Letztes Update am Di, 20.08.2019 12:08

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


1951 - 2019

Im Alter von 67 Jahren verstorben: Trauer um Ex-Minister Hundstorfer

Noch vor drei Jahren trat er als Kandidat der SPÖ im Bundespräsidentschaftswahlkampf an. Nun starb der ehemalige Spitzenpolitiker Rudolf Hundstorfer im Alter von erst 67 Jahren.

Rudolf Hundstorfer.

© TT/Thomas BöhmRudolf Hundstorfer.



Wien – Der ehemalige Spitzenpolitiker Rudolf Hundstorfer ist tot. Das wurde der TT aus der Wiener SPÖ bestätigt. Hundstorfer verstarb am Dienstagmorgen in Kroatien, wie der ÖGB mitteilte.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Der Ex-Sozialminister und Präsidentschaftskandidat erlag angeblich einem Herzinfarkt. Die SPÖ konnte das noch nicht bestätigen. Der 67-Jährige urlaubte offenbar auf der kroatischen Insel Brac. Die SPÖ trauerte am Dienstag um einen langjährigen Vertrauten.

„Mit Rudolf Hundstorfer verlieren wir einen großen Sozialdemokraten und wahren Menschenfreund, der unschätzbar Wichtiges zur Verbesserung des Lebens der Menschen geleistet hat“, sagten Parteichefin Pamela Rendi-Wagner und Geschäftsführer Thomas Drozda. „Als Sozialminister hat Rudolf Hundstorfer viel beachtete Meilensteine durchgesetzt, von denen die Menschen bis heute profitieren“, sagte Rendi-Wagner und verwies auf die Einführung des Pflegefonds, des Pensionskontos und neue Leistungen wie etwa die Pflegeteilzeit und Pflegekarenz.

„Hundstorfer hinterlässt als langjähriger Gewerkschafter und Sozialminister ein politisches Erbe, auf das die Sozialdemokratie zurecht stolz sein kann“, schrieb die Wiener SPÖ in einer Aussendung. Auch der ÖGB drückte Trauer über den „völlig unerwarteten“ Todesfall aus.

Bundespräsident Van der Bellen „tief betroffen“

„Ich bin tief betroffen vom plötzlichen Tod von Rudolf Hundstorfer, mit dem ich jeden Austausch sehr geschätzt habe, auch während unserer gemeinsamen Kandidatur zur Präsidentschaft“, schrieb Bundespräsident Alexander Van der Bellen. „Hundstorfer war ein umgänglicher und heiterer Mensch, der mit allen reden konnte, mit Arbeiterinnen und Arbeitern genauso wie mit Spitzenpolitikerinnen und -politikern.“ Mit Hundstorfer verliere das Land „einen warmherzigen Menschen und einen bedeutenden Gewerkschafter und Politiker.“

Auch der ehemalige Mitbewerber um die Präsidentschaft Andreas Khol (ÖVP) zeigte sich bestürzt und trauernd. Er habe Hundstorfer „vor wenigen Wochen noch als Mann in der Blüte seiner Jahre getroffen, voll Schaffenskraft und Begeisterung für die ihm übertragenen, wichtigen Aufgaben.“ Es sei Hundstorfer zu verdanken, dass „unser Pensionssystem auf guten Füßen steht, und es zu keinem Pflegenotstand gekommen ist“.

„Er hat über Jahrzehnte auf Landes- und Bundesebene in verschiedenen öffentlichen Funktionen den Ausgleich ins Zentrum seiner Tätigkeit gestellt und im Sinne der Sozialpartnerschaft das Miteinander gestärkt“, teilte Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein mit. Sie würdigte „sein jahrzehntelanges Engagement im Dienste unserer Republik.“

„Österreich verliert mit Rudolf Hundstorfer nicht nur einen der profiliertesten Sozialpolitiker der zweiten Republik, sondern vor allem einen engagierten Vertreter der sozial Schwächeren in unserer Gesellschaft,“ zeigte sich auch Sozialministerin Brigitte Zarfl betroffen. Sie verwies auf tiefgreifende Reformen unter Hundstorfer im Pensionswesen sowie im Bereich der Jugendbeschäftigung.

