Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 20.08.2019


Ibiza-Video

Neues Buch zur Ibiza-Affäre: Straches „Tanz im Zigarettendunst“

In einem neuen Buch geben die Aufdecker Einblick in die Ibiza-Affäre und nennen auch neue Details aus dem Video. In Kurzfassung: Die Russin drängte. Und der Ex-FPÖ-Chef machte mit.

Eine Szene aus dem Ibiza-Video. Johann Gudenus (stehend) und Heinz-Christian Strache.

© SPIEGEL/SÜDDEUTSCHE ZEITUNGEine Szene aus dem Ibiza-Video. Johann Gudenus (stehend) und Heinz-Christian Strache.



Wien — Was hat Heinz-Christian Strache in jener feuchtfröhlichen Nacht im Juli 2017 in Ibiza sonst noch gesprochen? Sind Aussagen über Korruption, Krone und Deals mit dem Wasser nur aus dem Zusammenhang gerissen, wie der frühere FPÖ-Chef glauben machen möchte? Und wer steckt hinter dem Video?

Die Journalisten Frederik Obermaier und Bastian Obermayer, die für die Süddeutsche Zeitung das Video jener Nacht aufgearbeitet haben, klären in einem neuen Buch manches auf. Freilich: Immer wieder ist es der Schutz ihrer Quellen, der den Autoren Antworten verbietet. Aus diesem Grund rücken sie auch das gesamte Video nicht heraus, nicht an Behörden, nicht an Anwälte, nicht an Strache.

Dieser Schutz gilt auch für die angebliche Oligarchen-Nichte, die sie nach Hunderten Kilometern Autofahrt an einem nicht genannten Ort getroffen haben. Nur so viel verraten die Autoren: Der Lockvogel sagt, sie habe gewusst, worauf sie sich einlässt. Die Lettin sei weder erpresst worden noch habe sie Geld genommen. Und sie sei erstaunt gewesen, wie leichtfertig Strache und sein Kompagnon Johann „Joschi" Gudenus ihr Dinge anvertraut hätten.

Den Abend selbst beschreiben die Journalisten als „Tanz im Zigarettendunst": Immer wieder habe die Russin auf konkrete Zusagen für Korruption gedrängt. Immer wieder habe Strache betont, er sei sauber und lehne illegale Aktionen ab: „Es scheint ein Kampf in ihm zu toben, Engelchen links, Teufelchen rechts, und so geht es hin und her." Am Ende zähle aber, dass Strache sitzen geblieben sei und das Gespräch nicht beendet habe. Auch einen möglichen „Überpreis" bei öffentlichen Aufträgen habe er eingeräumt. Und vor allem auf die Übernahme der Krone sei der damalige FPÖ-Chef selbst immer wieder zu sprechen gekommen.

Obermaier und Obermayer bieten keine neuen Enthüllungen. Im Gegenteil, sie zerstreuen einige pikante Gerüchte: Strache ist nicht beim Koksen zu sehen, es gibt keinen Sex und Gudenus' Frau habe die Villa entgegen anders lautenden Gerüchten nicht vorzeitig mit dem Taxi verlassen.

Die Journalisten erzählen aber gut lesbar nach, was an jenem Abend geschah. Vor allem aber gewähren sie einen aufschlussreichen Blick hinter die Kulissen der monatelangen Recherche bis zur Veröffentlichung durch SZ, Spiegel und Falter am 17. Mai.

Hinweise auf ihre Quellen verbieten sie sich. Umso einprägsamer ist ihre Darstellung des Ringens, wie sie mit dem brisanten Material umgehen sollen. Klar ist, dass Strache in eine Falle lief und die Aufzeichnung heimlich geschah. Darf die Story dennoch geschrieben werden? Sie ließen das öffentliche Interesse überwiegen. Was danach geschah, ist Zeitgeschichte. (sabl)

Die Ibiza-Affäre. Innenansichten eines Skandals. Von Frederik Obermaier und Bastian Obermayer, Kiepenheuer & Witsch, 272 Seiten, 16,50 Euro.

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Die Ibiza-Affäre. Innenansichten eines Skandals. Von Frederik Obermaier und Bastian Obermayer, Kiepenheuer & Witsch, 272 Seiten, 16,50 Euro.
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