Letztes Update am Mi, 28.08.2019 12:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innenpolitik

YouTube löschte Kanal von Identitären-Chef Martin Sellner

Der YouTube-Kanal von Martin Sellner, dem Chef der rechtsextremen Identitären, wurde gelöscht. Das verkündete Sellner selbst auf seinem Zweitkanal. Er vermutet sein Hochzeitsvideo dahinter. Vermutlich geht YouTube aber einfach nur verstärkt gegen extremistische Inhalte vor.

Identitären-Sprecher Martin Sellner.

© APAIdentitären-Sprecher Martin Sellner.



Wien — Wegen „wiederholter oder grober Verletzungen" der Community-Richtlinien von YouTube wurde der Kanal des Identitären-Sprechers Martin Sellner von der Videoplattform deaktiviert. Sellner selbst äußerte sich im „vermutlich letzten Live-Video auf YouTube" auf seinem Zweitkanal zur „Vaporisierung" des Kanals mit „107.000 Abonnenten" und beschwerte sich über einen möglichen Verdienstentgang. Im Video blendete er auch einen Screenshot mit der Nachricht von YouTube ein. Er glaubt, dass sein Hochzeitvideo Grund für den Schritt von YouTube ist. „Das war YouTube wahrscheinlich zu heteronormativ und zu traditionalistisch", so Sellner zynisch.

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Viel realistischer ist, dass YouTube ernst macht und tatsächlich verstärkt gegen extremistische Inhalte mit diskriminierenden Botschaften vorgeht, so wie es bereits Anfang Juni angekündigt wurde. Der Identitären-Chef hat in der Vergangenheit immer wieder mit extremistischen Botschaften in seinen Videos für Aufsehen gesorgt. Er berichtete unter anderem über einen drohenden „Bevölkerungsaustuasch" und verbreitete Verschwörungstheorien.

Sellners Konten auf Instagram, Facebook, Kickstarter und Paypal sind deswegen bereits gesperrt worden. Der populäre Rechtsextremist glaubt, dass eine „feindliche Matrix" bei Google dahintersteckt. Jedenfalls kündigt er nun rechtliche Schritte gegen YouTube (die Videoplattform gehört bekanntlich Google) an.

Martin Sellner befindet sich gerade in den Flitterwochen in Rom. Vor wenigen Tagen heiratete er die amerikanische Alt-Right-Aktivistin Brittany Pettibone in Österreich. Eigentlich hatten beide in den USA heiraten wollen — Sellner wurde wegen „seines Hintergrundes" allerdings das ESTA-Visum aberkannt. (TT.com)