Letztes Update am Fr, 14.06.2019 18:50

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Neuwahlen

Philippa Strache kandidiert auf Wiener FPÖ-Liste für NR-Wahl

Die Ehefrau von Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache kandidiert bei der Nationalratswahl im Herbst. Bisher fiel sie politisch vor allem als Tierschützerin auf.

Ex-FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache und seine Ehefrau Philippa auf einem Archivbild von 2017.

© Ex-FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache und seine Ehefrau Philippa auf einem Archivbild von 2017.



Wien - Die Ehefrau des nach dem Ibiza-Skandal zurückgetretenen Ex-FPÖ-Chefs Heinz-Christian Strache, Philippa Strache, wird auf dem dritten Platz der Wiener FPÖ-Landesliste für die kommende Nationalratswahl kandidieren. Das teilte die Wiener Landespartei am Freitag nach einer Sitzung der Parteigremien mit.

Als Wiener Spitzenkandidatin geht wie erwartet FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch ins Rennen. Auf den zweiten Platz folgt Justizsprecher Harald Stefan. Hinter Philippa Strache folgen der Mandatar Markus Tschank, die Wiener Gemeinderätin Veronika Matiasek, Martin Graf und Hans-Jörg Jenewein.

"Liste einstimmig beschlossen"

Die Liste sei einstimmig beschlossen worden, versicherte der Wiener FPÖ-Obmann Dominik Nepp nach der Sitzung der Parteigremien, in denen Philippa Straches Kandidatur bei der Nationalratswahl besiegelt wurde. Sie selbst sei nicht anwesend gewesen, berichtete Nepp. Er habe jedoch mit ihr telefoniert.

"Sie freut sich, diese große Aufgabe anzunehmen", erzählte der Wiener FPÖ-Chef - der nach dem Ibiza-Skandal Obmann Strache nachgefolgt ist. Der Platz bedeute ein fixes Mandat: "Dieses Mandat wird sie sehr gut ausfüllen." Zuvor war kolportiert worden, dass die Neo-Kandidatin den zweiten Platz hinter Dagmar Belakowitsch einnehmen solle. Er kenne dies aber auch nur aus den Medien, beteuerte Nepp. Philippa Strache habe sich für den dritte Listenplatz entschieden.

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Tierschutz und Familie

Sie soll sich verstärkt den Themen Tierschutz und Familie widmen, sagte Nepp. Ihre Kandidatur und der Verzicht ihres Mannes sei keinesfalls als "Tauschhandel" zu bezeichnen. Einen solchen gebe es nicht. Für die Kandidatin habe einzig und allein ihre Qualifikation gesprochen.

Sie habe sich im Bereich Tierschutz bereits ein Netzwerk aufgebaut - und ja auch die Wiener Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) für das Listenhunde-Gesetz kritisiert, so Nepp.

HC Strache "immer Bestandteil" der Wiener Freiheitlichen Familie

Ob Heinz-Christian Strache sein EU-Mandatar annehme, wisse er nicht, beteuerte der Wiener Obmann. Auch eine mögliche Kandidatur Straches bei der Wien-Wahl sei kein Thema gewesen. Jedoch versicherte der blaue Obmann, dass Strache "immer Bestandteil" der Wiener Freiheitlichen Familie sei. Es wäre auch "politisch unvernünftig" auf seine Erfahrung zu verzichten.

Strache - er war zuletzt Vizekanzler - musste nach dem Bekanntwerden eines heimlich mitgeschnittenen Gesprächs in einer Finca in Ibiza den Hut nehmen. Er hatte (vor der Übernahe des Regierungsamts, Anm.) einer vermeintlichen Oligarchennichte vorgeschlagen, über Vereine der FPÖ Gelder zukommen zu lassen und eine Unterstützung bei der Vergabe öffentlicher Aufträge in Aussicht gestellt. Auch eine Privatisierung der Trinkwasserversorgung sowie die Übernahme der "Kronen Zeitung" wurde erörtert. (TT.com, APA)

Philippa Strache - die Second Lady

Nun sorgt also die Frau für das politische Haushaltseinkommen bei den Straches. Die Gemahlin des früheren Vizekanzlers profitiert indirekt von dessen Fall und kandidiert auf dem blauen Listenplatz drei in Wien für ein Mandat im Nationalrat.

Parlamentarische Erfahrung indirekter Art hat Philippa Strache. In den Nuller-Jahren heuerte die Wienerin im SPÖ-Parlamentsklub als Sekretärin an. Später machte sie PR für das Team Stronach, ehe sie zarte Bande zur FPÖ bzw. deren Chef Heinz-Christian Strache knüpfte.

Gute Kontakte hatte die ehemalige Gewinnerin eines Model-Wettbewerbs eines Frauenmagazins auch zu den Medien aufgebaut: Zunächst als Wetter-Präsentatorin, später als Moderatorin beim TV-Sender oe24.tv, wo sie etwa an der Seite von Fußball-Legende Toni Polster eine Game-Show präsentierte. Auch für den parteieigenen Sender FPÖ-TV war sie aktiv.

Der Weg dorthin führte über die Beziehung zu Strache. Die Liebe hielt das Paar alles andere als geheim. Gerne traten die Straches in gemeinsamen Interviews auf und gaben Privates kund - sogar, dass Ehemann Heinz-Christian im Bett der "Linke" ist - sprich auf der linken Seite schläft.

Der Glanz der Macht gefiel der Vizekanzler-Gemahlin ganz gut. Während die Lebensgefährtin von Kanzler Sebastian Kurz öffentliche Auftritte so gut wie möglich mied, war Philippa Strache meist an der Seite ihres Mannes zu sehen, wenn es über den roten Teppich ging - gesprächige Interviews inklusive.

Gekrönt wurde das private Glück der Straches am 1. Jänner, als die 31-Jährige den gemeinsamen Sohn Hendrik gebar. Nur wenige Monate später folgte der Tiefschlag des Ibiza-Videos, in dem der FPÖ-Chef nicht nur politisch Fragwürdiges von sich gab sondern auch davon schwärmte, wie attraktiv die später als Lockvogel enttarnte vermeintliche Oligarchen-Nichte sei.

Gerüchte, wonach Philippa danach die Trennung gesucht habe, wurden von ihr dementiert, dass sie die Sache getroffen habe, jedoch bestätigt. Nun scheint im Hause Strache der Haussegen wieder gerade zu hängen, kann doch nach dem Gatten die Gattin ihr politisches Talent beweisen.

Für die FPÖ könnte daraus sogar noch eine Win-Win-Situation entstehen. Denn im Gegenzug wird Heinz-Christian Strache wohl sein EU-Mandat nicht annehmen und seine Frau könnte in einer bestimmten Zielgruppe punkten. Philippa Strache, bekannte Tierliebhaberin und seit einiger Zeit Tierschutzbeauftragte der Freiheitlichen Partei, hat sich nämlich in der entsprechenden Community einen Namen gemacht - zuletzt vor allem, als sie in einen rhetorischen Infight mit der Wiener Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) wegen des Kampfhundeverbots geriet, für das Frau Strache, Besitzerin von Hund Linda, keinerlei Verständnis hat.

Ansonsten wird man wohl noch einiges in den kommenden Monaten über die medienaffine Kandidatin erfahren. Was man bisher schon weiß: Sie reitet gerne und sie kocht laut Ehemann "exzellent".