Letztes Update am Do, 22.08.2019 06:45

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wahl 2019

Bei den Parteien nachgefragt: Wie erreichen wir die beste Bildung?

Es ist unbestritten, dass ein Land wie Österreich bestmögliche Bildung und Ausbildung bieten muss, im Interesse der Kinder, aber auch der ganzen Gesellschaft. Was ein gutes Bildungssystem ausmacht, schätzen die Parteien aber unterschiedlich ein.

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© iStockphotoSymbolbild.



ÖVP: Die Schule muss unsere Kinder auf die Veränderungen und Herausforderungen der Lebens- und Arbeitswelt von morgen vorbereiten. Dazu gehören digitale Grundkompetenzen ebenso wie der Umgang mit digitalen Medien oder Grundwissen über Programmiersprachen. Soziale Herkunft und der Bildungsstand der Eltern dürfen dabei nicht über den Ausbildungsweg entscheiden. Dafür müssen wir schon in der Schule sicherstellen, dass alle Kinder gleiche Chancen haben. So soll niemand die Pflichtschule verlassen, ohne ausreichend lesen, schreiben und rechnen zu können.

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Aufgabe des Bildungssystems ist es auch, die individuellen Stärken jedes Kindes zu fördern. Dafür braucht es ein vielfältiges Angebot an Schulformen und individuelle Schwerpunktsetzungen.

Auch die Lehre muss sich stetig weiterentwickeln und attraktiver werden, um mehr Durchlässigkeit zu schaffen. Gerade beim Studium gilt: Jeder, der die Fähigkeit und den Willen mitbringt, ein Studium zu absolvieren, sollte auch die Chance dazu haben. Die soziale Herkunft darf dabei keine Rolle spielen.

Eine weitere Herausforderung ganz besonders im urbanen Raum ist die deutsche Sprache. Ein Viertel aller Schülerinnen und Schüler spricht heutzutage zu Hause nicht mehr Deutsch als Umgangssprache. Durch die Einführung der Deutschförderklassen haben wir hier bereits einen Fortschritt geschafft, um gleiche Chancen für alle Kinder in Österreich herzustellen. Auch diese Maßnahme gilt es weiterzuentwickeln.

SPÖ: Für uns ist klar: Jedes Kind ist gleich viel wert und jedes Kind soll die gleichen Chancen haben. Bildung darf kein Privileg einiger weniger sein. Wir planen einen Chancenindex, um der „Vererbung“ von Bildungschancen einen Riegel vorzuschieben. Damit verbunden ist die optimale Förderung derjenigen Kinder, die von Herkunft und Geldmittel ihrer Familie her benachteiligt sind. Konkret sollen die finanziellen Ressourcen der öffentlichen Hand an jenen Schulen eingesetzt werden, an denen sie am meisten gebraucht werden.

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Wir wollen zusätzlich 5000 LehrerInnen und mehr Unterstützungspersonal an Österreichs Schulen einstellen, damit die Kinder die beste Bildung bekommen und LehrerInnen haben, die nicht überlastet sind. Wir setzen auf die Ganztagsschule. Der zügige Ausbau der Ganztagsschulen, Schulen ohne Hausübungen, mit qualitätsvollem, kostenlosem Mittagessen und Freizeitangebot muss bis 2025 so weit fortgeschritten sein, dass jede Familie ein ganztägiges Betreuungsangebot im Umkreis von 20 km vorfindet.

Die Einführung einer gemeinsamen Schule der 10- bis 14-Jährigen sieht die Sozialdemokratie nach wie vor als ein hervorragendes Mittel, um soziale Ungleichheiten im Schulsystem auszugleichen.

Der Zugang zu Hochschulen schließlich muss frei und offen geregelt sein, sodass es Menschen aus allen sozialen Schichten möglich ist zu studieren. Die ausreichende Finanzierung der Hochschulen muss gewährleistet sein.

FPÖ: In Österreich hat jeder die Möglichkeit, das umfassende Bildungsangebot in Anspruch zu nehmen. Sich dabei darauf zu verlassen, dass der Staat die alleinige Bringschuld hat, so wie es die Sozialisten seit Jahren predigen, ist aber der falsche Weg. Es muss jeder die Möglichkeit haben, sich mit Leistung auch Bildung anzueignen.

Darüber hinaus ist mit dem seltsamen Verständnis der Linken aufzuräumen, dass nur Maturanten und Studenten „Bildungsaufsteiger“ wären und jene, die einen Lehrberuf ergreifen, „Bildungsabsteiger“ seien. Für die FPÖ ist ein Lehrberuf/ Meister mindestens gleichwertig mit Matura/Studium.

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Zu glauben, dass der Staat die alleinige Verantwortung trägt, ob jemand das umfangreiche und meist kostenfreie Bildungsangebot in Anspruch nimmt, ist ein Irrtum der Linken. Freiheitliche Politik bedeutet Selbstverantwortung. Der Staat hat lediglich sicherzustellen, dass dem Grundrecht auf Bildung durch ein breites Angebot an qualifizierten und hochstehenden Bildungseinrichtungen entsprochen wird. Das Bildungssystem hat für jede soziale Schicht offen zu sein.

