Letztes Update am Do, 25.07.2019 06:17

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Buchpräsentation

Brandstätter kandidiert für NEOS: Wahlkämpfer statt Journalist

Lange Zeit war Helmut Brandstätter Journalist. Nun wechselt er die Seiten. Er tritt für die NEOS bei der Nationalratswahl an.

Der Journalist Wolfgang Brandstätter wird dem konservativen Lager zugerechnet.

© APADer Journalist Wolfgang Brandstätter wird dem konservativen Lager zugerechnet.



Wien – Heute Vormittag präsentiert NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger einen neuen Mitstreiter. Der Journalist Helmut Brandstätter kandidiert für die Pinken bei der Nationalratswahl – via „Wild Card“, die sie an einen Polit-Quereinsteiger vergeben. Vor der Wahl 2017 ist eine solche an Irmgard Griss ergangen; sie tritt nicht mehr an.

Gestern Abend legte sich der erweiterte Parteivorstand auf Brandstätter fest. Vergeben ist das Ticket an ihn – er soll an wählbarer Stelle auf der Bundesliste stehen – damit noch nicht. Die Mitgliederversammlung, die am Samstag in Salzburg tagt, muss es gutheißen. Es wird geheim gewählt, eine absolute Mehrheit ist nötig. Die dürfte es geben.

In den vergangenen Tagen hatte alles darauf hingedeutet, dass Brandstätter in die Politik geht. Am Dienstag ließ er wissen, dass er von der Kurier-Herausgeberschaft lässt; sein Vertrag hätte noch ein Jahr gegolten. Tags davor war bekannt geworden, dass er keine Artikel mehr schreiben soll, bis entschieden ist, ob er die Seite wechselt. Gestern kam von ihm, gefragt, ob er für die NEOS wahlkämpfen wird, kein Nein. Er habe sich mit Vertretern der Partei mehrmals getroffen: „Ich habe aber noch keine Karte nach Salzburg gekauft.“

Lange Zeit war der nun 64-Jährige medial zugange. Er startete in der Auslandsredaktion des ORF, berichtete aus Bonn und Brüssel, verantwortete und moderierte den „Report“. Brandstätter war Geschäftsführer des Nachrichtensenders n-tv, dann jener von Puls TV. Bevor er zum Kurier ging, dort Chefredakteur war, werkte er als Berater. In den vergangenen Wochen hat Brandstätter ein Buch geschrieben; gestern hat er es präsentiert. Eine harsche Kritik an den bis zum vergangenen Mai Regierenden ist es geworden. Der Titel: „Kurz & Kickl – ihr Spiel mit Macht und Angst“.

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Brandstätters Befund: Die FPÖ habe Österreich in einen autoritären Staat nach ungarischem Muster umbauen wollen. Die ÖVP habe mitgespielt – aus Machtkalkül und mangels eigener gesellschaftspolitischer Überzeugungen. Auch die Medienpolitik des Ex-Kanzlers thematisiert Brandstätter; er zeiht Sebastian Kurz, die Berichterstattung durch „brutalen Druck und penetrante Interventionen“ auf Linie bringen zu wollen. Die Conclusio: „Es wäre schlecht für das Land, wenn diese Regierung fortgesetzt würde.“ All das habe er als Journalist angemerkt, sagt Brandstätter: „Nicht als jemand, der sich für etwas bewirbt.“ Bei den NEOS kommen seine Ansichten gut an. Generalsekretär Nikola Donig sagt der TT kürzlich, Brandstätter habe „politische Missstände im Land treffsicher beschrieben. Er tritt für Demokratie und Medienfreiheit ein. Das tun wir auch.“ (kale)


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