Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 22.08.2019


FPÖ

Aufsicht für Facbeook-Seite: FPÖ nimmt Strache an die Kandare

Die Partei hat ihrem Ex-Obmann die Kontrolle über die „HC“-Seite entzogen. Dieser sagt aber, dass es nach wie vor seine Seite sei.

Diese Parteifreunde sind auf Distanz gegangen. Jüngst qualifizierte Hofer Straches Verbalattacken gegen die ÖVP als Privatmeinung.

© APADiese Parteifreunde sind auf Distanz gegangen. Jüngst qualifizierte Hofer Straches Verbalattacken gegen die ÖVP als Privatmeinung.



Von Karin Leitner und Michael Sprenger

Wien — „Die HC-Strache-Seite war immer meine Facebookseite. Die Rechte bzw. Administration unterliegt natürlich mir persönlich bzw. den von mir zusätzlich eingesetzten Administratoren." Das hat Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache im Juni gesagt. Diese Rechte sind perdu. Will der wegen der Ibiza-Affäre politisch gefallene Strache etwas posten, muss das von der FPÖ gutgeheißen werden.

In der Partei, deren Proponenten schon in den vergangenen Tagen auf Distanz zu Strache gegangen sind, wird das — auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung — als „gewöhnlicher Vorgang" qualifiziert. In deren Social-Media-Abteilung heißt es: „Die Administratorenrechte der großen FPÖ-Seiten, wie etwa jene von Norbert Hofer oder Herbert Kickl, liegen ebenfalls bei der Partei, weil diese auch sämtliche Werbeausgaben dafür trägt." Während Wahlkämpfen werde die Redaktion ebenfalls zentral koordiniert, „um sicherzustellen, dass die Einträge inhaltlich und zeitlich optimal abgestimmt werden". Jeder könne aber „über seine private Profilseite mit seiner Fan-Community in direktem Kontakt stehen — und persönliche Akzente setzen".

Wie sieht Strache die Sache? Ist er darüber informiert worden, dass er nicht mehr Herr über die HC-Seite mit 800.000 Followern ist?

Er wertet seine offizielle Facebook-Seite nach wie vor als die seine. Auf seinem privaten Facebook-Account — „Heinz-Christian Strache" — bestreitet er, dass ihm die HC-Strache-Seite „weggenommen" worden sei, respektive dass er „die Kontrolle über selbige verloren" habe. „Für jedermann erkennbar trägt die Facebook-Seite meinen Namen, mein Foto und meine Inhalte." Und: „Schon aus Gründen des allgemeinen Persönlichkeitsrechts und Urheberrechts ist das meine Seite." Eine Warnung an Norbert Hofer & Co.? Bemerkenswert angesichts dessen ist, dass er im nächsten Satz bestätigt, dass die FPÖ jetzt die Hoheit über die Seite hat. „Da insbesondere im Wahlkampf eine abgestimmte und koordinierte Kommunikation wichtig ist, habe ich mich in gegenseitigem Einvernehmen mit der Partei darüber verständigt, dass bis zu den Neuwahlen alle Inhalte, die über die Facebook-Seite verbreitet werden, akkordiert werden — und die Partei als Administrator die Verbreitung steuert, während ich im Status eines Redakteurs agiere." All das sagt — wortident — auch Straches Medienanwalt, der in Berlin ansässige Ben Irle, der Tiroler Tageszeitung.

Ein Blauer sagt etwas, das weder Strache noch Hofer behagen wird. Andreas Mölzer, einst Ideologe der Partei, zeiht die FPÖ via Kleine Zeitung der Doppelmoral und des Dilettantismus — in Sachen Postenbesetzungen. Er befindet: „Die schwarz-roten Proporzprofis, die das mit großer Selbstverständlichkeit und ohne jedes Unrechtsbewusstsein tun, gehen da wesentlich routinierter vor. Bei den Freiheitlichen versteht man es teilweise nicht einmal, die primitivsten Compliance-Regeln einzuhalten."

Mölzer sei „Urgestein und Vordenker" der Partei; dessen Wort habe „hohes Gewicht", repliziert Hofer. Er werde im Herbst „jene organisatorischen und personellen Weichenstellungen vornehmen, damit die FPÖ in eine positive Zukunft geführt wird. Ich werde dazu keine Kompromisse eingehen."


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