Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 21.08.2019


Innenpolitik

ÖVP legte Spenden offen: Heidi Horten machte 931.000 Euro locker

„Kaufhof-Erbin“ Heidi Goëss-Horten hat die ÖVP unter Sebastian Kurz 2018 und 2019 mit knapp einer Million Euro bedacht.

© APA/GERT EGGENBERGER„Kaufhof-Erbin“ Heidi Goëss-Horten hat die ÖVP unter Sebastian Kurz 2018 und 2019 mit knapp einer Million Euro bedacht.



Die ÖVP hat gestern die Spenden an die Bundespartei aus 2018 und dem ersten Halbjahr 2019 veröffentlicht. Insgesamt flossen in diesem Zeitraum 2,76 Millionen Euro an die frühere Kanzlerpartei. Die größte Einzelspenderin war Milliardärin Heidi Goëss-Horten, die die Volkspartei mit insgesamt 931.000 Euro bedachte (Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache prahlte auf Ibiza mit seinem Bekanntsein zur „Kaufhaus-Erbin"). Goëss-Horten spendete im vergangenen Jahr 588.000 Euro und lag damit vor dem Tiroler Bauinvestor Klaus Ortner, dessen Spende sich 2018 auf 430.000 Euro belief. Auf dem dritten Platz findet sich in diesem Jahr der Unternehmer und ehemalige Präsident der Industriellenvereinigung Peter Mitterbauer mit 166.000 Euro.

Der Standard mutmaßt, dass die ÖVP mit der Liste in die Öffentlichkeit ging, weil zuvor die Spendenliste der Zeitung anonym zugespielt worden war. Die ÖVP widerspricht dieser Interpretation. „Nachdem die SPÖ vor knapp zehn Tagen ihre Liste veröffentlicht hatte, mehrten sich Anfragen bei uns. Nachdem der Transparenz-Senat kürzlich in einem Schreiben bestätigt hat, dass alle Spenden gesetzeskonform an die Partei geflossen sind und die Vorgangsweise der Stückelung gesetzeskonform war, haben wir uns zur Veröffentlichung entschieden", heißt es aus der ÖVP-Zentrale.

Die Grünen sehen das anders: Sie orten einen „neuerlichen Spendenskandal". Die ÖVP habe einen „beträchtlichen Teil" der fast drei Millionen „mittels Stückelung an Rechnungshof und Öffentlichkeit vorbeigeschmuggelt", so Grünen-Wahlkampfleiter Thimo Fiesel. Sebastian Kurz „hat den Anspruch auf das Kanzleramt verspielt, nachdem er neuerlich dabei erwischt wurde, wie er versucht, Großspenden zu vertuschen", kritisierte Fiesel. (misp)


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