Letztes Update am Di, 09.07.2019 17:37

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innenpolitik

„Familienfest“ der ÖVP-Regierung kostete 70.000 Euro mehr

Nicht 231.000 sondern mehr als 300.000 Euro hat ein von ÖVP-Regierungsseite veranstaltetes Fest gekostet. Das berichtete Frauenministerin Ines Stilling dem Parlament.

Sebastian Kurz noch in seiner Funktion als Kanzler bei dem Fest "Familienzeit. Gartenzeit" am 1. Mai.

© APASebastian Kurz noch in seiner Funktion als Kanzler bei dem Fest "Familienzeit. Gartenzeit" am 1. Mai.



Wien – Das von der einstigen ÖVP-Regierungsseite initiierte „Familienfest“ am 1. Mai in Schönbrunn hat mehr gekostet als ursprünglich angegeben. Wie die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage durch Frauenministerin Ines Stilling ergab, wurden nicht 231.000 Euro ausgegeben, sondern um 70.000 Euro mehr, berichtete die Gratis-Zeitung Heute am Dienstag. Die zusätzlichen Kosten trug das Kanzleramt.

Das Nachhaltigkeitsministerium, die dem Ministerium unterstellten Bundesgärten und das im Bundeskanzleramt ressortierende Familienministerium hatten am 1. Mai 2019 zu einem Familienfest im Schlosspark Schönbrunn geladen. In einer ersten Anfragebeantwortung an die NEOS gab das einstige Nachhaltigkeitsministerium unter Elisabeth Köstinger (ÖVP) an, selbst 47.000 Euro gezahlt zu haben, den Großteil übernahmen die Österreichischen Bundesgärten mit 184.000 Euro.

Mehr als 300.000 Euro an Kosten

Dieser Rechnung widersprach nun Stilling, die derzeit Ministerin für Frauen, Familien und Jugend ist. „Das Bundeskanzleramt, Sektion Familien und Jugend, übernahm Kosten in der Höhe von bis zu 70.000 Euro“, schreibt sie in ihrer Anfragebeantwortung an die NEOS. Insgesamt kostete das „Familienfest“ also rund 301.000 Euro. Diese Ausgaben betrafen laut der Ressortchefin die Umsetzung des Familienprogrammes und des Bühnenprogrammes.

Ministerium verteidigt Angaben

Das Nachhaltigkeitsministerium sieht keine mangelhaften Angaben seinerseits betreffend der Kosten für das „Familienfest“ am 1. Mai in Schönbrunn. In der eigenen Anfragebeantwortung seien jene Kosten angegeben, die im Wirkungsbereich des Ressorts angefallen sind, hieß es am Dienstag. Die zusätzlichen 70.000 Euro, welche das Familienministerin beisteuerte, seien davon also nicht betroffen.

Anlass für die Veranstaltung sei das Jubiläumsjahr der Bundesgärten gewesen. Von allen drei Stellen – also den Bundesgärten selbst, dem Nachhaltigkeitsministerium und dem Frauenministerium – seien die jeweiligen Kosten-Punkte individuell abgerechnet worden. In den parlamentarischen Anfragen seien also korrekt jene Summen angegeben worden, die von der jeweiligen Stelle mit Stichtag abgerechnet waren.

Bogner-Strauß: Ministerin verbreitet Unwahrheit

Die ehemalige ÖVP-Familienministerin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) warf ihrer Nachfolgerin in der Übergangsregierung, Ines Stilling, am Dienstag per Aussendung vor, in einer Anfragebeantwortung wissentlich die Unwahrheit zu verbreiten, das Parlament falsch zu informieren und „übelste Parteipolitik“ zu betreiben.

Bogner-Strauß ging es dabei um den Umstand, dass Stillings Kabinett – inklusive eines dort tätigen ehemaligen SPÖ-Mitarbeiters – darüber informiert gewesen sein soll, dass alle Regierungsmitglieder, auch jene der FPÖ, zu dem von der einstigen ÖVP-Regierungsseite initiierten „Familienfest“ am 1. Mai in Schönbrunn geladen waren. Auf den erst am Dienstag bekannt gewordenen Umstand, dass das Ministerium unter Bogner-Strauß damals 70.000 Euro zu dem Fest beitrug und es insgesamt rund 301.000 Euro kostete, ging sie nicht ein. (APA)


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