in Österreich herausgestellt.