Letztes Update am Fr, 14.06.2019 16:07

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


In eigener Sache

Eine Klarstellung zur Unabhängigkeit der Medien

Die Chefredakteurinnen und Chefredakteure der österreichischen Zeitungen und Magazine warnen nach der „Ibiza-Affäre“ um den ehemaligen Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache die Politik ganz generell vor Zu- und Übergriffen auf Medien.

Das so genannte "Ibiza-Video", wovon Ausschnitte am 17. Mai veröffentlicht wurden, brachte Johann Gudenus und Heinz-Christian Strache zu Fall.

© APA/Schneider/Spiegel/SZDas so genannte "Ibiza-Video", wovon Ausschnitte am 17. Mai veröffentlicht wurden, brachte Johann Gudenus und Heinz-Christian Strache zu Fall.



Innsbruck - Vor vier Wochen veröffentlichten „Der Spiegel“ und die „Süddeutsche Zeitung“ das sogenannte Ibiza-Video. Seither haben sich die Ereignisse überstürzt. Eine Übergangsregierung führt das Land und die Ursache für den Sturz der Regierung ist fast in Vergessenheit geraten. Die Suche nach den Urhebern, so wichtig sie ist, überdeckt die demokratiegefährdenden Aussagen, die das Video dokumentiert.

Leicht gerät in Vergessenheit, dass da der FPÖ-Chef unmissverständlich erläuterte, wie man ausländische Geldspenden an Kontrollorganen vorbei seiner Partei zukommen lassen könnte; vergessen scheinen seine Erklärungen, wie seine Partei dem Spender zu profitablen staatlichen Aufträgen verhelfen wollte; vergessen der Plan, eine große Zeitung mithilfe russischer Investoren in den Griff zu bekommen, auch, um unliebsame Journalistinnen und Journalisten zu entfernen.

Dass Politik vom direkten Zugriff auf Medien träumt, ist in Österreich keine besondere Eigenschaft einer einzigen Partei. Wer Macht hat oder will, sucht auch nach Wegen, die Kontrollore dieser Macht zu kontrollieren. Wohin das führt, können wir in Ungarn beobachten, einem Land, das der damalige FPÖ-Chef in dem Video ausdrücklich als Vorbild nennt.

Unabhängige Medien sind in einer liberalen Demokratie kein Instrument des Machterwerbs und Machterhalts einer Partei oder mächtiger Interessensgruppen, kein Instrument zur Manipulation der Leserinnen und Leser. Bei allen Mängeln, die man ihnen vorhalten kann, sind sie ein wichtiges Korrektiv der Politik. Wer, wenn nicht diese „vierte Macht“, könnte Missstände und Machtmissbrauch sichtbar machen?

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Wer die Grenze zwischen Journalismus und Politik missachtet, gefährdet die Grundlagen der Demokratie. Da diese Selbstverständlichkeit offenbar in Frage steht, ist es uns wichtig, in aller Klarheit daran zu erinnern.

Die Chefredakteurinnen und Chefredakteure

Johannes Bruckenberger (Chefredakteur APA), Florian Klenk (Chefredakteur Falter), Rudolf Mitlöhner (Chefredakteur Die Furche), Hubert Patterer (Chefredakteur Kleine Zeitung), Christoph Dichand (Chefredakteur Kronenzeitung), Klaus Herrmann (geschäftsführender Chefredakteur Kronenzeitung), Martina Salomon (Chefredakteurin Kurier), Kathrin Gulnerits (Chefredakteurin News), Walter Fahrnberger, Daniel Lohninger (Chefredakteure Niederösterreichische Nachrichten), Gerald Mandlbauer (Chefredakteur Oberösterreichische Nachrichten), Rainer Nowak (Chefredakteur Die Presse), Christian Rainer (Chefredakteur profil), Manfred Perterer (Chefredakteur Salzburger Nachrichten), Alois Vahrner, Mario Zenhäusern (Chefredakteure Tiroler Tageszeitung), Martin Kotynek (Chefredakteur Der Standard), Andreas Weber (Chefredakteur Trend), Christian Haubner (Chefredakteur Oberösterreichisches Volksblatt), Gerold Riedmann (Chefredakteur Vorarlberger Nachrichten), Walter Hämmerle (Chefredakteur Wiener Zeitung)




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