Letztes Update am Mi, 26.06.2019 11:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innenpolitik

Strache-Anschlagspläne: Verdächtiger kündigt Verleumdungsanzeige an

Der Verteidiger des Mannes bezeichnete die belastenden Angaben eines V-Manns der Wiener Polizei als „Retourkutsche“ an seinem Mandanten. Die kennen sich demnach aus der Drogenszene. Strache selbst dürfte im April von Ermittlungsverfahren erfahren haben.

Ex-Vizekanzler und -FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache.

© APAEx-Vizekanzler und -FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache.



Wien – Als „völligen Schwachsinn“ hat am Donnerstag der Rechtsvertreter des Mannes, der einen Mordanschlag gegen den früheren FPÖ-Obmann und Vizekanzler Heinz-Christian Strache geplant haben soll, die gegen seinen Mandanten gerichteten Vorwürfe bezeichnet. Verteidiger Wolfgang Blaschitz kündigte eine Verleumdungsanzeige gegen den Belastungszeugen – eine Vertrauensperson der Polizei – an.

Anwalt vermutet Retourkutsche

Wie Blaschitz im Gespräch mit der APA erläuterte, kennen sich der V-Mann des Wiener Landesamts für Verfassungsschutz (LVT) und der Verdächtige seit längerem „aus dem Suchtgiftmilieu“. Beide seien „im kleinkriminellen Bereich“ tätig gewesen, sagte Blaschitz. Dass sein Mandant im Vorjahr dem damaligen FPÖ-Chef nach dem Leben getrachtet habe – der V-Mann behauptet, sein Bekannter habe ihn im September dazu bringen wollen, in Tötungsabsicht eine Autobombe am Pkw Straches anzubringen und ihm dafür 100.000 Euro geboten –, dementierte der Anwalt mit Nachdruck: „Da ist nichts dran.“

Bei den Behauptungen des Belastungszeugen – laut Blaschitz soll dieser unter anderem wegen Verleumdung vorbestraft sein – handle es sich „um eine Retourkutsche“. Der Mann habe seinen Mandanten, der früher eine Bar betrieben habe, wiederholt um Geld gebeten und keines bekommen.

Strache selbst dürfte Anfang April von dem Ermittlungsverfahren rund um seine Person erfahren haben. Öffentlich gemacht hatte dieses der Kurier am Dienstagnachmittag in seiner Online-Ausgabe. Die Staatsanwaltschaft Wien bestätigte der APA, dass wegen versuchter Bestimmung zum Mord ermittelt wird, wies jedoch darauf hin, die Verdachtslage habe sich „derzeit nicht erhärtet“, so Behördensprecherin Nina Bussek.

U-Haft-Antrag bisher kein Thema

Der Verdächtige hatte bis 29. Mai 2019 in der Justizanstalt Hirtenberg eine achtmonatige Freiheitsstrafe für ein Suchtgiftdelikt und illegalen Waffenbesitz verbüßt. Seither befindet er sich auf freiem Fuß. Trotz des offenen Verfahrens wegen des angeblich geplanten Mordanschlags auf Strache war für die Strafverfolgungsbehörden ein U-Haft-Antrag mangels dringenden Tatverdachts bisher kein Thema.

Das Ermittlungsverfahren ist aufgrund der Prominenz des angeblichen Opfers berichtspflichtig. Wie der Sprecher der Oberstaatsanwaltschaft Wien, Michael Klackl, auf APA-Anfrage erklärte, liegt der Vorhabensbericht der Staatsanwaltschaft noch nicht vor. Verteidiger Blaschitz zeigte sich zuversichtlich, dass es zu keiner Anklage kommen und das Verfahren eingestellt wird. (APA)