Letzter öffentlicher Auftritt erst vor einer Woche

Hundstorfer war bis zuletzt als Funktionär aktiv. Erst am Dienstag vergangener Woche absolvierte er seinen letzten öffentlichen Auftritt: In seiner Funktion als Präsident der Volkshilfe Wien eröffnete er eine neue Sozialeinrichtung für obdach- und wohnungslose Menschen in Wien-Donaustadt.

Ebenfalls bis zu seinem Tod tätig war der in dritter Ehe verheiratete Vater einer Tochter als Präsident der Österreichischen Bundes-Sportorganisation (BSO).

Beileidsbekundungen kamen am Dienstag auch von politischen Gegnern. Der designierte FPÖ-Chef Norbert Hofer und Klubobmann Herbert Kickl teilten mit, sie hätten Hundstorfer „bei allen politischen Gegensätzen menschlich und fachlich sehr geschätzt“. „Über die Parteigrenzen hinweg hat uns das Ziel geeint, Österreich als lebenswerten Sozialstaat zu erhalten“, schrieben Hofer und Kickl in einer gemeinsamen Aussendung.

„Über die Parteigrenzen hinaus“ anerkannt

ÖVP-Chef Sebastian Kurz schrieb, Österreich verliere mit Hundstorfer „einen Menschen, der sein politisches Leben stets in den Dienst der Republik gestellt hat.“ Hundstorfer habe „die österreichische Politik viele Jahre mitgeprägt und sich dabei auch über die Parteigrenzen hinaus Respekt und Anerkennung verschafft“, so Kurz. Ähnlich Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP): Hundstorfer sei es immer wieder gelungen, Brücken zu bauen. „Sein Wort wurde gehört und seine Meinung wurde geschätzt“, so Mikl-Leitner.

„Rudolf Hundstorfer war in all seinen politischen Funktionen stets ein Politiker mit Handschlagsqualität und offen für den konstruktiven Dialog, auch wenn die Zugänge manchmal unterschiedliche waren“, betonte auch Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP).

Die Grünen zeigten sich betroffen vom Ableben eines „sympathischen Politikers“ und „engagierten Sozialministers“. Wiens Vizebürgermeisterin Birgit Hebein (Grüne) sprach von einem „Bündnispartner, wenn es um die Unterstützung der Ärmsten unserer Gesellschaft ging“. Liste JETZT Sozialsprecherin und Ex-SPÖ-Rebellin Daniela Holzinger-Vogtenhuber zollte Hundstorfer Respekt als „Sozialdemokrat der alten Schule. Nicht immer einfach aber gerade heraus und um die Menschen dieses Landes ehrlich bemüht.“

ÖGB: Hundstorfer führte Gewerkschaft aus der Krise

„Rudi Hundstorfer hat den ÖGB im Jahr 2006, in einer wirklichen schwierigen Zeit, als Präsident übernommen und damit große Verantwortung bewiesen. Seinem Engagement und seinen Entscheidungen ist es zu verdanken, dass der ÖGB eine Krise bewältigt hat und verlässlicher Partner für die ArbeitnehmerInnen geblieben ist“, wird ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian zitiert. Die Gewerkschaft younion sprach von einer „Lücke, die kaum zu schließen sein wird“.

AK-Präsidentin Renate Anderl schrieb, Hundstorfer habe „überall Spuren hinterlassen, die von seiner Hingabe für eine gerechte Arbeitswelt zeugen.“ Hundstorfer habe als Gewerkschafter und Politiker „stets mit großer Leidenschaft für die Interessen der ArbeitnehmerInnen gearbeitet“.

Wiener SPÖ: Hundstorfer setzte sich für Arbeitnehmer ein

Der SPÖ-Rathausklub teilte mit, Hundstorfer „war ein Gewerkschafter mit großem Herzen, der sich Zeit seines Lebens für die Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Österreich einsetzte.“

„Auch in schwierigen Situationen hat er immer eine Lösung und das Verbindende gesucht und sehr oft gefunden. Rudi Hundstorfer hat sich Zeit seines Lebens für die Menschen stark gemacht, die nicht auf die Butterseite gefallen sind; als Gewerkschafter, als Minister und bis zuletzt als Präsident der Volkshilfe Wien. Ein großartiger Mensch ist von uns gegangen“, so Wiens Sozial- und Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ). (TT.com)