Letztes Update am So, 28.07.2019 13:06

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wahlkampf

Erst Drogen, jetzt Pornografie: Kurz wehrt sich gegen neue Vorwürfe

Erst vor wenigen Tagen wurde der Altkanzler von dem Recherche-Institut „Zoom“ mit Drogen in Verbindung gebracht. Nun tauchte eine andere Seite auf – mit noch heftigeren Gerüchten. Kurz meldet sich auf Facebook selbst zu Wort.

Alt-Bundeskanzler Sebastian Kurz.

© OÖN/Johannes ZinnerAlt-Bundeskanzler Sebastian Kurz.



Wien — Der Nationalratswahlkampf hat jetzt schon einen absoluten Tiefpunkt erreicht. Im Internet ist eine neue Seite mit Vorwürfen gegen ÖVP-Obmann Sebastian Kurz aufgetaucht. Darin wird der Alt-Bundeskanzler bezichtigt, in den 1990er-Jahren als Kinderpornodarsteller tätig gewesen zu sein, teilte die ÖVP am Samstag mit.

Dieser Wahlkampf „verkommt immer mehr zur schmutzigsten Schlacht, die es jemals gegeben hat. Und alles nur mit einem Ziel, nämlich Sebastian Kurz nachhaltig zu beschädigen", zeigte sich ÖVP-Generalsekretär Karl Nehammer in einer Aussendung fassungslos. Erst vor wenigen Tagen war Kurz von dem in der Schweiz registrierten Recherche-Institut „Zoom", an dem der IT-Unternehmer Florian Schweitzer seine Mitarbeit bestätigte, mit Drogengerüchten in Verbindung gebracht worden. Nun gehe es „noch eine Stufe tiefer", so Nehammer.

Auf der Internetseite gebirgsterror.space, werde Kurz der Teilnahme als Kinderpornodarsteller in den 1990er-Jahren bezichtigt. Dem aber nicht genug, kursiere auch noch ein Mail, das Kurz Beziehungen zu minderjährigen syrischen oder afghanischen Strichern unterstelle, berichtete Nehammer.

Urherber besteht auf Authentizität, ÖVP empört

Im Impressum der Internetseite ist ein „V.i.S.d.P. Arbeitskreis NSU" angeführt. Als Kontakt ist ein Dr. Siegfried Mayr angegeben sowie eine Adresse in Weida im deutschen Bundesland Thüringen. Auf Anfrage der APA erklärte Mayr telefonisch Samstagmittag, dass die Internetseite authentisch sei und die Vorwürfe gegen Kurz durch Zeugen belegt seien, wie das auch auf der Seite behauptet wird.

Nehammer: „Was hier gerade an Anschüttungen, Vorwürfen, Gerüchten, Verleumdungen und Beleidigungen abgeht, ist eine systematische Schmuddel- und Dreckskampagne gegen Sebastian Kurz.". Mit Dirty Campaigning wolle man Kurz dauerhaft beschädigen. Der ÖVP-Generalsekretär kündigte rechtliche Schritte gegen die teils unbekannten Akteure an und hat nach eigenen Angaben das „Fake-Mail" bereits zu datenforensischen Untersuchungen weitergeleitet, um die Urheber herauszufinden. Nehammer appellierte an alle, „einen fairen und sauberen Wahlkampf zu führen und endlich wieder in eine inhaltliche Debatte einzutreten".

Mit ähnlichen Worten meldete sich am Sonntag Kurz selbst auf Facebook zu Wort. „Die letzten Tage haben das Ausmaß an Grauslichkeit deutlich gemacht, das dieser Wahlkampf mit sich bringen wird", schreibt Kurz in den „persönlichen Zeilen". Er glaubt, dass man damit seine Politik verhindern will.

Kurz: Veränderung soll „mit allen Mitteln" bekämpft werden

Der Wahlkampf 2017 sei offenbar nur ein Vorgeschmack gewesen. „Von links und von rechts hagelt es fast täglich neue Untergriffe, Diffamierungen und Dreck aus der allertiefsten Schublade." Kurz verweist auf gefälschte E-Mails, u.a. vom Tiroler SPÖ-Chef Georg Dornauer, und setzt dann fort: „Dem nicht genug werden auch Gerüchte über Kinderpornografie, Drogenmissbrauch oder Korruption gestreut. Frei nach dem Motto: ?Irgendwas wird schon hängen bleiben', wird nichts unversucht gelassen, uns und damit unseren Weg für dieses Land aufzuhalten."

Kurz mutmaßt, dass es darum gehe, „die Veränderung, für die wir stehen, mit allen Mitteln zu bekämpfen. Und damit auch all jene, die diesen Weg der Veränderung unterstützen." Der ÖVP-Obmann stellt die Frage: „Ist es diese Politik, die wir haben wollen? Wo Politiker auf tiefster Ebene in den Dreck gezogen werden? Wo Hass und Missmut stärker sind, als politischer Gestaltungswille? Wo manche bereit sind, zu allen Mitteln zu greifen?" Das sei jedenfalls nicht sein Verständnis von Politik. (APA)