Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 17.06.2019


Exklusiv

Maurer brennt für grüne Chance auf Neubeginn

Die Tirolerin Sigi Maurer will bei der Nationalratswahl die Landesliste der Wiener Grünen anführen. Richtig weg war die Ex-Abgeordnete nie.

Grünes Wiederkommen und Gehen: Maria Vassilakou (l.) übergibt die Wiener Landespartei Ende Juni an Birgit Hebein, die Stubaierin Sigi Maurer (r.) will zurück in den Nationalrat.

© APAGrünes Wiederkommen und Gehen: Maria Vassilakou (l.) übergibt die Wiener Landespartei Ende Juni an Birgit Hebein, die Stubaierin Sigi Maurer (r.) will zurück in den Nationalrat.



Carmen Baumgartner-Pötz

Wien – Mit 14 Prozent Stimmenanteil haben die Grünen bei der Wahl zum Europaparlament am 26. Mai ein kräftiges Wiederauferstehungszeichen von sich gegeben. Am 29. September wollen sie die Rückkehr in den Nationalrat schaffen. Die Ausgangslage dafür ist gut: Politikberater Thomas Hofer hält sogar ein zweistelliges Wahlergebnis für möglich: „Die Themenkonjunktur spielt den Grünen in die Hände – Stichwort Sommerhitze und Klimawandel. Außerdem gibt es viele potenzielle Rückkehrer, die das letzte Mal SPÖ gewählt haben.“ Auch die Politikwissenschafterin Kathrin Stainer-Hämmerle sieht die Grünen mit ihrem Kernthema Klimaschutz im Vorteil. „Sie pochen auch darauf, dass sie im Vergleich mit der Liste Jetzt die ältere, echte Marke sind“, so Stainer-Hämmerle.

Sigi Maurer ist sich der guten Ausgangslage bewusst. „Aber eine g’mahte Wiesn ist die Nationalratwahl trotzdem nicht“, zeigt sie sich im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung nur vorsichtig optimistisch. Für sie ist zuerst der kommende Samstag ein wichtiger Stichtag: Da findet die Landesversammlung der Wiener Grünen statt, bei der die Liste für die Nationalratswahl erstellt wird. Maurer strebt Platz eins an. Ihre thematischen Schwerpunkte: Bildung und Netzpolitik.

Die Stubaitalerin, die über die ÖH-Politik zu den Grünen gekommen war, saß schon einmal vier Jahre im Nationalrat. Als ihre Partei im Oktober 2017 aus dem Parlament flog, musste sie Kisten packen. „Das macht natürlich etwas mit einer, es verschiebt die Perspektiven“, erinnert sie sich. Maurer derrappelte sich schnell wieder. Die studierte Soziologin arbeitet und forscht derzeit am Institut für Höhere Studien. Obwohl nicht mehr im Parlament, war sie nie ganz weg von der politischen Bühne, 2018 wurde sie etwa für ihr Engagement gegen Hass im Netz zur Kommunikatorin des Jahres gewählt. „Man könnte sagen, ich habe jetzt zwei Jahre lang außerparlamentarische Opposition gemacht“, meint Maurer, die das sehr passend findet: „Die Grünen sind ja aus zivilgesellschaftlichem Engagement entstanden.“ Und dort müssten sie auch wieder hin, ist sie überzeugt: „Die alten Grünen, die aus dem Parlament geflogen sind, hatten sich davon schon sehr abgekoppelt.“

Das Motto für den Wahlkampf liegt für Maurer auf der Hand: Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit trommeln, beides Kernthemen der Partei. Mit Werner Kogler habe man dafür den perfekten, glaubwürdigen Spitzenkandidaten. Absolut abgeschlossen sieht sie hingegen die Ära Eva Glawischnig: „Das war die Zeit von viel PR und wenig Inhalt. Jetzt haben die Grünen eine neue, große Chance, denn die Zeichen stehen auf Aufbruch.“ Und da will Maurer ganz vorne wieder mit dabei sein.