Auf jeden Fall sind unterschiedliche Begabungen und Talente zu berücksichtigen und zu forcieren, wie auch Hochbegabungen zu fördern. Im Sinne des letzten Regierungsprogramms sollen jedenfalls die Übertrittsmöglichkeiten zwischen den einzelnen Schultypen optimiert werden, um sicherzustellen, dass jede Schülerin und jeder Schüler die für sie bzw. ihn geeignete Bildungs- und Berufslaufbahn einschlagen kann.

NEOS: Wir NEOS sehen Bildung als das wichtigste Zukunftsthema. Sie schafft Voraussetzungen, das Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten, und ist der Schlüssel, um die Herausforderungen am Arbeitsmarkt oder der Integration zu bewältigen. In keiner Altersstufe kann gute Betreuung mehr bewirken als im Kleinkindalter. Durch eine deutlich höhere Qualität im Kindergarten wollen wir sicherstellen, dass alle Kinder die Grundlagen für ein gelingendes Leben bekommen.

Für Schulen fordern NEOS volle personelle, finanzielle und pädagogische Autonomie – ganz ohne parteipolitischen Einfluss. Wer mündige Menschen will, braucht eine mündige Schule. Die Schulen sollen eigene pädagogische Wege gehen können. Gemeinsames Ziel ist dabei die „Mittlere Reife“. Sie definiert, was Jugendliche mit 15 können sollen. Wir müssen auch die Lehrpläne entrümpeln und die Schulfächer neu denken: von Digitalisierung und Umweltbildung über unternehmerisches Denken bis hin zur Medienkompetenz.

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NEOS sehen die Lehre als hochwertige Berufsausbildung für junge Menschen, die aufgewertet und flexibilisiert werden muss.

An den Hochschulen braucht es eine kapazitätsorientierte Studienplatzfinanzierung, nachgelagerte Studiengebühren und einen Ausbau des Beihilfesystems.

Letztlich wollen NEOS auch die lebenslange Weiterbildung fördern. Mit einem Chancenkonto für alle Bürgerinnen und Bürger soll ein Anreiz dafür gesetzt werden.

Jetzt: Unser Ziel ist es, dass alle Menschen die beste Bildung bekommen, unabhängig vom Bildungsgrad ihrer Eltern.

Es gibt auch in Österreich zahlreiche Best-Practice- Beispiele von Schulen, die Unglaubliches leisten. Dieses Know-how gilt es für eine gemeinsame Schule für alle 10- bis 14-Jährigen zu nützen.

Expert*innen bestätigen zudem, dass jeder Euro, der so früh wie möglich in die Entwicklung unserer Kinder gesteckt wird, ein Vielfaches mehr bringt. Wir fordern daher ein verpflichtendes zweites Kindergartenjahr für alle Kinder österreichweit. Zudem muss die Elementarpädagogik mit mehr Personal ausgestattet werden, damit etwaige Schwierigkeiten wie Sprachdefizite ausgeglichen werden können.

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Ebenso ermöglicht die Betreuung von Kleinkindern vielen Familien bzw. Frauen, wieder beruflich Fuß zu fassen. Das ist etwa für Alleinerziehende essenziell. Jeder Euro für die frühkindliche Erziehung ist daher Gold wert!

Es braucht auch zusätzliches Personal an den Volksschulen. Dazu gehört auch die Möglichkeit einer flächendeckenden Ganztagesbetreuung, um soziale Ungleichheiten bereits frühestmöglich ausgleichen zu können.

Die aktuelle TALIS-Studie der OECD zeigt, dass Österreich in Sachen Unterstützungspersonal an Schulen im internationalen Vergleich weit hinten liegt. Unsere Lehrkräfte leisten schon so viel und dürfen nicht alleingelassen werden. Vor allem dann nicht, wenn herausfordernde Schüler*innen besondere Unterstützung brauchen.

Grüne: Die Grünen wollen ein Bildungssystem, das kein Kind und keinen Jugendlichen zurücklässt, sich an Stärken statt an Schwächen orientiert und auf Kooperation statt Konkurrenz setzt.

Es braucht ein neues System, denn das bestehende wird nicht durchlässiger: Wir beginnen mit dem zweiten verpflichtenden Kindergartenjahr und einem Rechtsanspruch auf einen kostenlosen Kindergartenplatz ab dem 1. Geburtstag. Der Bund muss die Gemeinden durch höhere Zuschüsse entlasten.

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Dann geht es weiter mit einer gemeinsamen Schule der 6- bis 14-Jährigen. Bereits hier muss inklusive Bildung für behinderte Menschen gewährleistet sein.

Die verpflichtenden Deutschklassen in den Volksschulen müssen abgeschafft werden. Es gilt die Deutschförderung zu stärken, aber richtig – Integration statt Ausschluss – und Lust am gemeinsamen Lernen zu fördern, vor allem durch den Ausbau ganztägiger Schulformen mit verschränktem Unterricht.

Ab der 9. Schulstufe differenzieren sich die Bildungswege. Bei allen Schulen soll der Unterricht modularisiert werden, es soll projektorientiert und fächerübergreifend gelernt werden. Dazu braucht es ein Bildungs-Konjunkturpaket: (Aus-)Bildung senkt Arbeitslosigkeit.

Schließlich gute Übergänge zwischen 11. Schulstufe, Matura und Studienbeginn durch fächerübergreifende Orientierungsphasen für eine informierte und gezielte Studienwahl.

Und spätestens mit dem 10. Geburtstag sollten alle Kinder schwimmen können – Schwimmen rettet Leben.