Letztes Update am Mo, 26.08.2019 06:28

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Neuwahl

„Es wird zu wenig gerannt“: Grüner Willi rügt die Seinen

Es gebe „zu viel Euphorie“ und die Wahl werde derzeit auf die leichte Schulter genommen meint Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi.

Innsbrucks Stadtchef Georg Willi.

© Foto TT / Rudy De MoorInnsbrucks Stadtchef Georg Willi.



Innsbruck – Der Innsbrucker Grünen-Bürgermeister Georg Willi ist trotz guter Umfragewerte besorgt – und begehrt mehr Kampfeslust der Parteikollegen. „Es wird zu wenig gerannt“, befindet Willi, Ex-Klubobmann in Tirol und Nationalratsabgeordneter, via APA.

Die Lage für die Grünen bewertet er so: „Sie ist ernst, aber nicht hoffnungslos.“ Bundessprecher Werner Kogler mache zwar einen „tollen Job“ und sei der ideale Spitzenkandidat, aber: „Stimmungsmäßig ist mir noch zu wenig Breite da. Die anderen müssen mehr rennen, mehr laufen, mehr überzeugen, mehr auf die Straße gehen, mehr mit den Leuten reden.“

Er erwarte „mehr Ernsthaftigkeit von jedem Einzelnen“, sagt Willi. Es gebe „zu viel Euphorie“, die Wahl werde derzeit auf die leichte Schulter genommen: „Es fängt schon wieder an, dass manche sagen, es wird ohnehin funktionieren.“

Dabei starte die Partei von 3,8 Prozent weg – das müsse jedem bewusst sein. Bei der Wahl 2017 sei „etwas Unvorstellbares passiert“. Jetzt sei er zwar „optimistisch“, dass der Wiedereinzug gelingt: „Es ist aber noch lange nicht in trockenen Tüchern.“ Das in den Umfragen seit Juni prognostizierte zweistellige Ergebnis sei „noch lange nicht erwartbar“.

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Die Partei verlasse sich zudem zu sehr auf das Klimathema. „Nett, dass es ‚Fridays for Future‘ gibt. Das ist aber keine grüne Vorfeldorganisation. Wir haben unseren Job allein zu machen.“

Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP nach der Wahl würde Willi zwar gutheißen („Ja zum Versuch, Österreich ökologischer zu machen. Natürlich wird man reden.“), aber für eine Koalition müsste man „über einen Canyon drüberhüpfen“. Für den Fall, dass verhandelt wird, hält Willi ein Szenario wie 2002 für wahrscheinlich.

Damals standen die Grünen unter Alexander Van der Bellen vom Verhandlungstisch, bei dem sie mit ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel, saßen, letztlich auf: „Die Wahrscheinlichkeit, dass das wieder passieren wird, ist genauso hoch wie damals. Dass wir zur ÖVP sagen: ‚Ihr seid so blau eingefärbt, dass sich das nicht ausgeht.‘“ Ein erneuter Pakt von ÖVP und FPÖ ist für Willi zu 90 Prozent wahrscheinlich. Die ÖVP werde Herbert Kickl als FPÖ-Klubchef akzeptieren. (APA, TT)